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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zur
ERINNERUNG an GEBURT und TOD
Denn sehen Sie, kein Mensch kann sich mit gewöhnlichen physischen Erkenntnismitteln an seine eigene Geburt erinnern. Die eigene Geburt kann niemand aus der Erfahrung beweisen, weil er sie nicht geshen hat. Die Geburt ist etwas, das vor dem Menschenauge hier im physischen Leben nicht stehen kann. Die Geburt liegt vor der Zeit, an die man sich erinnert. Und die Geburt steht nie da. Der Tod aber - und dadurch unterscheidet er sich von der Geburt in seiner Bedeutung nach dem Tode - steht immer als das größte, bedeutendste, lebendigste, vollkommenste Ereignis vor dem geistigen Auge in der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Denn der Tod ist eben das, wovon wir unser Ich-Bewußtsein nach dem Tode haben. Und ebenso wie es uns hier in unserem physischen Leben unmöglich ist, uns an unsere Geburt zu erinnern, ebenso notwendig und selbstverständlich ist es in der ganzen Zeit, die wir in der geistigen Welt verbringen, in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt, daß immer der Moment, wo der Geist sich losringt von dem Leibe, vor unserem geistig-seelischen Blick steht. Denn aus diesem Tod heraus fließt uns eben im Zusammenhang mit dem, was wir hier erlebt haben, die Kraft, die wir brauchen, um uns als Ich zu fühlen. Man könnte sagen: könnten wir nicht sterben, so könnten wir ein geistiges Ich überhaupt nicht erleben. Denn daß wir ein geistiges Ich erleben, verdanken wir dem Umstande, daß wir physisch sterben können. So also liegt die Sache für unser Ich. Dieses Ich wird gestärkt und gekräftigt dadurch, daß wir die ersten Tage, in denen wir noch im Ätherleibe sind, nach dem Tode erleben. Dann wird dieser Ätherleib abgelegt, und wir erleben rücklaufend das Leben, das wir das wir den Durchgang der Menschenseele durch die Seelenwelt nennen können,[a] ein Leben, das nun schon länger dauert als das kurze, nur Tage andauernde Leben, das unmittelbar auf den physischen Tod folgt.
Berlin, 16.Nov.1915/MA
aus «GA 157a»; S.21f
a] Kamaloka (vgl. «GA 9»; S.105ff)