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Zitatensammlung
Teil 1
Zitate von Rudolf STEINER zu
KRISHNA
[1] Krishna, man kann ihn etwa einige Jahrhunderte vor dem Buddha setzen; aber darauf kommt es jetzt nicht an. Die Hauptsache ist: je mehr man auf sich wirken läßt, was Krishna ist und was Buddha ist, desto mehr sieht man ein, daß von einer gewissen Seite her die Buddha-Verkündigung in Krishna in einem noch helleren Lichte erscheint und bei Buddha - wie wir gleich charakterisieren wollen - in einer gewissen Weise dann am Ende ist.
[2] Krishna, in diesem Namen faßt sich in der Tat etwas zusammen, was in der geistigen Entwickelung über viele, viele Jahrtausende der Menschheitsentwickelung hinleuchtet. Und wenn man sich hineinvertieft in all das, was man bezeichnen könnte als die Offenbarung, als die Verkündigung des Krishna, dann sieht man hinauf in erhabene Höhen menschlicher Geistesoffenbarung, denen gegenüber man das Gefühl hat: In bezug auf das, was aus der Offenbarung des Krishna ertönt, in bezug auf alles, was in ihr enthalten ist, kann es überhaupt keinen Fortschritt, eine Erhöhung noch geben. [...]
[3] Von der Offenbarung des Krishna darf man sagen: Es ist diese in einer gewissen Weise eine Geheimlehre. Warum eine Geheimlehre? Eine Geheimlehre einfach aus dem Grunde, weil wenige Menschen sich die innere Eignung verschaffen können, um zu der geistigen Höhe emporzuklimmen, um die Dinge zu verstehen. Man braucht solche Dinge, die der Krishna geoffenbart hat, nicht durch äußere Mittel abzuschließen, nicht einzusperren, damit sie geheim bleiben; denn sie bleiben aus keinem anderen Grunde geheim, als weil die wenigsten Menschen zu der Höhe sich hinauferheben, zu der es notwendig ist sich zu erheben, um sie zu verstehen. [...]
[6] Man darf das, was von Krishna herüberleuchtet, mit dieser sogenannten neuesten Evolutionsphase des menschlichen Aufstieges in die geistigen Höhen vergleichen; nur ist eben ein bedeutender Unterschied vorhanden. Was uns da entgegentritt in Fichte, Schelling und Hegel, diesen reifsten Denkern des Christentums, das tritt uns in der vorchristlichen Zeit, so wie es damals sein mußte, bei Krishna entgegen. Denn was ist diese Krishna-Offenbarung? Sie ist etwas, was nachher niemals wiederkommen konnte, was in seiner Höhe hingenommen werden muß, weil es in seiner Art nicht überboten werden kann. [...] Wenn man - nur ein paar Proben seien herausgenommen - in einer richtigen Weise auf sich wirken läßt Worte wie diese, sie gehören der Bhagavad Gita an, wo Krishna spricht, um sein eigenes Wesen anzudeuten, so kommt man zu gewissen Erkenntnissen, Gefühlen und Empfindungen, die wir nachher charakterisieren werden. So sagt Krishna (im zehnten Gesang):
[7] «Ich bin des Werdens Geist, sein Anfang, seine Mitte und sein Ende. Unter den Wesen bin ich das edelste stets von allem, was geworden ist. Unter den geistigen Wesen bin ich Vishnu, bin die Sonne unter den Sternen, bin unter den Lichtern der Mond, bin unter den Elementen das Feuer, bin unter den Bergen der hohe Meru, bin untern den Wassern das große Weltenmeer, bin unter den Flüssen Ganga, bin unter der Bäume Menge Asvattha, bin der Herrscher im wahren Sinne des Wortes der Menschen und aller Wesen, die da leben, bin unter den Schlangen die, die da ewig ist, die des Daseins Grund selber ist.» [a]
[8] Und nehmen wir eine andere Manifestation aus derselben Kultur heraus, die wir in den Veden finden:
[9] «Die Devas versammeln sich um den Thron des Allmächtigen und fragen in Hingebung, wer er selbst sei. Da antwortet er» - der Allmächtige, das ist also der Weltengott in diesem altindischen Sinne -: «Wäre ein anderer als ich, so würde ich mich durch ihn beschreiben. Ich bin von Ewigkeit gewesen und werde in alle Ewigkeit sein. Ich bin die erste Ursache von allem, die Ursache von alledem, das sich befindet im Westen, Osten, Norden, Süden, bin die Ursache von allem in den Höhen oben, in den Tiefen unten. Ich bin alles, bin älter, als was da ist. Ich bin der Herrscher der Herrscher. Ich bin die Wahrheit selber, bin die Offenbarung selbst, bin die Ursache der Offenbarung. Ich bin die Kenntnis, bin die Frömmigkeit und bin das Recht. Ich bin allmächtig.»
[10] Und als gefragt wird innerhalb dieser Kultur - so wird es in dieser alten Urkunde dargestellt - nach der Ursache von allem, da wird gesagt:
[11] «Diese Ursache der Welt - Feuer ist es, die Sonne ist es, und der Mond ist es auch; so auch ist es dieses reine Brahman und dieses Wasser und dieses oberste der Geschöpfe. Alle Augenblicke und alle Wochen und alle Monate und alle Jahre und alle Jahrhunderte und alle Jahrtausende und alle Jahrmillionen sind aus ihm hervorgegangen, sind hervorgegangen aus seiner strahlenden Persönlichkeit, die niemand begreifen kann, nicht oben, nicht unten, nicht rings im Umkreise und nicht in der Mitte, da wo wir stehen.»
[14] Wovon spricht also Krishna eigentlich? Von nichts anderem als von dem, was auch der Mensch, wenn er in sich selber geht, als seine Wesenheit erkennen kann; aber nicht die Wesenheit, die er im gewöhnlichen Leben darstellt, sondern die hinter der gewöhnlichen Offenbarung des Menschen und dem menschlichen Seelischen ist. Er spricht von der Menschenwesenheit, die in uns ist, weil die wahre Menschenwesenheit eins ist mit dem All. Es ist nicht die Erkenntnis etwa, die sich egoistisch gebärdet in Krishna; es ist das in Krishna, was hinweisen will auf das Höchste im Menschen, das sich identisch, sich einheitlich sehen darf mit dem, was als das Wesen in allen Dingen lebt.
Basel, 19.Sep.1912/JV
aus «GA 139»; S.91ff
[15] Zur Führung der Menschheit treten von Zeit zu Zeit die Wesenheiten auf, wie wir sie zu sehen haben in dem großen Lehrer des Arjuna, in dem Krishna. Der Krishna lehrt die höchste menschliche Weisheit, das höchste Menschentum, und er lehrt es als sein eigenes Wesen und wiederum doch so, daß es eine verwandte Seite anschlägt in jeglicher Menschennatur, weil in der Anlage alles das, was in den Worten des Krishna liegt, in jeder menschlichen Seele sich findet. So blickt der Mensch, indem er zu Krishna aufblickt, zugleich zu seinem eigenen höchsten Selbst hinauf; zugleich aber auch zu einem anderen, das wie ein anderer Mensch vor ihm stehen kann und in dem er als in einem anderen zugleich das verehrt, was er der Anlage nach ist und was doch ein anderer ist wie er, das zu ihm sich verhält wie ein Gott zu dem Menschen. So müssen wir uns das Verhältnis des Krishna zu seinem Schüler Arjuna vorstellen. Dann wird aber auch der Grundton angegeben, der uns entgegentönt aus der Gita, jener Grundton, der so klingt, als ob er jede Seele anginge, in jede Seele hineintönen könnte, der ganz menschlich, intim menschlich ist, so intim menschlich, daß eine jede Seele fühlt, sie müsse es sich zum Vorwurf machen, wenn sie sich nicht verwandt fühlte der Sehnsucht, hinzuhorchen auf die große Krishna-Lehre.
[16] Auf der anderen Seite erscheint uns alles so gelassen, so leidenschaftslos, so affektlos, so erhaben und weise, weil das Höchste spricht, was Göttliches ist in jeder Menschennatur und doch als göttlich-menschliche Wesenheit einmal in der Evolution der Menschheit verkörpert erscheint.
[17] Und wie erhaben sind sie, diese Lehren! Sie sind wirklich so erhaben, daß mit Recht diese Gita den Namen des Erhabenen Sanges trägt, der Bhagavad Gita. Da tritt uns zunächst entgegen die große Lehre, [...], daß alles das, was sich in der Welt wandelt, und sei es selbst sich wandelnd in einer solchen neuen Form, daß Entstehen und Vergehen, Geburt und Tod, Siegen oder Besiegtwerden äußerlich erscheint, daß in dem allen ein Unvergängliches, ein Ewiges, ein Bleibendes, ein Seiendes sich ausdrückt, und daß derjenige, der die Welt richtig anschauen will, sich hindurchringen muß von dem Vergänglichen zu diesem Unvergänglichen. Das tritt uns entgegen schon durch den Sankhya, also durch die vernünftige Überlegung von der Unvergänglichkeit in allem Vergänglichen, von dem, daß die besiegte Seele und die Siegerseele gleich sind vor Gott, wenn das Tor des Todes hinter beiden sich schließt.
[18] Dann aber sagt der Krishna weiter seinem Schüler Arjuna, daß auch auf einem anderen Wege die Seele von der Anschauung der Alltäglichkeit hinweggeführt werden kann: Das ist durch den Yoga. Wenn die Seele andächtig werden kann, so ist das die andere Seite der Seelenentwickelung. Die eine Seite ist die, wo man von Erscheinung zu Erscheinung geht und überall sein entweder vom Hellsehertum durchleuchtetes oder nicht durchleuchtetes Ideenvermögen anwendet. Die andere Seite ist die, wo man alle Aufmerksamkeit abwendet von der äußeren Welt, wo man das Tor der Sinne schließt, wo man schließt alles das, was Vernunft und Verstand von der Außenwelt sagen können, wo man schließt alle Tore gegenüber dem, woran man sich erinnern kann als im gewöhnlichen Leben erfahren, wo man in sein Inneres geht und heraufholt durch entsprechende Übungen das, was in der eigenen Seele ruht, wo man die Seele hinwendet zu dem, was man als das Höchste ahnen kann und aus der Kraft der Andacht heraus sich zu erheben versucht. Wo das geschieht, da kommt man durch den Yoga immer höher und höher, kommt zu den höchsten Stufen, die man erreichen kann, wenn man sich zuerst bedient der leiblichen Werkzeuge, zu jenen höheren Stufen, in denen man lebt, wenn man frei geworden ist von allen leiblichen Werkzeugen, wenn man sozusagen außerhalb seines Leibes in seinen höheren Gliedern der menschlichen Organisation lebt. So lebt man sich hinauf, in eine ganz andere Form des Lebens hinein. Die Lebenserscheinungen und -betätigungen werden geistig, spirituell. Man nähert sich immer mehr und mehr dem eigenen göttlichen Sein und erweitert das eigene Sein zum Weltensein, erweitert den Menschen zum Gott, indem man die individuelle Beschränkung auf das eigene Sein verliert und aufgeht im All durch den Yoga.
Köln, 30.Dez.1912/MO
aus «GA 142»; S.62ff
a] vgl. wie Krishna zu Radha spricht (zB. in „Punkt bin ich”)