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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zum
OPFER der THRONE
[...] Wenn wir uns nun dieser schauervollen Leere nähern mit den anderen Vorbereitungen, welche uns durch die verschiedenen Mittel gegeben sind, wie es zum Beispiel in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» ausgeführt ist und in dem, was sich weiter darauf aufbaut, und eindringen in die geistige Welt, in eine Welt, aus der alles heraus ist, was unser Gemüt erschüttern, was unsere Vorstellung erfassen kann, wenn wir uns einleben in diese Welt, dann lernen wir, indem wir uns sozusagen einstellen auf das Saturndasein, zunächst Wesenheiten kennen, jetzt aber nicht etwas, was ähnlich schaut dem Tierreich, Pflanzenreich oder Mineralreich, sondern Wesenheiten - es ist ja eine Welt, in der keine Wolken sind, auch kein Licht ist, in der es auch ganz tonlos ist -, aber wir lernen kennen Wesenheiten, und zwar jene Wesenheiten lernen wir kennen, die in unserer Terminologie genannt werden die Geister des Willens oder die Throne. Diese Geister des Willens - sie lernen wir gerade so kennen, dass es wie eine richtige Gegenständlichkeit für uns wird, man könnte sagen: ein wogendes Meer des Mutes.
Was sich der Mensch zunächst nur vorstellen kann, das wird hellseherisch Gegenwart. Denken Sie sich getaucht in das Meer, aber jetzt getaucht als geistiges Wesen, welches sich eins fühlt mit der Christuswesenheit, getragen von der Christuswesenheit, schwimmend, aber jetzt nicht in einem Meere von Wasser, sondern in einem den unendlichen Raum erfüllenden Meere von - es gibt keine andere Bezeichnung dafür - flutendem Mute, flutender Energie! Das ist nicht etwa bloß ein gleichgültiges, undifferenziertes Meer, sondern alle Möglichkeiten und Unterschiedlichkeiten dessen, was man bezeichnen kann mit dem Gefühl des Mutes, tritt uns da entgegen. Wir lernen kennen Wesenheiten, die zwar aus Mut bestehen, die aber sehr wohl spezifiziert sind, die wir, wenn sie auch nur aus Mut bestehen, sehr wohl als konkrete Wesenheiten treffen. [...] Als solche Wesenheiten treffen wir die Geister des Willens, und zunächst bezeichnen wir nur das als Saturndasein, was die Geister des Willens, die aus Mut bestehen, darstellen; sonst nichts. Das ist zunächst Saturn. Das ist eine Welt, von der wir nicht sagen könnten, sie sei eine Welt, die kugelförmig, sechseckig oder viereckig ist. Alle diese Bestimmungen des Raumes passen nicht darauf, denn es gibt dort nicht die Möglichkeit, ein Ende zu finden. Wenn wir noch einmal das Bild vom Schwimmen gebrauchen wollen, so können wir sagen: es ist nicht ein Meer, wo man an eine Oberfläche kommen würde, sondern nach allen Seiten findet man immer Geister des Mutes oder des Willens.
Ich werde in späteren Vorträgen charakterisieren, wie man nicht gleich auf einmal zu dieser Sache kommt, ich will jetzt nur dieselbe Ordnung einhalten wie früher: Saturn, Sonne, Mond; denn es ist viel besser, wenn man die umgekehrte Richtung einhält: von der Erde zum Saturn, wie es in Wirklichkeit hellseherisch geschieht. - Jetzt charakterisiere ich umgekehrt, das macht aber nichts.
Das Eigentümliche ist: wenn man sich bis zu diesem Anschauen erhoben hat, tritt eines ein, was für den ungeheuer schwer ist, sich vorzustellen, der sich nicht bemüht, langsam und allmählich zu solchen Vorstellungen zu kommen. Denn es hört etwas auf, was mit dem gewöhnlichen menschlichen Vorstellen so verquickt ist wie nur irgend etwas: der Raum hört auf. Es hat keinen Sinn mehr, zu sagen, man schwimme oben oder unten, vorn oder hinten, rechts oder links, oder überhaupt Raumverhältnisse anzuwenden. Es hat keinen Sinn bei dem alten Saturn; es ist überall gleich in dieser Beziehung. Aber das Wichtige ist: wenn man in die ersten Zeiten des Saturndaseins kommt, so hört auch die Zeit auf. Es gibt kein Früher oder Später mehr. Das ist natürlich für den Menschen heute sehr schwer vorzustellen, weil sein Vorstellen selbst in der Zeit verfließt: ein Gedanke ist vor oder nach dem anderen. Dass die Zeit aufhört, das ist nun wieder nur durch ein Gefühl zu charakterisieren. Dieses Gefühl ist wahrhaftig nicht angenehm. - Denken Sie sich einmal ihre Vorstellungen erstarrt, so dass alles, woran Sie sich erinnern können und was Sie sich vornehmen, wie zu einem starren Stabe erstarrt, so dass Sie sich festgehalten fühlen in ihrem Vorstellen und sich nicht mehr rühren können. Dann werden Sie nicht mehr sagen können, Sie haben etwas, was Sie früher erlebt haben, «früher» erlebt. Sie sind angebunden daran, es ist da, aber es ist erstarrt. Die Zeit hört auf, eine Bedeutung zu haben. Sie ist überhaupt nicht mehr da. Deshalb ist es auch ziemlich unsinnig, wenn man fragt: Du schilderst da das Saturndasein, das Sonnendasein und so weiter, sage doch, was vor dem Saturndasein war! «Vorher» hat da keinen Sinn mehr, weil die Zeit aufhört, so dass man auch aufhören muß mit allen Zeitbestimmungen. Es ist wirklich beim alten Saturndasein - in einem sehr vergleichsweisen Sinn kann man das sagen - die Welt wie mit Brettern verschlagen, indem man mit dem Gedanken stillestehen muß. Mit dem Hellsehen auch. Die gewöhnlichen Gedanken muß man schon lange zurücklassen, die gehen nicht bis dahin. Bildlich, vergleichsweise ausgedrückt, müßten Sie sich sagen, dass ihr Gehirn einfriert. Und indem Sie diese Starrheit gewahr werden, würden Sie ungefähr eine Vorstellung haben von dem Bewußtsein, das sich nicht mehr in der Zeit abschließt.
Nun wird man, wenn man so weit gekommen ist, eine merkwürdige Abwechslung in dem ganzen Bilde gewahr. Es zeigt sich jetzt, dass aus der Starrheit, der Zeitlosigkeit, durch welche dieses unendliche Meer des Mutes mit seinen Wesenheiten, die wir die Geister des Willens nennen, charakterisiert ist, Wesen anderer Hierarchien wie durchschlagen, wie hineinspielen. Erst in dem Moment, wo man dieses Nichtmehrvorhandensein in der Zeit spürt, merkt man es, dass da andere Wesen hineinspielen. Man merkt nämlich ein unbestimmtes Erleben, von dem man nicht sagen kann, dass man es selbst erlebt, sondern dass es da ist, kann man nur sagen, dass es in dem ganzen unendlichen Meere des Mutes drinnen ist. Man merkt etwas wie ein durch dieses Feld gehendes Aufblitzen, wie ein Hellerwerden, aber nicht eigentlich ein Blitzen, sondern mehr ein Aufglimmen. Es ist eine erste Differenzierung. Ein Aufglimmen - aber ein Aufglimmen, das nicht den Eindruck macht des aufglimmenden Lichtes, sondern - man muß ja bei diesen Dingen zu mancherlei greifen - wenn Sie es sich begreiflich machen wollen, so denken Sie sich folgendes. Sie treten einem Menschen gegenüber, der Ihnen etwas sagt, und Sie bekommen das Gefühl: Wie ist doch der klug! - und indem er weiterredet, steigert sich dieses Gefühl, und Sie empfinden: Der ist weise, hat Unendliches erlebt, dass er so weise Dinge sagen kann! - und diese Persönlichkeit wirkt außerdem so, dass Sie förmlich etwas wie einen Zauberhauch von ihr ausgehen fühlen. Denken Sie sich diesen Zauberhauch unendlich gesteigert - und denken Sie sich das in dem Meer des Mutes auftauchen wie Wolken, die darinnen nicht aufblitzen, sondern aufglimmen. Wenn Sie das alles zusammennehmen, haben Sie eine Vorstellung davon, dass hineinspielen in die Hierarchie der Geister des Willens Wesenheiten, welche ganz Weisheit sind, aber eine solche Weisheit, die da hineinspielt strahlend, die nicht bloß Weisheit ist, sondern hinstrahlende Weisheit ist. Kurz, Sie bekommen eine Vorstellung zunächst dessen, was hellseherisch Wahrnehmung ist von dem, was die Cherubim sind. Die Cherubim spielen da hinein.
Jetzt denken Sie sich gar nichts um sich als das, was ich eben beschrieben habe. Ich sagte vorhin, indem ich darauf einen gewissen Wert legte: Man kann nicht sagen, man habe es um sich -, sondern man kann nur sagen, es ist eben da -, wie ich es jetzt beschrieben habe. Man muß sich da hineindenken. Nun aber die Vorstellung, dass etwa da ein Aufblitzen sei, ist nicht ganz richtig; deshalb sagte ich, es ist nicht ein Blitzen, sondern ein Glimmen, weil alles gleichzeitig ist. Es ist eben nicht etwa, dass eines entsteht und vergeht, sondern alles ist gleichzeitig. Aber man bekommt jetzt ein Gefühl von einer Beziehung dieser Geister des Willens und der Cherubim. Man bekommt das Gefühl, dass die ein Verhältnis zueinander gewinnen. Dieses Bewußtsein erlangt man. Und zwar erlangt man das Bewußtsein, dass die Geister des Willens oder die Throne ihre eigene Wesenheit den Cherubim opfern. Das ist die letzte Vorstellung, zu der man überhaupt kommt, wenn man sich, rückwärtsgehend, dem Saturn nähert - die sich opfernden Geister des Willens, die ihre Opfer hinauflenken zu den Cherubim -, weiter geht es nicht, da ist die Welt wie mit Brettern verschlagen. Und indem man erleben kann dieses Opfern der Geister des Willens gegenüber den Cherubim, preßt sich etwas los aus unserem Wesen. Das kann man jetzt nur mit dem Worte sagen: Durch das Opfer, das die Geister des Willens den Cherubim bringen, wird die Zeit geboren. - Aber die Zeit ist jetzt nicht jene abstrakte Zeit, von der wir gewöhnlich sprechen, sondern sie ist selbständige Wesenheit. Jetzt kann man anfangen zu reden von etwas, was beginnt. Die Zeit beginnt mit dem, was da zunächst als Zeitwesenheiten geboren wird, die nichts sind als lauter Zeit. Es werden Wesenheiten geboren, die nur aus Zeit bestehen; das sind die Geister der Persönlichkeit, die wir dann als Archai in der Hierarchie der geistigen Wesenheiten kennenlernen. Im Saturndasein sind sie nur Zeit. Bei uns haben wir sie auch beschrieben als Zeitgeister, als Geister, welche die Zeit regeln. Aber die da geboren werden als Geister, sind wirklich Wesenheiten, die überhaupt nur aus Zeit bestehen.
Das ist etwas außerordentlich Wichtiges: teilzunehmen an diesem Opfer der Geister des Willens gegenüber den Cherubim und an der Geburt der Geister der Zeit. Denn erst jetzt, indem die Zeit geboren wird, tritt etwas anderes auf, was uns jetzt überhaupt erst möglich macht, von dem Saturnzustande als von etwas zu sprechen, was sozusagen einige Ähnlichkeit hat mit dem, was uns jetzt umgibt. Gleichsam der Opferrauch der Throne, der die Zeit gebiert, ist das, was wir die Wärme des Saturn nennen. Daher sagte ich früher immer, der Saturn ist im Wärmezustand, indem ich beschrieb, was da ist. Gegenüber all den Elementen, die wir gegenwärtig um uns haben, können wir bei dem alten Saturnzustand nur sprechen als von einem Wärmezustand. Aber diese Wärme entsteht als Opferwärme, welche die Geister des Willens darbringen den Cherubim. Nun gibt uns das zugleich eine Anleitung, wie wir in Wahrheit über das Feuer denken sollen. Wo wir Feuer sehen, wo wir Wärme empfinden, sollten wir nicht so materialistisch denken, wie es dem heutigen Menschen natürlich und gewöhnlich ist, sondern wo wir Wärme auftreten sehen und fühlen, da ist auch heute noch in unserer Umgebung unsichtbar vorhanden, geistig zugrunde liegend, das Opfer von den Geistern des Willens gegenüber den Cherubim. Dadurch gewinnt die Welt erst ihre Wahrheit, dass wir wissen, dass hinter jeder Wärmeentwicklung ein Opfer ist.
Berlin, 31.Okt.1911/MA
aus «GA 132»; S.15ff