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Zitatensammlung
Teil 1
Zitate von Rudolf STEINER zum
SCHAUEN der SONNE um MITTERNACHT
Unter der Anleitung des Lehrers sieht er Formen sich herausbilden, die nicht aus dieser Welt stammen. Später nimmt er diese Farbengebilde in der Wirklichkeit neben anderen Dingen wahr. Für solche Menschen ist ein Teil der Nacht etwas ganz anderes geworden. Es ist ein Zwischenzustand zwischen Wachen und Traum. Ein Traum, aus dem sich höhere Wahrheiten offenbaren. Das ist die astralische Welt.
Nun gibt es noch Höheres. Es tritt innerhalb dieser Farbengebilde etwas Besonderes auf. Aus dem Farbengebilde spricht der Ton, ein Durchtönen nimmt man wahr. In diesem Moment hat der Mensch das Devachan betreten, er befindet sich in der eigentlich geistigen Welt. Das ist der reale Hintergrund der beiden höheren Welten, die die Menschen betreten. Ist er in der Astralwelt, hört er nicht die Geräusche dieser Welt. Hier ist eine große Stille, alles spricht da durch Farbe und Licht. Und dann erklingt leise und lauter und immer lauter eine tönende Welt aus dieser Farbenwelt. Ist der Mensch dort, dann erlebt er den Geist der Welt. Da lernt er verstehen, was große Geister meinen, wenn sie wie Pythagoras von Sphärenmusik sprechen. Die Sphärenmusik der kreisenden Sonnen hat man sinnbildlich deuten wollen, sie ist aber so nicht zu deuten. Die durch den Weltenraum tönende Sonne ist eine tönende Wirklichkeit.
Ein okkultes Bild ist: Die Sonne um Mitternacht sehen. In dem Augenblick, wo der Chela oder Schüler hellsehend wird, sieht er durch die Erde durch, sieht er die Sonne. Aber noch größer ist es, wenn er die Sonne tönen hört.
Leipzig, 10.Nov.1906/SA
aus «GA 283»; S.39f
Überall erlebten die Schüler dieser [kleinen] Mysterienschulen dasselbe um die mitternächtliche Stunde der Weihe-Nacht.
Schon zeitig am Vorabend versammelten sie sich. In stillem Denken mußten sie sich klarmachen, was dies wichtigste Ereignis bedeute. Sie saßen in tiefem Schweigen im Dunkeln beieinander versammelt. Wenn dann die Mitternacht herankam, hatten sie schon stundenlang so gesessen im dunklen Raume. Gedanken der Ewigkeit durchzogen ihr Inneres. Dann, gegen Mitternacht, erhoben sich geheimnisvolle Töne, sie durchfluteten den Raum, im Anschwellen und Abschwellen. Die Schüler, die diese Töne hörten, wußten: Das ist die Sphärenmusik. Tiefe, weihevolle Andacht erfüllte ihre Herzen. Dann wurde es schwach hell. Das Licht ging aus von einer schwach erhellten Scheibe. Diejenigen, die das sahen, wußten, daß diese Scheibe die Erde vorstelle. Die erhellte Scheibe wird dann dunkler und dunkler, bis sie zuletzt ganz schwarz ist. Zugleich wurde es im Raum ringsum heller. Diejenigen, die das sahen, wußten, daß das schwarze Rund die Erde darstelle. Die Sonne, die sonst aber die Erde durchleuchtet, ist verhüllt. Die Erde kann die Sonne nicht mehr sehen. Dann bildete sich um die Erdenscheibe, nach außen verlaufend, Kreis um Kreis in Regenbogenfarben. Diejenigen, die das sahen, wußten: das ist die Iris. Dann erhoben sich um Mitternacht allmählich, anstelle des schwarzen Erdkreises, ein violett-rötlich leuchtender Kreis; auf dem stand ein Wort. Dies Wort war verschieden, je nach den Völkern, deren Glieder dies Mysterium erleben durften. In unserer heutigen Sprache würde das Wort lauten «Christos». Diejenigen, die das sahen, wußten: das ist die Sonne. Sie erschien ihnen in der mitternächtigen Stunde, wenn die Welt ringsum im tiefsten Dunkel ruht. Den Schülern wurde klargemacht, daß sie jetzt in Bildern erlebt hätten das, was man in den Mysterien nennt: die Sonne um Mitternacht schauen.
Derjenige, der wirklich eingeweiht ist, lernt die Sonne um Mitternacht wahrhaftig schauen, denn in ihm ist das Materielle ausgelöscht. Nur die Sonne des Geistes lebt in seinem Inneren und überstrahlt alle Dunkelheit der Materie.
Berlin, 17.Dez.1906/MO
aus «GA 96»; S.191f
Und wann dringt er vor zu diesen höheren geistigen Wesenheiten? Dann dringt er vor, wenn gleichsam für die Menschen die geistige Finsternis am höchsten ist. Der Mensch lebt , wenn er sonst frei ist in bezug auf seinen Astralleib und auf sein Ich, also vom Momente des Einschlafens bis zu dem des Aufwachens, er lebt, indem ihn Finsternis umgibt, weil er die geistige Welt, die ihn dann umgibt, nicht sieht. Diese Finsternis nimmt allmählich zu, erreicht einen Höhepunkt und nimmt wiederum ab bis zum Morgen, wo er aufwacht. Sie erlangt sozusagen einen höchsten Grad. Man kann diesen höchsten Grad geistiger Verfinsterung vergleichen mit demjenigen im äußeren Leben, was man die Mitternachtsstunde nennt. Wie in dieser normalerweise die äußere physische Finsternis am stärksten ist, wie sie bis dahin zunächst zunimmt und nachher abnimmt, so gibt es in bezug auf die geistige Finsternis einen höchsten Grad, eine Mitternacht. Auf einer gewissen Stufe des Hellsehens ist es so, daß man während der Zeit, während welcher für den ungeistig-erkennnenden Menschen die geistige Finsternis aufsteigt, die Elementargeister sieht; wiederum so beim Abfluten der Finsternis. Hat man nur eine niedere Stufe des Hellsehens erreicht, so ist es so, daß man zuerst sozusagen gewisse Elementargeister erlebt, daß aber gerade dann, wenn man den höchsten geistigen Moment erleben will, die Mitternachtsstunde, daß dann noch eine Verfinsterung eintritt, und erst dann wiederum eine Erhellung eintritt. Wenn man aber eine bestimmte Stufe des Hellsehens erreicht hat, dann wird, was man Mitternachtsstunde nennen kann, um so heller. In dieser Zeit* erlebt man das Anschauen derjenigen geistigen Wesenheiten, die in bezug auf die Elementargeister sind wie die Sonne zur physischen Erde; man erlebt die höheren, schöpferischen, die Sonnenwesenheiten, es tritt jener Moment ein, den man technisch nennt das Schauen der Sonne um Mitternacht.
* Man muß sich darüber klar sein, daß mit dieser «Mitternachtsstunde» nicht ein mit dem äußeren Zeitverlauf zusammenfallender Augenblick, sondern ein innerer Zustand gemeint ist.
München, 24.Aug.1909/MA
aus «GA 113»; S.46f
Das nannte man in den alten Mysterien das Schauen der Sonne um Mitternacht. Allerdings konnte die Sonne in ihrer größten Fülle und Herrlichkeit nur dann geschaut werden, wenn man sich mit seiner Seele in der Wintersonnenwende jenem Zustande genähert hatte, wo sozusagen der ganze äußere Sinnesteppich abgestorben war. Dann hatte man die Fähigkeit errungen, die Sonne jetzt nicht zu sehen als eine blendende Wesenheit, wie sie bei Tag erscheint, sondern alles Blendende an der Sonne war abgeschwächt zu schauen. Das Blendende an der Sonne hatte aufgehört, man sah überhaupt die Sonne nicht mehr als physische draußen, sondern als geistiges Wesen. [...] Aber mit diesem Schauen der Sonne war etwas wesentlich anderes verbunden, mit diesem Schauen der Sonne zeigte sich jetzt etwas höchst Merkwürdiges. Es zeigte sich nämlich jetzt in seiner Wahrheit [...], daß tatsächlich eine lebendige Wechselwirkung besteht zwischen all dem, was zu unserem Sonnensystem gehört als Planeten, und der Sonne selber. Es zeigte sich, daß fortdauernd Ströme gehen von den Planeten zur Sonne und von der Sonne zu den Planeten. Kurz, es zeigte sich da draußen geistig etwas, was sich vergleichen läßt mit etwas im Leben, was jeder kennt, nämlich mit dem Zirkulieren des Blutes im menschlichen Leibe. Wie das Blut von dem Herzen zu den Organen geht und von den Organen wiederum zurück zum Herzen in lebendigem Kreislauf, wenn Sie sich das vorstellen als lebendigen Blutkreislauf, so zeigte sich die Sonne als der Mittelpunkt lebendiger Geistesströmungen, welche von der Sonne zu den Planeten und von den Planeten zurück zur Sonne fließen. Das Ganze, was wir sonst Sonnensystem nennen, zeigte sich als lebendiges geistiges System; wir erblicken dann in der Tat unser Sonnensystem als dasjenige, wovon das Äußere wirklich nur ein Gleichnis ist. Und alles, was sich da andeutet in den einzelnen Planeten, ist etwas, was hindeutet auf das große, geistige Erlebnis, das jetzt geschildert worden ist, wie die Uhr hindeutet auf die äußeren Lebensverhältnisse, wenn sie die Zeit anzeigt.
Wien, 23.Mär.1910/ME
aus «GA 119»; S.91
Es hat dieses den Anschein, als ob es nur Verstecktes aus dem Alltagsleben wäre, und doch ist es nicht so, denn der Esoteriker der alten wie der heutigen Zeit hat diese Gefühle bei völliger Seelenstille unter Ausschaltung aller äußeren Eindrücke in seinem tiefsten Inneren zu schaffen. Wer so fühlen gelernt hatte, der erlebte nach längerer Übung - und das ist heute noch der Fall - das, was man in den alten Mysterien nannte: Das Schauen der Sonne um Mitternacht. - Die Erde wurde durchsichtig und durch die erblassende physische Form hindurch sah man das Geistige, was ihr zugrunde lag; statt der physischen Sonne erblickte man die große geistige Sonne, jene urgewaltige Wesenheit, von welcher die physische Sonne nur der stoffliche Leib war.
Rom, 11.Apr.1910/MO
aus «GA 118»; S.204
Wenn man nun das Glück hat, solch einen Eindruck zu bekommen, dann stellt sich etwas ganz Eigentümliches ein. Man mag dann tun, was man will: Es ist die Sonne nicht mehr als Sonne aufzufinden für das Bewußtsein. So wie die Sonne für andere Zustände des Bewußtseins aufzufinden ist, so ist sie nicht mehr aufzufinden. Die Sonne hört auf etwas Abgesondertes zu sein. Nur erst, wenn wir uns ein wenig zurechtfinden, dann bekommen wir den Eindruck: Wir haben ja da etwas vor uns, einen Zustand, für den eine abgesonderte Sonne eigentlich keinen Sinn mehr hat. Denn das Ganze, was da vor unsere okkulten Augen tritt, das können wir wiederum nur haben, wenn wir von unserem ganzen heutigen Planetensystem absehen und uns einstellen auf unsere gegenwärtige Sonne, das heisst, wenn wir den physischen Eindruck auch der Sonne tilgen. Man kann das ja am besten tun, wenn man versucht, den okkulten Eindruck von der Sonne nicht bei Tag zu haben, sondern bei Nacht. Für den okkulten Eindruck ist natürlich die Tatsache, daß bei Nacht die physische Erde vor der Sonne steht, kein Grund, keine Impression von der Sonne zu haben, denn die physische Erde ist zwar etwas Undurchsichtiges für physische Augen, aber nicht für die okkulten Augen. Im Gegenteil, wenn man bei vollem, hellem Tageslicht versucht, den okkulten Blick auf die Sonne zu richten, so sind die Störungen doch so groß, daß man kaum ohne physische Schädigung zu einem guten okkulten Eindruck von der Sonne gelangen kann. Daher ist auch in den alten Mysterien gar nicht versucht worden, die Schüler etwa bei Tag zu einem okkulten Eindruck von der Sonne kommen zu lassen, sondern man hat sie so unterwiesen, daß sie okkult die Sonne gerade dann kennenlernten in ihrer Eigentümlichkeit, wenn sie für das physische Auge am wenigsten zu sehen ist, nämlich um Mitternacht. Sie sind angeleitet worden, durch die physische Erde hindurch gerade um Mitternacht den okkulten Blick auf die Sonne zu richten. Daher finden Sie unter den mancherlei Beschreibungen, die geblieben sind von antiken Mysterien, unter den Dingen, die heute meist nicht verstanden werden, zum Beispiel in den ägyptischen Mysterien, den Satz: Der Schüler muß die Sone um Mitternacht sehen.
Helsingfors, 11.Apr.1912/JU
aus «GA 136»; S.147
In den alten Einweihungsstätten haben die Schüler suchen müssen unter der Führung ihrer Eingeweihten dasjenige, was man genannt hat in den alten Mysterien «das Schauen der Sonne um Mitternacht». Physisch schaut man die Sonne bei Tage. Um Mitternacht, durch die Erde durch, schauten die Eingeweihten die Sonne, während für den physischen Blick die Erde undurchsichtig ist. Indem sie also durch die Erde hindurch um Mitternacht die Sonne schauten, war abgestreift von der Sonne ihr physisches Dasein; dafür aber war eingeschrieben in das Sonnendasein das Geheimnis von dem Christus, dem Sonnengeist. Und voraus schauten die Schüler der alten Eingeweihten das Geheimnis von dem Christus, dem Sonnengeist. Es war ein höheres Naturschauen, ein Hellsichtigwerden innerhalb der Natur.
Dornach, 3.Apr.1915/SA
aus «GA 161»; S.224f
[...] solch ein Initiierter würde also etwa so gesagt haben: Wenn ich während des Tages auf freiem Felde stehe, den ahnenden Blick nach aufwärts richte, mich den Eindrücken der Sinne hingebe, so sehe ich die Sonne. Ich nehme sie wahr in ihrer blendenden Stärke am Mittag, und ich ahne und schaue hinter der blendenden Stärke der Sonne am Mittag das Wirken von geistigen Wesenheiten der zweiten Hierarchie im Sonnenhaften. Vor meiner Initiation schwand hinunter das Sonnenhafte mit dem abendlichen Untergange der Sonne. In dem Erscheinen der Abendröte verschwand das Scheinen der Sonne. Und ich machte vor meiner Initiation den Nachtweg durch, indem Finsternis um mich ward, und am Morgen erinnerte ich mich an diese Finsternis, wenn die Morgendämmerung kam und aus der Morgendämmerung heraus wiederum die Sonne erschien, um ihren Weg zu machen zur blendenden Helle des Mittags. Jetzt aber, nachdem ich die Initiation erlangt habe, ist es so: Wenn ich die Morgenröte erlebe, und die Sonne aus der Morgenröte wiederum zu ihrem Tagesgange sich anschickt, wird in mir die Erinnerung an das nächtliche Leben wach. Ich weiß, was ich während des nächtlichen Lebens erlebt habe. Ich erinnere mich ganz genau, daß ich geschaut habe, wie nach und nach ein bläulich glimmerndes Licht von der Abenddämmerung aus weiterhin ging vom Westen nach dem Osten, und wie ich schaute, woran ich mich jetzt genau erinnere, um die Mitternachtsstunde die Sonne am entgegengesetzten Himmelspunkte, gegenüber dem Punkte, wo sie in ihrer glänzenden Mittagsstärke war, in ihrem Glimmen, das so moralisch eindrucksvoll ist, hinter der Erde. Ich habe gesehen die Sonne um Mitternacht.
Dornach, 27.Jun.1924/VE
aus «GA 236»; S.276f