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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zu
JOSAPHAT und BARLAAM
Um nur eines zu erwähnen, muß gesagt werden, daß Sie kaum finden irgendein Landgebiet im Mittelalter, wo nicht eine bestimmte Legende überall verbreitet ist. Als in Europa niemand etwas wußte von dem Gautama Buddha, als die Tradition von dem Gautama Buddha vollständig verschollen war, erzählte man folgendes. [...] Es war in Indien einstmals einem König ein Sohn geboren mit Namen Josaphat. Von diesem Josaphat wurde bei seiner Geburt Wichtiges geweissagt. Daher wurde er besonders behütet von seinem Vater; er sollte nur das Allerkostbarste kennenlernen, sollte in voller Seligkeit schwelgen, sollte nicht die Schmerzen und Leiden und das Unglück des Lebens kennenlernen. Bewahrt wurde Josaphat von alledem. Da aber findet es sich doch, daß Josaphat eines Tags hinausging aus dem Palaste, und er fand einen Kranken, einen Aussätzigen, er fand einen gealterten Menschen und einen Leichnam; das erzählte man von Josaphat! Da ging er tief erschüttert in den Königspalast zurück, und es fand sich ein Mann, der ergriffen war im tiefsten Herzen von den Geheimnissen des Christentums, Barlaam, der gewann den Josaphat für das Christentum. Und es wurde Josaphat, der dies erlebt hatte, ein Christ. So erzählte die Legende des Mittelalters. Und nun brauchen Sie nicht einmal die Akasha-Chronik zu Hilfe zu nehmen, sondern der gewöhnliche Philologe genügt da schon, um den Namen Josaphat zu untersuchen. Josaphat geht zurück auf ein altes Wort Joasaph; Joasaph geht wieder zurück auf Jodasaph; Jodasaph auf Yudasaf, was identisch ist mit Budasaf - beide letzten Formen sind arabisch - und Budasaf das ist derselbe Name wie Bodhisattva. So kennt die europäische Geheimlehre nicht nur den «Bodhisattva», sondern sie kennt, wenn sie den Namen Josaphat entziffern kann, auch den Begriff dieses Wortes. Die legendenhafte Ausbildung der Geheimlehre im Westen weiß, daß es eine Zeit gegeben hat, wo dieselbe Wesenheit, die im Gautama Buddha gelebt hat, ein Christ geworden ist. Das kann man entweder wissen oder man kann es nicht wissen; wahr bleibt es doch!
München, 31.Aug.1909/MA
aus «GA 113»; S.193f