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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zu
ZEUS, CHRONOS und CHTHON
Wir wollen zurückgehen zu jener Persönlichkeit, die den anderen griechischen Weisen in gewisser Beziehung vorangegangen ist, zu Pherekydes von Syros. Der hat gelebt in der Zeit der griechischen Geistesentwickelung, die man die Zeit der sieben Weisen nennt, die also vorangeht all dem, was sonst aus der griechischen Philosophie geschichtlich mitgeteilt wird. Es wird nur weniges äußerlich in der Geschichte von diesem Pherekydes von Syros erzählt. Es ist aber genügend interessant, einmal an das heranzutreten, was von ihm erzählt wird. Er wird unter anderem auch genannt als Lehrer des Pythagoras. Auf ihn sind zurückzuführen viele Lehren, die Sie bei Heraklit, bei Plato, bei späteren Weisen finden. Er gehörte der älteren Zeit der griechischen Entwickelung an, von der man sagt, daß sie sieben Weisen hatte, wie man sagt, daß die alten Inder sieben Rishis hatten. [...] Von ihm wird nun erzählt, daß er gelehrt habe, daß unserer ganzen Entwickelung drei Prinzipien zugrunde liegen, und diese drei Prinzipien nennt er den Zeus [ζευς], den Chronos [χρονος] und die Chthon [χθών]. Was sind das für drei Bezeichnungen? [...] Erstens werden Sie ohne weiteres wissen, daß ja Chronos [a] nur eine andere Bezeichnung für den alten Saturn ist; das ist ein und dasselbe. So haben wir in dem einen Prinzip bei Pherekydes von Syros in dem Chronos diejenige Summe von göttlich-geistigen Wesenheiten, die wir zum Reiche des Saturn rechnen. Alles dasjenige, was wir zum Reiche des alten Saturn rechnen, alles, was dann wieder in der Erdenentwickelung gewirkt hat als Wesen, die imstande waren den Mond herauszutrennen, die haben wir in Chronos-Saturn. Und weiter, Zeus! Zeus ist ein Wort, ein Name, der schwankend ist, wenn er gebraucht wird in den älteren Zeiten, man gebraucht ihn für geistige Individualitäten auf den verschiedensten Stufen der Entwickelung. Diejenigen aber, die im älteren Griechenland etwas gewußt haben von Einweihung, die haben in Zeus gesehen den ihnen erkennbaren Anführer der Sonnengeister. Zeus ist dasjenige, was lebt in den Wirkungen, die von der Sonne auf die Erde ausgeübt werden. So haben wir das zweite Reich, das Reich der Sonnengeister als das Zeusreich von Pherekydes von Syros bezeichnet. Chthon, was ist das? Das ist nun nichts anderes als eine Bezeichnung für jenen Zustand unserer Erde, in dem diese war in dem Augenblicke, als sich der Mond losgetrennt hatte, nämlich in einer Art chaotischem Zustande, wo noch nicht die Pflanzen, noch nicht die Tier- und Menschenrassengestalten die Erde bedeckten. Und nun finden Sie ein merkwürdiges Wort bei Pherekydes von Syros; er sagte: Es liegen also diese drei Prinzipien, Zeus, Chronos und Chthon unserer Erdenentwickelung zugrunde. Das, was die Erde geworden ist, ist sie erst geworden durch das Zusammenwirken dieser drei Prinzipien, jener heiligen ursprünglichen Dreiheit, die herübergekommen ist von vorirdischen Zuständen. - Die kennt also auch dieser alte griechische Weise und das bezeichnet er mit den ihm geläufigen drei Namen. Nun erzählt er, wie das weitergegangen ist. [...] Und da sagte Pherekydes von Syros: Chthon wurde zur Gäa [γαια], zur Erde, zu dem, was man heute Erde nennt, dadurch, daß ihr Zeus das Ehrengeschenk überreicht hatte und die dadurch mit dem Gewande überzogen wurde - ein wunderschönes Wort für diejenige Entwickelung, die ich Ihnen eben in wenigen Worten zusammengefaßt habe. Die Erde stand allein; draußen waren Sonne und Mond, die geistigen Reiche des Zeus und des Chronos. Da fing die ja zuerst hinausgegangene Sonne an, auf die Erde zu wirken. Es war wie eine Befruchtung der Chthon durch den Zeus. Heruntergesendet wurden im Physischen die Sonnenwärme und das Sonnenlicht, heruntergesendet wurden in der Sonnenwärme und in dem Sonnenlicht die wohltätigen Wirkungen des Zeusreichs, das alles befruchtete. Da wurde der Erde gegeben das Ehrengeschenk. Die Erde bedeckte sich mit dem Gewande, und das Gewand ist nun nichts anderes als der Teppich von Pflanzen- und Tiergestalten und Gestalten der physischen Menschen, mit denen sich jetzt die Erde umspannte. [...]
[...] Und wenn wir uns nun weiter fragen: Woher rührte das Wissen des Pherekydes von Syros?, so kommen wir darauf, daß er sich erfreuen konnte einer sogenannten phönizischen Einweihung. Wir sehen also in ihm einen Menschen, welcher in den Tempeln des alten phönizischen Landes eingeweiht worden ist, und welcher das, was er sagen durfte, aus diesen phönizischen Tempeln nach Griechenland herübergebracht und da gelehrt hat. So ist aus dem Orient herübergeflossen mancherlei von dem, was dort im Einklang mit der übrigen orientalischen Weisheit vorhanden war.
München, 26.Aug.1909/JU
aus «GA 113»; S.80ff
a] eigentlich Krónos [κρονος], während Chrónos der Gott der steten Zeit ist, die allerdings vom Saturn ausgeht