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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zum
PTOLEMÄISCHEN und KOPERNIKANISCHEN WELTSYSTEM
[...] Da muß eine Sache berührt werden, die vielleicht selbst unter Ihnen, die Sie in gewisser Beziehung schon vorbereitet sind, einiges Befremden hervorrufen wird, die aber doch durchaus mit der Wahrheit übereinstimmt. Sehen Sie, im heutigen Schulunterricht werden die Leute darauf hingewiesen, daß man einmal im grauen Altertum bis herein zu Kopernikus eine Weltanschauung über unser Sonnensystem gehabt hat, die bekannt ist unter dem Namen Ptolemäisches Weltensystem. Damals hat man geglaubt, die Erde stünde im Mittelpunkt unseres Systems, und es bewegten sich, wie es grob sinnlich für das Auge aussieht, die Planeten um die Erde herum. Seit Kopernikus weiß man endlich, so sagt man, was früher eben die Menschen nicht gewußt haben, daß nämlich die Sonne im Mittelpunkt steht und daß die Planeten in Kreisen respektive in Ellipsen sich um die Sonne herumbewegen. Schön! Aber das, was bei einer solchen Beschreibung unseres Sonnensystems vor allen Dingen den Leuten ganz präzis klargemacht werden sollte, wenn man aufrichtig und ehrlich im heutigen Sinne solch eine Sache vorträgt, das ist noch etwas anderes. Man sollte sagen: Bis zu Kopernikus kannten die Leute nur gewisse Bewegungsformen am Himmelsraum, und danach berechneten sie, wie unser Sonnensystem sein könnte; das, was Kopernikus getan hat, das war nun nicht, daß er sozusagen einen Stuhl genommen und sich hinausgesetzt hat in den Weltenraum, um zuzuschauen, wie die Sonne in irgendeinem Mittelpunkt von Kreis oder Ellipse steht und sich die Planeten herumbewegen, sondern er hat eine Rechnung angestellt, und diese Rechnung erklärt einfacher dasjenige, was man sieht, als frühere Rechnungen. Das Kopernikanische Weltensystem ist nichts anderes als ein Ergebnis des Gedankens.
Düsseldorf, 15.Apr.1909/JU
aus «GA 110»; S.96
Also wenn man vom Kopernikanischen und Ptolemäischen Weltensystem spricht, so handelt es sich darum, daß man klar ist darüber, daß im Ptolemäischen System etwas zurückgeblieben ist von der Konstellation der waltenden Geister, und da muß man die Erde als Anfangspunkt der Perspektive nehmen. Es wird eine Zukunft kommen, da wird dieses Weltensystem wieder richtig sein, weil der Mensch wieder wissen wird von der geistigen Welt. [...]
Wir sehen also, daß das Kopernikanische Weltensystem einfach deshalb ein anderes geworden ist, weil bloß physische Anschauungen dabei zu Rate gezogen worden sind.
Düsseldorf, 18.Apr.1909/SO
aus «GA 110»; S.103f