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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zu
PFERD und INTELLIGENZ
Wären um uns nicht die Tiere, die repräsentiert sind durch die Pferdenatur, der Mensch hätte sich niemals die Intelligenz aneignen können.
Das fühlte noch der Mensch in früherer Zeit. Alle die intimen Verhältnisse, die sich zwischen gewissen Menschenrassen und dem Pferde abspielen, rühren her von einem Gefühl, das sich vergleichen läßt mit dem geheimnisvollen Gefühl der Liebe zwischen den beiden Geschlechtern, von einem gewissen Gefühl dafür, was der Mensch diesem Tiere verdankt. Deshalb, als heraufkam die neue Kultur in der altindischen Zeit, war es ein Pferd, das eine geheimnisvolle Rolle im Kultus, im Götterdienste bildete, und alles, was sich an Gebräuchen an das Pferd anknüpft, führt auf diese Tatsache zurück. Wenn sie bei Völkern, die noch nahe dem alten Hellsehen waren, bei den alten Germanen zum Beispiel, Umschau halten und sehen, wie sie Pferdeschädel vor ihren Häusern angebracht haben, so führt sie das zurück auf dieses Bewußtsein: der Mensch ist hinausgewachsen über den unintelligenten Zustand dadurch, daß er diese Form abgesondert hat. Es ist ein tiefes Bewußtsein vorhanden dafür, daß die Erlangung der Klugheit damit zusammenhängt. Sie brauchen sich nur an Odysseus zu erinnern, an das hölzerne Pferd von Troja. Oh, in solchen Sagen liegt tiefe Weisheit, viel tiefere Weisheit als in unserer Wissenschaft. Nicht umsonst ist ein solcher Typus verwendet in der Sage wie der Pferdetypus. Herausgewachsen ist der Mensch aus einer Gestalt, die sozusagen das, was im Pferde verkörpert ist, noch in sich hatte, und in der Gestalt des Kentauren hat die Kunst noch hingestellt einen Menschen, wie er verbunden war mit diesem Tier, um an die Entwickelungsstufe des Menschen zu erinnern, aus der er herausgewachsen ist, von der er sich losgerungen hat, um der heutige Mensch zu werden.
Nürnberg, 21.Jun.1908/SO
aus «GA 104»; S.95f
Das Pferd ist ein Freund des Menschen. Es begleitet ihn auf seine Art schon seit Urzeiten, durch die Entwicklung der verschiedenen Kulturen hindurch. Es hat eine Würde, die sich auf den Menschen überträgt, auf ihn ausstrahlt. Dieser Einfluss der Pferde auf den Menschen besteht immer, egal ob Pferde in der Nähe sind oder nicht. Die gegenseitige Beeinflussung, der geistige Lebensstrom zwischen den Pferden und dem Menschen ist so lebendig, weil die Pferde und der Mensch einen derart langen gemeinsamen Weg haben. Es ist eine hohe Lebensenergie, die der Mensch durch das Wesen der Pferde in sich aufnimmt und verwirklicht. Die Gaben der Pferde an den Menschen betreffen die Fähigkeit, sich aufrecht in die Erdenbedingungen hineinzustellen. Sie hüllen gewissermaßen seine Wirbelsäule ein, bilden eine eiförmige Aura um die Wirbelsäule, eigentlich um jeden Wirbel, aus der heraus der Mensch die Aufrechte als seine eigene, ihm innewohnende Kraft erleben kann. Es ist tatsächlich das Pferd, das ihm die Gabe verleiht, aufrecht auf der Erde zu gehen. Das aber ist die Voraussetzung für die Fähigkeit zu denken, also die Verstandeskräfte zu gebrauchen. Von den Pferden, von ihrem höheren Wesen geht der Entwicklungsstrom aus, der über die Aufrechte hinführt zum Denken, zum Verstehen. Es liegt in den Pferden die Kraft zu jener Intelligenz, die sich im Menschen zeigt. Die Pferde besitzen sie, leben sie aber nicht aus, damit sie im Menschen aus dessen eigenen Kräften in Erscheinung treten kann.
Karsten Massei
aus «Die Gaben der Bienen»; S.28f