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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zur
PLANETENBILDUNG
Wenn wir geisteswissenschaftlich die Entstehung unseres heutigen Sonnensystems betrachten, so brauchen wir in keiner Weise, so wenig wie auf anderen Gebieten, dem direkt zu widersprechen, was von der physischen Wissenschaft vorgebracht wird. Denn gegen das, was die physische Wissenschaft einzig und allein zu erkennen anstrebt - was Augen hätten sehen können in der Aufeinanderfolge der Entwickelung -, dagegen hat keine Theosophie etwas einzuwenden. Wenn sich irgend jemand zur Zeit des Urnebels einen Stuhl in den Weltenraum hinausgestellt und sich daraufgesetzt, über eine genügend lange Lebensdauer verfügt und nun zugeschaut hätte, wie die einzelnen Kugeln sich abgeballt haben, so würde er mit physischen Augen nichts anderes haben sehen können, als was diese physische Wissenschaft konstatiert hat. Aber das wäre ebenso, wie wenn zwei Menschen vor Ihnen stehen und der eine gibt dem anderen eine Ohrfeige, und dann kommt ein Beobachter und sagt: Da hat einer einen leidenschaftlichen Zorn gegen den anderen gehabt, und das hat ihn die Hand ausholen lassen und auf diese Weise hat der seine Ohrfeige bekommen; während der zweite sagen würde: Du bist ein Phantast, ich habe nichts gesehen von Zorn und Leidenschaft, ich habe nur die Hand sich bewegen sehen und einen Stoß ausführen; dadurch hat der andere eine Ohrfeige weggehabt. - Das ist die äußere, materialistische Beschreibung, die Methode, die die heutige Wissenschaft anwendet. Sie widerspricht nicht der geistigen Erforschung der Tatsachen. Nur derjenige, der glaubt, daß diese materialistische Beschreibung der Tatsachen die einzige ist, der fühlt sich in seiner wissenschaftlichen Erhabenheit selbstverständlich sehr weit hinausgehoben über alles, was die Geistesforschung vorzubringen hat. Also was man die modifizierte Kant-Laplacesche Theorie nennt, mag als ein äußeres Ereignis durchaus gelten. Aber innerhalb dieser ganzen Abballung, dieser ganzen Kristallisierung der einzelnen Weltkugeln waren geistige Kräfte und geistige Wesenheiten tätig.
Der Experimentator zeigt uns heute sehr schön, wie das alles vor sich gehen kann nach dieser Kant-Laplaceschen Theorie. Man braucht nur ein verhältnismäßig nicht zu großes Ölkügelchen zu nehmen, das im Wasser schwimmt: Da kann man sehr leicht einen kleinen Kartonkreis in der Äquatorebene anbringen und in der Mitte eine Nadel durchstecken. Wenn man nun die Nadel recht schnell dreht, spalten sich kleine Ölkugeln ab, und man kann sich so sehr gut ein Weltsystem im Kleinen vorstellen und daran zeigen, wie sich im Raum ein Weltsystem abgeballt hat. Nur vergißt der Experimentator dabei eines, nämlich, daß er selbst dabei war und die nötigen Vorbereitungen gemacht hat, daß er dann die Nadel herumgedreht hat, und daß im großen Kosmos nicht von selber gehen kann, was im kleinen auch nicht von selber geht. Da draußen soll es sich von selber machen! Die Dinge sind gar nicht so schwer einzusehen; aber so sehr sind die richtigen physischen Grundsätze abgebraucht, daß diejenigen, die sie nicht sehen wollen, sie auch wirklich nicht zu sehen brauchen. Also bei dieser ganzen Planetenbildung waren geistige Kräfte und geistige Wesenheiten tätig, und wir wollen jetzt einiges davon kennenlernen.
Erinnern muß ich Sie dabei an die oft wiederholte Tatsache, daß unsere Erde, bevor sie «Erde» wurde, frühere Verkörperungen, andere planetarische Zustände absolviert hat: den Saturnzustand, den Sonnenzustand und den Mondzustand - und nach dem Durchgang durch diese erst zu ihrem heutigen Erdenzustand vorgedrungen ist. Nun stellen Sie sich einmal lebendig vor die Seele den uralten, in urferner Vergangenheit im Räume schwebenden Saturn, der die erste Verkörperung unserer Erde war. Dieser Saturn hat innerhalb seiner ganzen Wesenheit eigentlich noch gar nichts von dem, was wir heute rings herum sehen als unsere Pflanzen, Mineralien und Tiere. Im Anfang bestand dieser Saturn nur aus der allerersten Anlage des Menschen. Wir sprechen gar nicht anders von diesem alten Saturn als etwa von einem Konglomerat von Menschen. Der Mensch war damals auch nur in der ersten Anlage zu seinem physischen Leib vorhanden. Aus lauter einzelnen physischen Menschenleibern war dieser alte Saturn zusammengesetzt, etwa so wie heute eine Maulbeere oder eine Brombeere aus lauter einzelnen Beerchen zusammengesetzt ist. Und umgeben war dieser alte Saturn, wie heute unsere Erde von Luft, von einer Atmosphäre; aber die war im Verhältnis zu dem, was wir heute als Atmosphäre kennen, geistig. Sie war ganz geistartig, und innerhalb der Saturnentwickelung entwickelte sich der Mensch in seinem Anfang. Dann kam eine Zeit, in der der Saturn in eine ähnliche Lage kam wie heute ein Mensch, wenn er zwischen Tod und einer neuen Geburt in einem devachanischen Zustand ist. Man nennt diesen Zustand, in den ein Weltenkörper kommt, ein Pralaya. Der Saturn ging also durch eine Art von devachanischem Zustand durch und tauchte dann, indem er wieder in eine Art von äußerlich wahrnehmbarem Dasein eintrat, als der zweite planetarische Zustand unserer Erde, als Sonne wiederum auf. Dieser Sonnenzustand brachte den Menschen wieder weiter. Gewisse Wesenheiten, die zurückgeblieben waren, machten sich jetzt als ein zweites Reich auf der Sonne neben dem Menschenreich geltend, so daß wir jetzt zwei Reiche haben. Dann kommt wieder ein devachanischer Zustand der Sonne, ein Pralaya, und dann verwandelt sich der ganze Planet in den Mondzustand; und so geht es wieder durch ein Pralaya hindurch, bis der Mond übergeht in unsere Erde.
Als unsere Erde aus dem rein geistigen, devachanischen Zustand hervortrat, als sie zum erstenmal eine Art von äußerlich wahrnehmbarem Dasein erhielt, war sie nicht so, wie sie heute ist; sondern da war sie so, daß sie, äußerlich angesehen, wirklich etwa wie ein großer Urnebel aufgefaßt werden könnte, wie ihn die äußere, physische Wissenschaft schildert. Nur müssen wir uns diesen Urnebel groß, weit größer als die heutige Erde denken, und daß er weit über die äußersten Planeten hinausreichte, die heute zu unserem Sonnensystem gehören, bis weit über den Uranus hinaus. Geisteswissenschaftlich stellen wir uns die Sache so vor, daß das, was wir hervorkommen sehen aus einem geistigen Zustand, nicht lediglich eine Art physischer Urnebel ist. Wer das, was da hervorkommt, als eine Art physischen Urnebel und als sonst nichts weiter schildert, ist etwa ebenso weise wie ein Mensch, der einen anderen Menschen gesehen hat und nun, wenn er gefragt wird, was er gesehen hat, sagt: Muskeln, die an Knochen hängen, und Blut habe ich gesehen! - der also nur das Physische beschreibt. Denn in dem Urnebel sind eine Fülle von geistigen Kräften und geistigen Wesenheiten enthalten. Die gehören dazu, und was in dem Urnebel geschieht, ist eine Folge der Taten der geistigen Wesenheiten. Alles, was der Physiker beschreibt, ist so, wie wenn er sich einen Stuhl in den Weltenraum hinausstellt und die ganze Geschichte sich anschaut. Er beschreibt wirklich so wie jener Beobachter, der den Zorn und die Leidenschaft, die eine Ohrfeige hervorrufen, leugnet und nur die sich bewegende Hand sieht. In Wahrheit ist das, was da geschieht, das Heraustreten von Weltkörpern und Weltkugeln, Tat von geistigen Wesenheiten; so daß wir in dem Urnebel das Kleid, die äußere Offenbarung einer Fülle von geistigen Wesenheiten sehen.
aus «GA 102»; S.46ff