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Zitatensammlung
Teil 1
Zitate zur
GOLDENEN LEGENDE
von Rudolf STEINER
Zur weiteren Erläuterung der Lehre von dem «Ich bin» soll die in allen christlichen Schulen bekannte «Goldene Legende» herangezogen werden. In derselben ist gesagt: Als Seth [שת], den Jehova als Ersatz für Abel [הבל] gegeben hatte, eines Tages an die Pforte des Paradieses kam, gewährte ihm der Cherub [כרוב] mit dem flammenden Schwerte Einlaß in die Stätte, aus der die Menschen vertrieben worden waren. Seth gewahrte daselbst zwei ineinander verschlungene Bäume, den Baum des Lebens [עץ החיים] und den der Erkenntnis [עץ והבל]. Und es bedeutete der Cherub dem Seth, daß er drei Samenkörner von den zwei verschlungenen Bäumen nehmen solle. Seth legte diese drei Samenkörner seinem Vater Adam [אדם], als dieser gestorben war, in den Mund. Aus dem Grabe wuchs ein dreiteiliger Baum, der sich manchem im Feuer strahlend zeigte, und seine Gluten bildeten sich dann zu den Worten: «Ich bin, der da war, der da ist und der da sein wird.»[Exo.3,14] Das Holz dieses Baumes, der da herausgewachsen war aus dem Grabe des Adam, fand vielseitige Verwendung: aus ihm wurde gebildet jener Zauberstab, mit dem Moses [משה] seine Wunder vollbrachte. Das Holz wurde auch verwendet am Tore des salomonischen Tempels. Aus ihm war auch die Brücke gebaut, über welche Jesus ging, als er zum Tode geführt wurde. Zuletzt ist aus diesem Holz das Kreuz gefertigt worden, an welches Jesus auf Golgatha geschlagen wurde.
Basel, 25.Nov.1907/MO
aus «GA 100»; S.256f
von Mircea ELIADE
Noch gewagter ist die Assimilierung des Symbolismus des Weltbaums durch die christliche Bildkunst, Liturgie und Theologie. Auch in diesem Falle haben wir es mit einem archaischen, allgemein verbreiteten Symbolismus zu tun. Das Kreuz, das aus dem Holz des Baumes von Gut und Böse gemacht ist, ist mit dem kosmischen Baum identisch oder ersetzt ihn. Es wird als ein Baum beschrieben, der „von der Erde bis zum Himmel reicht”, als unsterbliche Pflanze, die „sich im Mittelpunkt des Himmels und der Erde erhebt, als starke Stütze des Universums”, „als Baum des Lebens, auf dem Kalvarienberg gepflanzt”. Zahlreiche patristische und liturgische Texte vergleichen das Kreuz mit einer Leiter, einer Säule oder einem Berg, charakteristischen Ausdrucksformen des „Mittelpunkts der Welt”. Das ist der Beweis dafür, daß sich das Bild des Mittelpunkts natürlicherweise der christlichen Einbildungskraft aufdrängte. Gewiß hat das Bild des Kreuzes als Baum von Gut und Böse und Kosmischer Baum seinen Ursprung in den biblischen Traditionen. Durch das Kreuz (= der Mittelpunkt) aber vollzieht sich die Kommunikation mit dem Himmel, und zugleich wird das Universum insgesamt „heil”. Der Begriff Heil ist also nichts anderes als eine Wiederaufnahme und Ergänzung der Begriffe ewige Wiederkehr und kosmische Erneuerung, universale Fruchtbarkeit und Sakralität, absolute Wirklichkeit und schließlich Unsterblichkeit, alles Begriffe, die im Symbolismus des Weltbaums zusammen vorkommen.
aus «Geschichte der religiösen Ideen - Bd.2»; S.340f