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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Charles William HECKETHORN zu
DRUIDEN
Die Geheimlehren der Druiden ähnelten vielfach denen der morgenländischen Priester des Altertums und zerfielen in exoterische und esoterische. Sowohl in Gallien als auch in Britannien geübt, erlangten die druidischen Riten ihre größte Ausbildung in dem letzteren Lande, wo die Insel Anglesey als ihr Hauptsitz galt. Gewöhnlich wird das Wort «Druiden» vom griechischen δρῦς (= Eiche)[a] abgeleitet, einem Baum, der als besonders heilig verehrt wurde; doch läßt es sich auch vom gälischen «druidh» ableiten, das einen «weisen Mann» oder «Zauberer» bedeutet.
Die Tempel, in denen die Druiden ihr heiliges Feuer aufbewahrten, standen zumeist auf Anhöhen und in dichten Eichenhainen. Ihre Bauart war entweder kreuzförmig, weil das Kreuz als das Sinnbild der Wiedergeburt betrachtet wurde, oder kreisrund, weil der Kreis das Weltall bedeutete, oder flügeiförmig, um die Bewegung des göttlichen Geistes anzudeuten, oder schlangenartig, weil die Schlange das Symbol des druidischen Osiris - Hu - bildete, oder eirund, um an das Welt-Ei zu erinnern, aus dem nach der Überlieferung vieler Völker das Weltall, nach anderen Überlieferungen das erste Menschenpaar hervorging. Der Bau wurde aus unbehauenen Steinen aufgeführt, deren Zahl sich nach gewissen astronomischen Berechnungen richtete. Der Mittelstein war größer als alle übrigen und genoß als Vertreter der Gottheit hohe Ehren. Besonders hervorragend waren die Steintempel von Stonehenge, Avebury und Shap in England. Wo kein Steinmaterial zur Verfügung stand, traten an dessen Stelle rohe Erdaufschüttungen;[b] in solchen Fällen bestand der Tempel aus einem von Gräben umgebenen hohen Wall. An die Herstellung dieser Tempelhügel wandte man eine Riesenarbeit; so z.B. würde heutzutage nach Stukeleys Berechnung das Aufwerfen eines Hügels wie der Silbury-Hill etwa zwanzigtausend Pfund Sterling kosten.
Das Allerheiligste der Mysterien nannte man einen Kromlech oder Dolmen. Es wurde als Pastos (Ort der Einweihung oder Wiedergeburt) benutzt und bestand aus drei aufrecht stehenden Steinen, auf denen ein flacher Querstein lag, so daß eine Art Zelle entstand. Doch bildeten diese Kromlechs oder Dolmens nur einen kleinen Teil der ausgedehnten Räume, die zum Einweihungsapparat notwendig waren. Der Gesamtsitz der Mysterien hieß Coer Sidi und umfaßte eine lange Reihe von an den eigentlichen Tempel angebauten Gebäuden mit zahlreichen Gemächern, Zellen, Gewölben, Bädern, kunstvollen Gängen usw., die mit den in allen Mysterien üblichen Vorrichtungen zur Erschreckung und Erprobung der Einweihungskandidaten versehen und in der Regel unterirdisch waren.
Der Druidismus umfaßte alle zu seiner Zeit in jenen Ländern bekannten religiösen und philosophischen Studien. Die Riten bezogen sich unzweifelhaft auf astronomische Tatsachen. Die Hauptgottheiten lassen sich in zwei zusammenfassen: eine männliche und eine weibliche, den großen Vater und die große Mutter: Hu und Ceridwen, die in jeder Hinsicht Osiris und Isis oder Bacchus und Ceres etc. entsprechen. Die Einweihungsfeierlichkeiten fanden vierteljährlich statt; die genaue Zeit hing vom Lauf der Sonne ab, namentlich vom Eintritt der Wenden und der Gleichen. Das Jahresfest [Beltaine] wurde am Vorabend des 1. Mai abgehalten und mit dem Anzünden von Freudenfeuern auf sämtlichen Steinhügeln und Kromlechs des ganzen Landes eingeleitet. Dieselben brannten die Nacht hindurch und um sie herum wurden zu Ehren der Sonne, die damals vermeintlich aus dem Grabe stieg, Tänze mit Chorgesang aufgeführt. Das ausgelassene Fest fand seine Fortsetzung bis zur Mittagszeit des ersten Mai; sobald das Tagesgestirn im Zenith stand, zogen sich Priester und Publikum in die Wälder zurück, um sich den schlimmsten Orgien hinzugeben.[c]
Die feierliche Einweihung von Kandidaten erfolgte um Mitternacht und umfaßte drei Grade: die Eubaten, die Barden und die Druiden. Der Aufnahmebewerber wurde in einen Sarg gelegt, womit der Tod Hu's, das heißt der Sonne, angedeutet werden sollte, während seine Auferstehung im dritten Grade das Wiedererscheinen der Sonne versinnbildlichte. Die Erprobungen seines Mutes ähnelten den bei den anderen Mysterien des Altertums üblich gewesenen.
Das Fest des 25. Dezember wurde mit dem Anzünden großer Hügelfeuer behufs Verkündigung des Geburtstages des Sonnengottes gefeiert. An diesem Tage - so glaubte man - begann er, nach der vermuteten Wintersonnwende, zu wachsen und allmählich aufzusteigen. Dieses Fest begingen nicht nur die Druiden, sondern die ganze alte Welt. Die Feuer stellten die Kraft und Glut der Sonne dar, während das benutzte Immergrün die Einwirkung der erneuten Macht des Tagesgestirns auf die Vegetation darstellte. Die Feier der Sommersonnwende fand am 24. Juni statt.[d] Auch die christliche Kirche hat diese heidnischen Festtage übernommen, den einen als Weihnachtstag, den andern als Sankt-Johannistag, nur daß an die Stelle der einstigen astronomischen Bedeutung eine theologische getreten ist. Der Gebrauch von Immergrün in christlichen Kirchen zur Weihnachtszeit bildet eine Fortsetzung der gleichen Sitte der Druiden.
Die Hauptlehren der Druiden betrafen ein einziges höchstes Wesen, ein Jenseits mit Belohnungen und Strafen, die Unsterblichkeit der Seele und die Seelenwanderung. Ferner glaubten sie, daß das Wasser das eigentliche Urprinzip sei und vor der Schöpfung in unbefleckter Reinheit vorhanden war. Diese Ansicht stand offenbar im Widerspruch mit einer anderen ihrer Lehren: daß nämlich der Tag aus der Nacht hervorging, weil die letztere (= das Chaos) vor der Erschaffung des ersteren bestand. Sie hegten auch die Anschauung, daß die Zeit nur ein aufgefangenes Bruchstück der Ewigkeit sei und daß es eine endlose Reihe von Welten gebe. Im großen ganzen glichen ihre Lehren denen der Pythagoraer. Hohe Verehrung zollten sie den Zahlen 3, 7, 19 (= der Mondzyklus) und 147 - der letzteren, weil sie das Ergebnis der Multiplikation der zweiten Potenz von 7 (49) mit 3 ist. Auch auf das Wahrsagen hielten sie große Stücke; sie bedienten sich dabei des Vogelfluges, der Menschenopfer, der weißen Pferde, des Kreiseziehens des Wassers, sowie des Loseziehens. Doch besaßen sie auch beträchtliche wissenschaftliche Kenntnisse.
Die Macht der Druiden überstieg häufig die der Herrscher. Sie waren die einzigen Ausleger der Religion und hatten die Aufsicht über alle Opferungen; ohne ihre Genehmigung durfte keine Privatperson ein Opfer darbringen. Sie besaßen das Recht, die Exkommunikation zu verhängen - die furchtbarste Strafe nächst der Todesstrafe -, von deren Folgen nicht einmal die höchsten obrigkeitlichen Personen ausgenommen waren. Ohne Zustimmung der Druiden konnte der große Reichsrat weder Krieg erklären noch Frieden schließen. Sie schlichteten alle Streitigkeiten durch unabänderliche Entscheidungen und durften auch zum Tode verurteilen. Ihre Altäre schwammen in Menschenblut. Zuweilen brachten sie ganze Mengen von Männern, Frauen und Kindern, die in große Türme aus Flechtwerk gesperrt waren, als Brandopfer dar, die zugleich zur Erhöhung des Ansehens dieser ehrsüchtigen und blutdürstigen Priesterschaft dienten. Sie zogen es - weil angeblich den Göttern angenehmer - vor, Verbrecher zu opfern; mangelte es jedoch an solchen, so «begnügten» sie sich mit Unschuldigen. Solche Opfer wurden insbesondere am Vorabend eines Krieges oder zu Zeiten eines großen nationalen Unglücks oder zur Erlangung der Genesung gefährlich erkrankter hochstehender Persönlichkeiten dargebracht.
Die weißgekleideten Priesterinnen, die einen Metallgürtel trugen, weissagten die Zukunft aus der Beobachtung der Naturerscheinungen, noch lieber aber aus den Menschenopfern. Zu ihren Aufgaben gehörte die Tötung der Kriegsgefangenen und der von den Druiden zum Tode verurteilten Personen; aus den rauchenden Eingeweiden der Umgebrachten und aus der Art, in der das Blut aus den Wunden floß, zogen sie ihre prophetischen Schlüsse. Viele von ihnen führten ein Leben ewiger Keuschheit, während andere sich der größten Zügellosigkeit hingaben. Sie wohnten auf einsamen, meerumspülten Felsen, und ihre Wohnungen wurden von den Seeleuten für Tempel voll unnennbarer Wunder gehalten. Manche dieser Priesterinnen wahrsagten den Schiffern, die ihnen alle erdenklichen Kräfte zuschrieben; dies gilt namentlich von den neun Priesterinnen, die auf der Insel Sena oder Liambis - nach der Sage der Geburtsort Merlins - lebten. Die in der Nähe der Loiremündung wohnenden Druidenpriesterinnen pflegten alljährlich ihren Tempel zu zerstören und einen neuen zu bauen; passierte es nun einer, daß sie etwas von dem neuen «heiligen» Baumaterial fallen ließ, so stürzten sich die übrigen unter gellendem Geschrei auf sie, um sie in Stücke zu zerreißen und ihre blutigen Glieder umherzustreuen.[c]
Je weiter die Römer vordrangen, desto mehr verfiel die Macht der Druiden. Schließlich wurden sie 61 n. Chr. in ihrer Hauptveste auf der Insel Anglesey von Suetonius Paulinus - der unter Nero Gouverneur von Britannien war - angegriffen, gründlich geschlagen und in großen Mengen auf den Scheiterhaufen verbrannt, welche sie selbst für die Römer vorbereitet hatten, die sie gefangen zu nehmen gedachten. In Gallien erhielten sie sich - namentlich auf dem Kap Finisterre und in der Nahe der Insel Sena - um etwa zweihundert Jahre länger, bis das Überhandnehmen des Christentums sie endgültig verdrängte. War aber der Druidismus als solcher auch beseitigt, so blieben viele ihrer Religionsgebräuche doch noch lange bestehen; in Britannien z.B. erwies es sich noch unter Kanut (11. Jahrhundert) als notwendig, dem Volk die Anbetung der Sonne, des Mondes und des Feuers zu verbieten. In der Freimaurerei leben noch jetzt manche druidischen Übungen fort; dieselbe ist im Grunde nichts anderes als Gestirnverehrung, und einzelne Fachschriftsteller wollen beweisen, daß die Freimaurerei bald nach dem Edikt Kanuts und infolge desselben gegründet wurde, sowie daß der Grund der überaus strengen Geheimhaltung eben in dem gänzlichen Verbot des Druidismus zu suchen ist.
aus «Geheime Gesellschaften, Geheimbünde und Geheimlehren»; Leipzig 1900
in «GA 93»; S.358ff
a] Diese umstrittene Etymologie beruht lediglich auf einer Andeutung von Plinius d.Ä.
b] oder Holzeinfriedungen, sogenannte Woodhenges
c] behaupteten die römischen Invasoren ab 55v
d] gefolgt von Lugnasa am 1.August; weiter Samhain (vgl. Halloween) am 1.November und Imbolc am 1.Februar