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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zur
RELATIVITÄTSTHEORIE
Insoferne der Mensch sich innerhalb der Naturdinge und Naturvorgänge betrachtet, wird er den Folgerungen dieser Relativitätstheorie nicht entgehen können. - Will er aber, wie es das Erleben des eigenen Wesens notwendig macht, sich nicht in bloße Relativitäten wie in einer seelischen Ohnmacht verlieren, so wird er das «In-sich-Wesenhafte» fortan nicht im Bereiche der Natur suchen dürfen, sondern in der Erhebung über die Natur im Reiche des Geistes.
Der Relativitätstheorie für die physische Welt wird man nicht entkommen; man wird aber eben dadurch in die Geist-Erkenntnis getrieben werden. In dem Erweisen der Notwendigkeit einer Geist-Erkenntnis, die unabhängig von der Naturbeobachtung auf geistigen Wegen gesucht wird, liegt das Bedeutsame der Relativitätstheorie. Daß sie so zu denken nötigt, macht ihren Wert innerhalb der Weltanschauungsentwickelung aus.
aus «Die Rätsel der Philosophie»; S.592f
 
Jenseits der Vorstellungen
Am 25. November 1915 trug Albert Einstein in Berlin vor der preußischen Akademie seine Allgemeine Relativitätstheorie vor und stieß damit das mechanistische Weltbild vom Thron.
«Das Weltall ist grenzenlos, aber endlich.» Diese scheinbar widersprüchliche Feststellung ist eine der Früchte, die Albert Einsteins Relativitätstheorie vor hundert Jahren möglich machte. Es war am Beginn des 20. Jahrhunderts eine Revolution im physikalischen Weltbild, eine kopernikanische Wende, die durch viele geometrische und physikalische Gedanken in der Luft lag. Einstein hatte sie auf den Boden gebracht. Es sind, so folgerte der Physiker, nicht die Dinge [Massen], die sich gegenseitig anziehen, und einer geheimnisvollen Gravitation folgen, sondern es ist die Struktur des Raumes selbst.
Raum, so Rudolf Steiner in seiner Einleitung zu Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften, ergebe sich, wenn man die elementarste Beziehung zweier Dinge zur elementarsten Beziehung zweier anderer Dinge vergleiche. Raum ist demnach die Beziehung der Beziehung der Dinge. In diese Richtung blickt auch Einstein, wenn er sich von der Anschauung eines absoluten Raums Isaac Newtons befreit und eine Physik entwirft, in der der Raum durch die Dinge [Massen] in ihm gedehnt oder gestaucht werden könne. Hundert Jahre nachdem die Mathematik sich mit den nicht-euklidischen Geometrien von der antiken Raumvorstellung befreit hatte, nutzte Einstein diese Geometrien für ein neues Bild des Kosmos. Dass dabei Schwerkraft und Beschleunigung eigentlich nicht zu unterscheiden seien, nannte er den glücklichsten Gedanken seines Lebens. Bereits Jahre zuvor war entdeckt worden, dass die Geschwindigkeit des Lichtes, oder wie es Georg Unger formulierte: die Licht/Schatten-Grenzen, sich mit 300 000 [299.792,458] km pro Sekunde ‹bewegen› - unabhängig ob man sich auf die Lichtquelle zubewegt oder sich von ihr entfernt. Vorstellen kann man sich das nicht, aber die Messungen bestätigten es. Einstein führt es 1905 [in Bern] zu seiner Speziellen Relativitätstheorie, nach der die Zeit abhängig ist von der Geschwindigkeit. Schon bei Transatlantikflügen lässt sich die von Einstein behauptete Zeitdifferenz mit einem Paar synchroner Atomuhren nachweisen. Die Uhr im Flieger geht nach einigen Stunden im Jet ein paar Milliardstelsekunden hinter der Zwillingsuhr a[uf de]m Boden hinterher.
Mit der 1915 veröffentlichten Allgemeinen Relativitätstheorie schliesst Einstein die Lücke um die Gravitation. Jetzt ist es nicht die Geschwindigkeit, sondern die Masse, die die Maßstäbe verbiegt. Jeder Körper ‹krümmt› den Raum, so Einstein. Damit wird die merkwürdige Anomalie in der Bewegung des Merkurs verständlich und ein ‹gekrümmtes› grenzenloses Weltall wird denkbar.
Auch wenn in der Relativitätstheorie von Geist nicht die Rede ist, so ist die Überwindung des Materialismus des 19. Jahrhunderts ohne sie kaum möglich. Erklären die Quantenphysiker, dass Materie nicht aus Materie besteht [sondern aus Quantenschaum emergiert], so zeigen nun die Astrophysiker, dass Raum nicht aus Raum ‹besteht›, nicht euklidisch gedacht werden kann. «Die kühnsten Träume sind nun in Erfüllung gegangen», schreibt Einstein an einen Freund nach der Vorstellung seiner revolutuionären Theorie.
Wolfgang Held
in »das Goetheanum« 50·2015; S.3