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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zur
MENSCHHEITSFÜHRUNG
Von diesem Hereinklingen dessen, was die Götter wußten, nahmen die alten Kulturen ihren Ausgang. Erst nach und nach in der nachatlantischen Zeit schloß sich sozusagen das Tor gegenüber der göttlich-geistigen Welt, die ja während der atlantischen Zeit noch völlig offen war für die menschliche Seele. Und man empfand in den verschiedenen Ländern, bei den verschiedenen Völkern, wie der Mensch immer mehr und mehr auf sich selber angewiesen wurde. So zeigt sich in anderm Sinne an der Menschheit, was sich am Kinde offenbart. Erst ragt die göttlich-geistige Welt herein durch die unbewußte Seele des Kindes, die leibgestaltend schafft; dann kommt der Augenblick, in welchem der Mensch sich als «Ich» fühlen lernt, bis zu dem er sich dann im späteren Leben zurückerinnert. Da liegt das, von dem gesagt werden kann, daß der Weiseste noch lernen kann von der Seele des Kindes. Dann aber wird der einzelne sich selbst überlassen, das Ich-Bewußtsein tritt auf, und alles fügt sich jetzt so zusammen, daß man sich an das Erlebte zurückerinnern kann. - So kam auch im Leben der Völker die Zeit, wo sie anfingen, sich mehr abgeschlossen zu fühlen von der göttlichen Inspiration der Urväter. Wie das Kind abgeschlossen wird von der Aura, die das Kindeshaupt in den ersten Jahren umschwebt, so traten auch im Leben der Völker immer mehr und mehr die göttlichen Urväter zurück, und die Menschen wurden angewiesen auf ihr eigenes Forschen und ihr eigenes Wissen. Wo die Geschichte so spricht, da wird das Hereindringen der Führung der Menschheit empfunden. «Menes» nannten die Ägypter den, der die erste «menschliche» Kultur inauguriert hat; und sie deuten zu gleicher Zeit an, daß der Mensch dadurch auch in die Möglichkeit kam, zu irren. Denn von da ab war er angewiesen auf das Werkzeug seines Gehirns. Daß der Mensch in Irrtum verfallen konnte, wird dadurch symbolisch angedeutet, daß in die Zeit, in welcher die Menschen von den Göttern verlassen wurden, die Stiftung des Labyrinthes versetzt wird, das ein Abbild ist der Windungen des Gehirns als des Werkzeuges für die eigenen Menschengedanken, in welchen sich der Träger dieser Gedanken verlieren kann. Manas nannten die Orientalen den Menschen als denkendes Wesen, und Manu heißt der erste Hauptträger des Denkens. Minos [Μίνως] nannten die griechischen Völker den ersten Ausgestalter des menschlichen Gedankenprinzips, und auch an Minos knüpft sich die Sage vom Labyrinth, weil die Menschen fühlten, wie sie seit seiner Zeit von der unmittelbaren göttlichen Leitung allmählich in eine solche Leitung übergingen, durch welche das «Ich» in anderer Art die Einflüsse der höheren Geisteswelt erlebt.
Außer jenen Urvätern der Menschen, den wahren Übermenschen, die auf dem Monde ihre Menschheit absolviert hatten und nun Engel geworden waren, gibt es noch andere Wesenheiten, die auf dem Monde ihre Entwickelung nicht vollendet haben. Die Wesenheiten, die man in der orientalischen Mystik dhyanische Wesenheiten, in der christlichen Esoterik Angeloi nennt, haben ihre Entwickelung auf dem alten Monde vollendet und sind, als der Mensch auf der Erde sein Werden begann, schon um eine Stufe höher gewesen als die Menschen. Aber andere Wesenheiten gab es, die ihre menschliche Entwickelung auf dem alten Monde nicht abgeschlossen hatten, gerade wie die höheren Kategorien der luziferischen Wesenheiten nicht ihre Entwickelung abgeschlossen hatten. Als der Erdenzustand unseres Planeten begann, war in dem gekennzeichneten Sinne nicht nur der Mensch vorhanden; sondern er empfing auch die Inspiration der göttlich-geistigen Wesenheiten, denn sonst hätte er - ähnlich wie das Kind - nicht vorwärts kommen können; und dadurch waren außer diesen kindlichen Menschen auch die Wesenheiten mittelbar für die Erde vorhanden, die auf dem Monde ihre Entwickelung abgeschlossen hatten. Zwischen diesen aber und den Menschen waren noch solche Wesenheiten, die ihre Entwickelung auf dem Monde nicht abgeschlossen hatten, Wesenheiten, die höherer Art waren als die Menschen, weil sie schon während der alten Mondenzeit Engel, dhyanische Wesenheiten hätten werden können. Aber sie sind damals nicht bis zur vollen Reife gekommen, sind zurückgeblieben unter den Engeln, ragten aber doch in bezug auf alles, was der Mensch sein Eigen nannte, weit über den Menschen hinaus. Das sind im Grunde genommen diejenigen Wesenheiten, die in den Scharen der luziferischen Geister die unterste Stufe einnehmen. Mit diesen Wesenheiten, die zwischen den Menschen und den Engeln mitten drinnen stehen, beginnt eben schon das Reich der luziferischen Wesenheiten.
Von diesen Wesenheiten kann man außerordentlich leicht irrtümlich denken. Man könnte fragen: Warum haben die göttlichen Geister, die Regenten des Guten, zugelassen, daß solche Wesenheiten zurückgeblieben sind und dadurch das luziferische Prinzip in die Menschheit hereinkommen lassen? - Man könnte auch einwenden, daß die guten Götter alles zum Guten lenken. Diese Frage liegt nahe. Und das andere Mißverständnis, das entstehen könnte, drückt sich in der Meinung aus: Diese Wesenheiten seien eben «böse» Wesenheiten. Beides ist nur ein Mißverständnis. Denn diese Wesenheiten sind durchaus nicht bloß «böse» Wesenheiten, obwohl der Ursprung des Bösen in der Menschenentwickelung bei ihnen gesucht werden muss, sondern sie stehen mitten zwischen den Menschen und den Übermenschen. Sie ragen in gewisser Art an Vollkommenheit über die Menschen hinaus. In allen Fähigkeiten, die sich die Menschen erst erwerben müssen, haben diese Wesenheiten schon eine hohe Stufe erlangt, und sie unterscheiden sich von den früher geschilderten Vorfahren der Menschen dadurch, daß sie - weil sie ihre Menschheit auf dem Monde nicht abgeschlossen haben -, noch fähig sind, während sich der Mensch auf der Erde entwickelt, sich in Menschenleibern zu inkarnieren. Während die eigentlichen dhyanischen oder Engelwesenheiten, welche die großen Inspiratoren der Menschen sind, und auf die sich die Ägypter noch beriefen, nicht in Menschenleibern erscheinen, sondern sich nur offenbaren konnten durch die Menschen, sind die Wesenheiten, die zwischen Menschen und Engeln mitten drinnen stehen, noch in der Vorzeit fähig, sich in menschlichen Leibern zu verkörpern. Daher findet man in der lemurischen und atlantischen Zeit unter den Menschen auf der Erde solche, die in sich tragen als innerste Seelennatur eine zurückgebliebene Engelwesenheit, das heißt: es gehen in der alten lemurischen und atlantischen Zeit unserer Erde nicht nur gewöhnliche Menschen auf der Erde herum, die durch ihre aufeinanderfolgenden Inkarnationen zu dem kommen sollen, was dem Menschheitsideal entspricht, sondern es gehen unter den Menschen früherer Zeiten solche Wesen herum, die äußerlich wie die anderen Menschen aussehen. Sie müssen den menschlichen Leib tragen, denn die äußere Gestalt eines Menschen im Fleisch ist abhängig von den irdischen Verhältnissen. Aber namentlich in den älteren Zeiten befanden sich unter den Menschen solche Wesen, die zu der untersten Kategorie der luziferischen Individualitäten gehörten. Neben den Engelwesenheiten, die auf die menschliche Kultur durch die Menschen wirkten, inkarnierten sich auch solche luziferische Wesenheiten und begründeten an verschiedenen Orten Menschheitskulturen. Und wenn in den Legenden alter Völker geschildert wird, daß da oder dort der eine oder der andere große Mensch lebte, der eine Kultur begründete, so ist eine solche Individualität nicht damit zu kennzeichnen, daß man sagt: Da ist eine luziferische Wesenheit verkörpert, die muß Träger eines Bösen sein; - sondern in der Tat kommt unendlich viel Segensreiches in die menschliche Kultur durch diese Wesenheiten.
aus «Die geistige Führung ...»; S.40ff
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