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Zitatensammlung
Teil 2
Zitate zum
KRAFTTIER
C. Seib: Ein Krafttier ist ein Tiergeist, welcher von einer höheren geistigen Ebene aus u.a. dazu da ist, einem anderen Menschen zu helfen. Dies kann ein verstorbenes Tier sein, welches man gekannt hat; in den meisten Fällen aber ist es das nicht. Es ist ein Tier, welches sich für einen bestimmten Menschen entschieden hat, um als geistiger Helfer für diesen Menschen dazusein. Im Schamanismus hat man die Vorstellung, daß für jedes Tier verschiedene Eigenschaften stehen. Ob es eine Schlange, ein Büffel, eine Ameise oder ein Adler ist - alle Tiere stehen für verschiedene Eigenarten, die besonders hilfreich sein können. Je nachdem, in welcher Situation man sich befindet, können einem die Krafttiere helfen.
Es ist immer eine besondere Tierseele, die den Menschen aufgesucht hat. Man sagt, daß jeder Mensch von seiner Geburt bis zum Tod immer ein Krafttier hat und darüber hinaus noch weitere haben kann, die für gewisse Zeitabschnitte bleiben. [...]
[...]
W.W.: Wenn jedem Menschen ein Krafttier zugeordnet ist, der Mensch aber während des gesamten Lebens nicht nach diesem Krafttier sucht, wie ist das dann für das Krafttier?
C. Seib: Das ist auch wieder individuell verschieden. Generell ist es aber so, daß das Krafttier für den Menschen da ist, nicht umgekehrt. Aber oft ist es auch so, daß die Krafttiere auf den Menschen warten. Ich habe es in meinen Seminaren oft erlebt, daß die Krafttiere verlautbaren lassen, daß der Mensch nun endlich ein Bewußtsein für sie aufgegriffen habe, damit sei ihm helfen könnten. Manche Krafttiere sagen auch, daß es zwar schön sei, daß man nun bewußt den Kontakt aufgegriffen habe, daß die Krafttiere aber ohnehin immer da wären und auch schon unterbewußt geholfen hätten. Es ist nicht das Wichtigste, daß die Menschen wissen, welches Krafttier sie haben, oder daß sie sogar jeden Tag mit diesem sprechen. Die Tierseele ist dafür da, um den Menschen zu helfen.
S.52f
S.Sch.: Was ist eigentlich ein Krafttier?
L. Erbe: Man könnte sie wie Engel beschreiben. Es sind Energien, Spirits, die in tierischer Form dastehen, die mich beschützen, mich tragen und begleiten. Sie können eine Weile an meiner Seite sein, aber sie können auch im Verlauf der Zeit wechseln. Es ist das Tier, das man in seinem jetzigen Leben im Moment benötigt.
S.62f
J. Fleischmann: Ich denke, daß es für jemanden, der mit anthroposophischen Begriffen nichts anfangen kann, der von den ganz vielen differenzierten Wesen, wie z.B. den Naturwesen, noch nichts gehört hat, durchaus eine Überforderung sein kann, wenn er erfährt, daß er bei diesem Gespräch mit einem einzelnen Tier, bei jenem mit einem Tier-Ich, bei einem dritten vielleicht mit einem Hausgeist gesprochen hat. [...] Und an dieser Hürde scheitert es aus meiner Sicht oft. [...]
S.94f
W.W.: Früher haben viele Menschen auf schamanische Weise eine Beziehung zu ihrem Totem-Tier gesucht; ist dieses Totem-Tier das Tier-Ich?
A.C. Gruenn: Totem-Tiere gab es auch für Menschengruppen [blutsverbundene Sippen, Stämme], also z.B. den Stamm der Löwen, der Adler oder der Büffel. Hier liegt auch eine Erinnerung an alte Zeiten vor, als die Tier-Iche noch wie Götter waren und den Menschen konfigurierten und dem Menschen z.B. seine seelischen Regungen durch Verzichtsleistungen der Tiere ermöglicht haben. Das war die Zeit, als Tiere und Menschen noch sehr eng verbunden waren, als die Tiere noch Teile der gesamten menschlichen Wesenheit waren. Und wenn ein Stamm von Menschen später eine solche Beziehung zu einem Tier suchte, klang diese Vergangenheit des alten Sonnenzustands [a] noch ein wenig an.
Aber auch heute werden einzelne Menschen von einzelnen Tier-Ichen für bestimmte Aufgaben begleitet, und das sind diese Totem-Tiere. Schamanen hatten auch immer eine besondere Aufgabe für ihre Menschengruppe, für ihren Stamm. Und dafür gab es eine Hilfe dieser Tier-Iche. Auch heute kann man von Krafttieren sprechen, indem man sich einem bestimmten Tier-Ich gegenüber öffnet, indem man herausfindet, welches Tier einen in diesem Leben besonders begleiten kann.
Man kann im Astralleib [b] des Menschen sehen, welches Tier anwesend ist. Meist ist es so, daß man ohnehin von einer bestimmten Tierkraft umgeben ist, genauso wie man auch als Mensch fortwährend bestimmte Pflanzenkräfte anzieht. Wenn man sich das Bein bricht, zieht man automatisch die Kräfte der Arnika an, bzw. man ist von Naturwesen umgeben, die die Kräfte der Arnika vermitteln. Auf der Ebene der Naturwesen ist diese Beziehung noch sehr viel stärker ausgeprägt, denn sie kommen und helfen. Das ist ihre Aufgabe, sie können eigentlich gar nicht anders. Bei den Tieren ist es so, daß man in bestimmten Lebenslagen offen ist für bestimmte Tier-Iche bzw. gegenüber den Tierkräften seines Totem-Tieres. Und diese Kräfte kommen dann und unterstützen den Menschen. Bei einigen Menschen sind diese Beziehungen sehr stark, so daß sie sogar Erlebnisse mit diesen Tieren haben; andere merken dies überhaupt nicht.
Die Indianer und andere schamanistisch orientierte Menschen haben bewußt mit diesen Kräften gearbeitet. Es war bei ihnen auch eine spirituelle Entwicklung, sich an dieses Tier zu wenden, sich gegenüber diesem Tier zu öffnen bzw. mit diesem Tier in Kontakt zu treten und in die Kraftsphäre dieses Tieres einzutreten. Das war meist ein richtiger Einweihungsweg und trug dazu bei, daß ein solcher Mensch seiner Aufgabe gegenüber seiner Menschengruppe und auch gegenüber dem Tier-Ich gerecht werden konnte.
W.W.: Wäre das ein Weg, der auch heute noch von Menschen beschritten werden sollte?
A.C. Gruenn: Es muß auf jeden Fall in einem anderen Rahmen als früher gestaltet werden. Man kann es auf eine zeitgemäße Weise versuchen. Was nicht mehr geht, ist, daß man sich wie früher einem solchen Tier-Ich hingibt, und zwar unter Aufgabe des eigenen Ichs, indem man z.B. in Trance zum Adler wurde. Das wäre kein Weg für die heutige und zukünftige Zeit. Aber man kann in einen inneren und bewußtseinsmäßig aktiven Kontakt zu einem Tier treten bzw. zum Gruppen-Ich der Tiere, und man kann auch bewußt in seine Seele schauen, welche Anteile in der eigenen Seele mit diesem Tier zu tun haben, welche Kräfte man vielleicht mit diesem Tier teilt. Es können auch Kräfte in der Seele sein, die man noch nicht bearbeitet hat, und man kann versuchen zu ergründen, was ein bestimmtes Tier einem sagen will, indem man sich bewußt und mit innerer Arbeit in bezug auf diese Zusammenhänge auseinandersetzt. Das wäre eine zeitgemäße Verbindung zu Tieren. Ganz besonders kann dies für Jugendliche wichtig sein. Denn das bringt ein wenig Ordnung in ihre Emotionalität. Es können auch mehrere Tiere sein, und diese Tiere können auch wechseln.
S.178f
aus «FH 129»
Wenn bereits nach den bisherigen Ausführungen der Zusammenhang zwischen »Tierschicht« und Schamanentum sehr deutlich geworden ist, so können wir noch weitere Materialien heranziehen, die für die hier behandelte Frage gleichfalls von Wert sein dürften. Auch die Hilfsgeister der Schamanen erscheinen nämlich vielfach in Tiergestalt. Ich lasse auch hier einige Eingeborenenberichte folgen:
Die Schamanen erzählen, daß sie zwei Hunde (ihre unsichtbaren Diener) besitzen. Bei den schamanistischen Zeremonien werden sie Chardas und Börös genannt. Bei einem blutgierigen Schamanen (d. h. einem solchen, der von bösen Geistern inspiriert ist) sollen diese Hunde Vieh und Menschen töten. Erwachsene Menschen töten sie allerdings nicht.
Man berichtet, daß einige Schamanen einen Bären [c] und einen Wolf besitzen und ihn bei der Séance zeigen. Wolf und Bär gibt es wahrscheinlich nur bei den Schamanen der bösen Geister, die vollkommen mit Blutdurst angefüllt sind, den Abāsy ojuna. Bei den Schamanen, die von den lichten Geistern inspiriert sind, kommen Wolf und Bär nicht vor. Diese Schamanen kämpfen auch nicht miteinander.³°
Im Altertum lebte bei den Chorin, wie man sich erzählt, ein Schamane namens Titen, der einen Abāsy (Dämon, böser Geist) in Hundegestalt besaß. Diesen Hundedämon brauchte er, wenn er die Zeremonien zum Auffinden verlorenener Gegenstände vollzog. Der Hund zeigte dem Schamanen an, wo sich der verlorene Gegenstand befand.³¹
[...]
Bei den hiesigen Schamanen befindet sich manchmal auf den Trommelschlegeln die Darstellung einer Hundeschnauze. Die Hilfsgeister des Schamanen wittern, wie gesagt wird, damit.³²
Schließlich sei noch auf unsere Ausführungen in dem Kapitel hingewiesen, wo die Funktionen des Schamanengewandes als tiergestaltiger Hilfsgeist besprochen werden.
Diese Beispiele mögen hier genügen. Was gezeigt werden sollte, konnte, glaube ich, gezeigt werden: die Tierverehrung, deren eine Form ja auch für den Totemismus charakteristisch ist, hat sich im Schamanentum ein starkes Lebensrecht erworben und gerade dadurch zur Erhaltung alter Anschauungen über Wesen und Macht der Tiere beigetragen. Auch das schamanistische Pantheon der verschiedensten nordasiatischen Völker ist erfüllt von tiergestaltigen Gottheiten. Tiere wie Adler oder Schwan stehen am Beginn der mythischen Geschichte des Schamanentums. [...]
Hans Findeisen
30 Ksenofontov I., S. 36.
31 Ebenda, S. 27.
32 Ebenda, S. 23 f.
aus «Die Schamanen»; S.44ff
a] vgl. Mbl.6
a] vgl. Mbl.5
c] vgl. MblB.3