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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Michael ENGELHARD zur
AFRIKAFRAGE
M.Engelhard: Du weißt, daß ich vier Jahre in Afrika Botschafter war, und ich habe dort nicht einen überzeugten Afrikaner getroffen, der nicht zutiefst verzweifelt war. Die Probleme dort sind so riesengroß wie unsere Gleichgültigkeit gegenüber diesen Problemen. Aber die Afrikaner brauchen uns. Sie werden es ohne uns nicht schaffen, einfach deswegen, weil sie in unserer immer kleiner werdenden Welt unsere abstrakte Art zu denken übernehmen müssen, die ihrer konkreten Art zu denken diametral entgegengesetzt ist. Denn nur die Technik, die unser Denken voraussetzt, kann ihnen die Instrumente zur Verfügung stellen, die ihr Überleben sichern. Aber wenn sie nicht mehr wie Afrikaner denken, sind sie keine Afrikaner mehr, dann verlieren sie ihre Identität. Das ist der tiefste Grund der Verzweiflung der ihre Kultur liebenden Afrikaner. Das heißt für uns: Wir dürfen ihnen nicht nur unsere Technik bringen, sondern wir müssen dafür Sorge tragen, daß diese Technik nicht kulturzerstörend wirkt. Und das setzt wiederum voraus, daß wir diese Kultur respektieren und ehren und uns entsprechend in Afrika verhalten. Davon kann, soweit ich sehe, heute bei uns, denen es angeblich um den Menschen geht, noch nicht einmal in Ansätzen die Rede sein.
aus «Flensburger Heft Nr.114»; S.32