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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Umberto ECO zu
SCHÖNHEIT in KUNST und NATUR
Der Verdurstende, der eine Quelle findet und sich sofort darauf stürzt, um zu trinken, hat kein Auge für die Schönheit. Er kann sie später bewundern, wenn er seinen Durst gestillt hat. Deswegen ist der Sinn für Schönheit etwas anderes als das Begehren. [...]
[...] nicht von einer vorgefaßten Idee des Schönen ausgehen, sondern [...] ansehen, welche Dinge die Menschen im Lauf der Jahrtausende als schön empfunden haben.
Ein anderes Kriterium [...] ist der Umstand, daß das enge Verhältnis, das die Epoche der Neuzeit zwischen Schönheit und Kunst hergestellt hat, nicht so selbstverständlich ist, wie wir glauben. Wenn gewisse moderne Theorien der Ästhetik nur die Schönheit der Kunst anerkannt und die Schönheit der Natur unterschätzt haben, war es in anderen Epochen umgekehrt: Schönheit war eine Eigenschaft, welche die natürlichen Dinge haben konnten (ein schönes Mondlicht, eine schöne Frucht, eine schöne Farbe), während die Kunst nur die Aufgabe hatte, das, was sie machte, gut zu machen, damit es dem Zweck diente, für den es bestimmt war - so sehr, daß als Kunst sowohl die Tätigkeit des Malers und des Bildhauers als auch die des Bootsbauers, des Schreiners oder des Barbiers betrachtet wurde. Erst sehr viel später hat man, um Malerei, Bildhauerei und Architektur von dem zu unterscheiden, was wir heute Handwerk [resp. Kunsthandwerk] nennen würden, den Begriff der Schönen Künste entwickelt.
S.10
[...] Prinzip [...], daß Schönheit nie etwas Absolutes und Unveränderliches war, sondern je nach der historischen Epoche und dem Land verschiedene Gesichter hatte: Und dies gilt nicht nur für die sinnlich erfahrbare [ästhetische] Schönheit (des Mannes, der Frau, der Landschaft), sondern auch für die Schönheit Gottes, der Heiligen, der Ideen ...
S.11
aus «Die Geschichte der Schönheit»