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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Maria RÖSCHL-LEHRS zur
WORTBILDUNG
Der Urgegenpol des Lichtes, der Formkräfte ist das Leben. Das Lebensgebiet ist dem Menschen verschlossen, nur in der Generationslinie kann er aus seinem eigenen Wesen auch ein Wesen gleicher Art hervorbringen. Er kann aber nicht eingreifen in die Generationslinien anderer lebendiger Wesen, Neues erschaffend. Nur Gottwesenheiten können es. Der Mensch aber, die zehnte Hierarchie, erstrebt und ringt auf seiner Entwicklungsbahn sich den höheren Wesen entgegen. Nicht im Generationspol seines Wesens hat er den Keim zu allumfassendem Schaffen, wohl aber im Mittleren, da wo im eigenen Körper Form und Leben, man kann auch sagen Weisheit und Liebe, Oben und Unten einander begegnen: Die Atemkraft schickt er in den Kehlkopf und bildet das Wort. Das Wort ist der höhere Schaffenspol des Menschen. Das Wort ist das Schaffensorgan der göttlichen Wesen. «Im Urbeginne war das Wort
In alten Zeiten, da noch sichtbar auf Erden waren Stätten, an denen der Mensch so geführt werden sollte, dass einige wenigstens bewahren sollten das Wissen um die höheren Welten, das Wissen um die höheren Kräfte, zu denen das Menschenwesen veranlagt ist, - während die Menschheit im allgemeinen ihrer Entwicklungsaufgabe gemäss zunächst hinabschritt in die Tiefen der Stoffeswelt, - an solchen Stätten wurde der Mensch eingeweiht in die Geheimnisse, in die Schaffenskraft des Wortes. Rudolf Steiner schildert uns²⁷, wie in Ephesus, als die wahre Führerweisheit dort noch wirksam war, der Schüler empfangen wurde mit dem Grusse:
Mensch, rede, und du
offenbarest durch dich
das Weltenwerden.
Und wenn er verabschiedet wurde, so geschah dies mit den Worten:
Das Weltenwerden offenbart sich
durch dich, o Mensch,
wenn du redest.
Und Rudolf Steiner weist darauf hin, dass im Wortbilden des Menschen, bei jedem Worte, das wir formen, Feuriges, Wärmehaftes nach oben weht, Feuchtes, Wässriges nach unten. Während in der Mitte Luftförmiges wirkend gestaltet.
Worauf will uns Rudolf Steiner damit hinführen? Er enthüllte der Menschheit der Gegenwart das Geheimnis, wie unser Weltensystem entstanden ist, wie zuerst der Wärmekörper des alten Saturn sich bildete, wie dann das Luftförmige veranlagt wurde auf der alten Sonne, das Wässrig-Feuchte auf dem alten Monde, und endlich das Physisch-Erdige gestaltet wurde in der Entwicklung der Erde.
Dieses Geheimnis des Makrokosmos war es, auf das der Schüler von Ephesus hingewiesen wurde, ausgehend vom Mikrokosmischen der Schaffenskraft des menschlichen Wortes. In jedem Worte offenbart der Mensch das Weltenwerden, offenbart er den Durchgang der Schöpfung durch die Harmonie des Warmen, Luftigen, Feuchten. Unser Wort in der Gegenwart kann sich nicht auch aus dem vierten Elemente, aus dem Erdigen einen Leib schaffen, denn die gebietende Kraft über das Leben im Erdensein hat der Mensch noch nicht. Ätherisch wirkt sein Wort, und wenn der Mensch die Äthergesetze des Lautenden, des Tönenden, das er aus seinem Kehlkopf ausströmt, voll erfasst, wird er der Lebensbeherrschung näher und näher kommen, denn diese Ätherformen, die er schafft, mit denen das Feuer seines guten oder bösen Willens hinwegströmt von ihm, sie können in Einklang gebracht werden, sie können fördernd zusammenklingen mit den Äthergesetzen, mit den Lebensbedingungen der übrigen Naturreiche. Gegenwärtig kann ein Mensch, der starker Konzentration fähig ist, zwar noch nicht das physisch Geformte der Naturreiche, wohl aber das noch Ätherische, Flüssige, Wärmende durch die Formkraft seines Wortes umgestalten.
Das ist der erste zarte Anfang, mit dem der Mensch die Logosschöpferkraft [ο λόγος (ho lógos)], das Schaffen durch das Wort, sich wieder zu erringen beginnt.
In seinem Kehlkopf hat er, angeordnet in der Urform des Lebens, im Viereck die vier Epithelkörperchen, aus denen die vier Ätherarten wirksam strömen werden²⁸. Er steht in der Gegenwart vor einer Schaffenswelt, die er in Urzeiten als Magus des Wortes beherrschte, aus der er sich selbst vertrieb durch Schlechtwerden seines Trieblebens. Er steht vor diesem Tore. [...]
S.68ff
²⁷ Vortrag vom 2. 12. 1923 in «Mysteriengestaltungen». 2. Aufl. GA 232. Dornach 1958.
²⁸ Gleichwie die physische Natur sich aus den vier Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer konstituiert, weist die Ätherwelt vier qualitativ verschiedene Wirkensweisen auf: den Wärme-Äther, Licht-Äther, Klang-Äther und Lebens-Äther.
aus «Vom zweiten Menschen in uns»