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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Judith V.HALLE zur
GEISTESWISSENSCHAFT
Und zum Schluss [der Lektüre der «Theosophie»] fand ich sogar noch eine für mich bis dahin unübertroffene Ausführung zum «Pfad der Erkenntnis», aus der für mich zwei essentielle Faktoren hervorgingen. Erstens: Das erkundende Sich-Bewegen in der Welt der Wirklichkeit (der «geistigen Welt») verdiente es, als Wissenschaft anerkannt zu werden. Das Erforschen der nicht materiellen, der geistigen Welt war eine wissenschaftliche Tätigkeit, weil sich die geistige Welt durchaus beobachten und erkunden ließ. So war sie gleich einer wissenschaftlichen Tätigkeit, die sich auf die materiellen Daseinsverhältnisse bezieht, nur eben mit ihren eigenen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen, aber der «natur-wissenschaftlichen» Tätigkeit ebenbürtig. Diese forscherische Tätigkeit in Bezug auf die Welt der Wirklichkeit nannte der Autor «Geisteswissenschaft».
Zweitens: Für diese Geisteswissenschaft gilt eine Grundtatsache, wie sie auch für jede andere Wissenschaft gilt: sie kann (von jedem) erlernt werden. - Damit aber verbot es sich, über Aussagen, die diese Wissenschaft zutage förderte, zu spotten aufgrund der Annahme oder Überzeugung, dass es ein solches geistiges Forschungsfeld, mit dem sich die «Geisteswissenschaft» befasste, gar nicht gäbe, sondern alle Aussagen darüber eine Ausgeburt der Verblendung, Einbildung oder gar des Irrsinns des Betreffenden seien. Und machte jemand dennoch derlei Unterstellungen, belegte dies nur, dass er noch keinerlei Erfahrungen auf dem Feld der Geisteswissenschaft gesammelt hatte. Er hatte sich dann ganz offensichtlich bislang weder durch ein entsprechendes Studium noch durch die entsprechende Praxis Kenntnisse erworben. - Es war also in der Tat so, wie ich es immer empfunden hatte, wenn ich auf Ablehnung meiner inneren Findungen durch Unkenntnis gestoßen war, und den Menschen am liebsten entgegengerufen hätte, ob sie wohl auch von ihrem Vorschulkind, das nicht einmal die Grundrechenarten beherrscht, weil ihm davon noch niemand gesprochen hat, erwarten würden, dass es mit der Tschebyscheff'schen Ungleichung etwas anfangen könnte.
aus «Schwanenflügel»; S.359f