zum IMPRESSUM
Zitatensammlung
Teil 2
Zitate von Manfred KYBER zum
SEKTIERERTUM
Ich habe gute Ideen und deren Träger weit häufiger in Schutz nehmen müssen gegen den Unsinn ihrer Anhänger als gegen die Angriffe ihrer Gegner. Jeder logische Angriff läßt sich entwaffnen auf der Grundlage des Tatsächlichen, aber Dünkel und Irrtum lassen sich schwer aus der Welt schaffen, ohne oft eine Idee auf lange Jahre hinaus begraben zu haben. Die alten Logen wußten also schon sehr gut, warum sie das Schweigegebot so streng aufrecht hielten, und wenn wir das heute auch nicht mehr tun können und sollen, so wäre auch heute mancher guter geistigen Bewegung sehr gedient gewesen, wenn ihr Führer sich genauer seine Anhänger angesehen hätte, ehe er ihnen Dinge enthüllte, für die sie keinerlei Vorkenntnisse mitbrachten. Das Resultat dieses nicht gradweise, sondern wahllos vorgehenden Verfahrens ist meist ein einseitiger Fanatismus, der die Erkenntnis zum Dogma versteinert und an Stelle einer lebendig und organisch sich entwickelnden geistigen Kultur eine kirchliche Institution schafft, die, auf blindem Autoritätsglauben fußend, eher kulturfeindlich als fördernd wirkt. Mit irgendwelchem Sektierertum, welcher Prägung es auch sei, ist unserer Zeit nicht gedient. Nicht das Verketzern anderer und das Schwören auf eine einzige Person oder Lehre kann eine neue Kultur anbahnen, sondern lediglich das Erkennen und Hineinwachsen in eine geistige Welt von jedem einzelnen aus, eine Welt, die als vorhanden erlebt, nicht geglaubt werden darf.
///
Leider kann man von den vielen blinden Nachbetern Steiners nicht behaupten, daß sie dieser Charakterschulung des genialen Forschers folgen, den sie nur allzuoft im Dünlel gegen alles andere zum unfehlbaren Sektenapostel erniedrigen. Auch hier hat es sich wieder einmal gezeigt, daß man schwierige geistige Erkenntnisse nicht, ohne nach Graden zu stufen, auf eine breite Basis stellen kann. Auch die von Steiner in letzter Zeit [1919-1923] ins öffentliche Leben gesetzten, viel umstrittenen Experimente haben meist nicht Vertreter gefunden, die seinen Erkenntnissen der höheren Welten gerecht werden. Noch mehr trifft das bei seinen künstlerischen Versuchen zu, die ich zum größten Teil für wenig glücklich halte - um sie hat sich, von einigen Ausnahmen abgesehen, ein Regiment geräuschvoller Dilettanten gesammelt. Es ist, ganz allgemein gesagt - eine notwendige Forderung, daß sich geistige Führer von solchen Elementen freimachen, wenn sie ihre Aufgabe nicht ernstlich gefährden wollen.
aus «Einführung in das Gesamtgebiet des Okkultismus»; S.30f/130f