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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Ferdinand EBNER zu
SPRACHE, ICH und DU
Das geistige Leben des Menschen ist mit der Sprache innigst und unlösbar verknüpft und beruht wie eben diese auch auf dem Verhältnis des Ichs zum Du. Von der Tatsache, daß sich das Wort zwischen der »ersten« und »zweiten Person« abspielt, muß jeder Versuch ausgehen, die Sprache in Hinsicht auf ihre geistige Bedeutung zu ergründen. Sie hat in der Aktualität ihres Gesprochenwerdens die Persönlichkeit der Beziehung des Ichs zum Du zur Voraussetzung. Persönlichkeit aber wieder ist ohne Beziehung zum Wort nicht zu denken und in ihr überhaupt erst »objektiv« gegeben als die im Menschen - dadurch, daß er das «Wort hat» - liegende Möglichkeit der »Aussage« im allgemeinen und im besonderen aber der »Behauptung« der eigenen Existenz im Worte Ich des Satzes »Ich bin«: wodurch das Selbstbewußtsein »objektiv« wird; die Möglichkeit also, »sprechende«, aber auch die ihm - und wieder dadurch, daß er das Wort und Sinn für das Wort hat - gegebene andere Möglichkeit, »angesprochene« Person, das Du, zu sein. Das »Du« ist die »Ansprechbarkeit« im anderen und diese gehört ebenso mit zum Wesen der Personalität wie die Möglichkeit »sich« auszusprechen, in der eben das »Ich« gegeben ist.
Mit den Fürwörtern Ich und Du hat es eine besondere Bewandtnis. Sie sind im konkreten Gebrauch nicht Stellvertreter eines Substantivs im Satze, nicht die Vertreter eines Nomens im allgemeinen oder eines Personennamens im besonderen, sondern stehen in der eben durch das »Wort« geschaffenen und objektiv gemachten geistigen Sphäre »unmittelbar« für die »Person« selbst. [...] In der Konkretheit ihres Angesprochenwerdens sind das Ich und das Du die geistigen Realitäten des Lebens. Was vom »Wort« in seiner geistigen Ursprünglichkeit und Lebendigkeit überhaupt gilt, zeigt sich am deutlichsten am Ich - und ebenso am Du: es tritt nicht zum Inhalt der Aussage »von außen« hinzu, wird vielmehr aus ihm selbst heraus, wie auch umgekehrt dieser Inhalt aus dem Wort, aus der Tatsache, daß der Mensch das »Wort hat«, geboren. [...]
Weil das Ich und das Du immer nur im Verhältnis zueinander existieren, gibt es ebenso wenig ein absolut duloses Ich, als ein ichloses Du zu denken wäre. Das Wort ist dasjenige, wodurch nicht nur die Existenz, sondern vor allem das Verhältnis beider objektiv konstituiert - »gesetzt« - wird. In der Lebendigkeit seines Ausgesprochenseins ist es immer ein Satz - ein »Wort«, dessen Plural im Deutschen »Worte« heißt; während das Wort mit dem Plural »Wörter« nichts ist als ein totes, um sein Leben gekommenes, aber doch auch wieder zum Leben zu erweckendes Glied des zerstückelten Satzes. Hinter jedem »Satz« - und jedem Wort, das ein Satz ist - steht als sein innerer und innerster Sinn die »Setzung« des Verhältnisses zwischen dem Ich und dem Du; die reale oder aber auch bloß ideelle Setzung des geistigen Lebens.
Im Menschen ist, objektiv gleichsam, der Drang zur Sprache und subjektiv das Bedürfnis nach »Ansprache«: [...] Dieser Drang ist nichts anderes als ein Ausdruck des Angelegtseins des Geistigen in ihm, des Ichs - der »sprechenden« Person - auf die Beziehung und das Verhältnis zum Du, zum Geistigen außer ihm, das er ansprechen kann.
aus «Das Wort und die geistigen Realitäten»; S.17ff