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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Günter RÖSCHERT zum
STUDIUM
Im Vorwort zur Auflage 1925 des Buches Die Geheimwissenschaft im Umriss bestätigt Rudolf Steiner erneut, dass die Inhalte des Werkes der geistigen Schau entnommen sind und fährt fort: «Der Inhalt des geistig Geschauten läßt sich nur in Bildern (Imaginationen [a]) wiedergeben, durch die Inspirationen [b] sprechen, die von intuitiv [c] erlebter geistiger Wesenheit herrühren.» Der in dieser Form bezeichnete mehrschichtige Aufbau des Buches ist - unabhängig von einer vielleicht möglichen Weiterführung durch eigene Geistesschau des Lesers - dem reinen (intuitiven) Denken zugänglich: «Denn das reine Denken ist selbst schon eine übersinnliche Betätigung. Es kann als Sinnliches nicht zu übersinnlichen Vorgängen durch sich selbst führen. Wenn man aber dieses Denken auf die übersinnlichen, durch die übersinnliche Anschauung erzählten Vorgänge anwendet, dann wächst es durch sich selbst in die übersinnliche Welt hinein.»¹⁷⁸
Um dieses Durch-sich-selbst-wachsen geht es bei jeder denkerischen Arbeit an dem Buch. Nicht nur die Erfahrungstiefe des Denkens wächst, sondern auch der Bedeutungsgehalt der textlichen Aussagen. Die vom Verfasser gewählte erzählende Form der Darstellung erfordert Respekt vor dem Text; andererseits darf nichts als Information unbesehen übernommen werden. Gerade bei dem tieferen Schriftsinn setzt das Denken an. Die Mehrschichtigkeit des Textes enthält den Zuspruch an den Leser, nach einer individuellen, aber diskussionsfähigen Geistgestalt der Aussagen des Verfassers zu streben. Der geduldige denkerisch-betrachtende Umgang mit dem Text darf im Lichte des oben an erster Stelle zitierten Satzes als aussichtsreich gelten, weil die narrativ-imaginative Textgestalt in sich Inspirationen enthält, die dem Verfasser im intuitiv-wesenhaften Erleben zuteil geworden waren. Die auf die Verlaufsgestalt des Textes gerichtete denkerische Aufmerksamkeit kann zu einem Ideenerleben führen, durch welches Textaussagen auftauchen, die dem nur auf oberflächliches Informiertwerden bedachten Leser verborgen bleiben. Steiners Schriftstil unterstützt die Suche nach der Tiefendimension dadurch, dass in den Text immer wieder besonders ausformulierte Kernsätze eingefügt sind.
Das Studium ist die erste Stufe eigener Geistesforschung;¹⁷⁹ es hebt zugleich rezeptionsästhetisch den im Text veranlagten, aber erst im Leserbewusstsein hinzutretenden Teil des Werks ans Licht.¹⁸° Diese verstehenstheoretische Dimension verstärkt sich, wenn die Arbeit am Text in die Verantwortung einer sachlich und methodisch kompetenten Forschungsgruppe übernommen wird. Was der einzelne Teilnehmer nicht erkennt oder als Problem gar nicht bemerkt, wird offenbar im Zusammenklang und in den Kontroversen von Forschungsgesprächen.¹⁸¹
S.126f
178) Rudolf Steiner: Die Geheimwissenschaft im Umriss (GA 13), Dornach 1962, S.8 und 144. Hervorhebung durch den Verfasser.
179) Näheres in Günter Röschert: Anthroposophie als Aufklärung, München 1997 (Novalis Verlag).
180) Vgl. Manfred Oeming: Biblische Hermeneutik, Darmstadt 1998.
181) Frühere Arbeiten über Die Geheimwissenschaft im Umriss sind angeführt von Anna-Katharina Dehmelt in: Die Drei Nr.8/9 von 2010.
aus «Metaphysik der Weltentwicklung»
a] vgl. MblB.33a
b] vgl. MblB.33b
c] vgl. MblB.33c