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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Romano GUARDINI zu
NATUR und KULTUR
Wichtiger, und ebenfalls viel bedacht, ist die Tatsache, daß die beständig steigende wissenschaftliche und technische Entwicklung den Menschen immer mehr von der Natur ablöst. »Natur« ist jenes, das »von selbst« da ist; das aus immanenten Antrieben vor sich geht; sich immerfort aus eigener Fruchtbarkeit erneuert. »Kultur« hingegen jenes, das der Mensch hervorbringt und im Sein hält. Je weiter die Macht des Menschen steigt, desto mehr wandert er aus der Natur in die Kultur aus - das heißt aber, in eine Welt, einen Zustand, die nicht von selbst gewachsen und durch innere Ordnungen gewährleistet, sondern von ihm gemacht sind, daher den Charakter der Beliebigkeit und somit des Risikos haben. Der Mythos des Atlas kommt einem in den Sinn, der verurteilt ist, das Himmelsgewölbe zu tragen. Er kann nicht frei unter ihm schreiten, sondern es ist ihm als Last aufgebürdet: wenn er nachläßt, fällt es zusammen.
Wo aber liegt die Grenze, jenseits derer die Last den Träger erdrückt?
aus «Damit Europa werde ...»; S.22