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Zitatensammlung
Teil 2
Zitate zu
BEGRÜNDEN und GLAUBEN
DUNOIS [...] I should think you were a bit cracked if I hadnt noticed that you give me very sensible reasons for what you do, though I hear you telling others you are only obeying Madame Saint Catherine. DUNOIS [...] Ich würde denken, dass du ein bisserl verrückt bist, hätt' ich nicht bemerkt, dass du mir sehr vernünftige Gründe für dein Tun angibst, obschon ich dich anderen erzählen höre, dass du nur der heiligen Frau Katharina gehorchst.
JOAN [crossly] Well, I have to find reasons for you, because you do not believe in my voices. But the voices come first; and I find the reasons after: whatever you may choose to believe. JOAN [verärgert] Nun, ich muss Gründe finden für dich, weil du nicht an meine Stimmen glaubst. Aber die Stimmen kommen zuerst, und ich finde die Gründe später: was du auch zu glauben wählen magst.
George Bernard Shaw  
aus «Saint Joan»; S.103  
Es gibt Augenblicke, da ich zu glauben vermag, und es gibt Augenblicke, da ich zweifeln muß. Das Schlimmste, glaube ich, ist, glauben zu wollen, was es nun sei, was man glauben will, sei es das Christentum oder irgendeine Ideologie. Denn wer glauben will, muß seine Zweifel unterdrücken, und wer seine Zweifel unterdrückt, muß sich belügen. Und nur wer seine Zweifel nicht unterdrückt, ist imstande, sich selbst zu bezweifeln, ohne zu verzweifeln, denn wer glauben will, verzweifelt, wenn er plötzlich nicht glauben kann. Aber wer sich bezweifelt, ohne zu verzweifeln, ist vielleicht auf dem Wege zum Glauben. Ohne ihn vielleicht je zu erreichen. Was für ein Glaube es jedoch ist, dem so einer entgegengeht, ist seine Sache. Es ist sein Geheimnis, das er mit sich nimmt, denn jedes Glaubensbekenntnis ist unbeweisbar, und was nicht bewiesen werden kann, soll man für sich behalten [vgl. Aphorismus 8].
Friedrich Dürrenmatt
aus «Denken mit F.D.»; S.31