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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Hans-Werner SCHROEDER zum
MANICHÄISCHEN IDEAL
Was meinen wir mit dem »manichäischen Ideal der Zukunft«? Mit der Gestalt des Mani, der im 3. Jahrhundert als bedeutender christlicher Kirchenstifter auftrat und dessen Lehre dann gewaltsam unterdrückt wurde, weil sie seine Zeitgenossen mißverstanden haben, ist ein großer Zukunftsimpuls verbunden. Mani ist unter furchtbaren Leiden zu Tode gebracht worden, eine schreckliche Begegnung mit dem Bösen. Diese Begegnung mit dem Bösen hat ihn dazu vorbereitet, in einer weiteren Zukunft etwas zur Überwindung und Verwandlung gerade des Bösen beizutragen.
Rudolf Steiner sagt dazu:
»... Das Böse [ist] nach Ansicht der Manichäer ein integrierender Bestandteil des Kosmos, es arbeitet an dessen Evolution mit und muß zuletzt durch das Gute absorbiert, verwandelt werden. Den Sinn von Gut und Böse, von Lust und Schmerz in der Welt zu studieren, ist die große, einzigartige Mission der Manichäer.«
Und an anderer Stelle heißt es im Blick auf die Zukunft (219): »Da werden das Gute und das Böse einen weitaus anderen Gegensatz noch bilden als heute ... Bei denjenigen, bei denen das Karma einen Überschuß an Bösem ergibt, wird innerhalb des Geistigen das Böse ganz besonders hervortreten. Auf der einen Seite werden dann Menschen da sein von einer gewaltigen inneren Güte, von Genialität an Liebe und Güte; aber auf der anderen Seite wird auch das Gegenteil da sein. Das Böse wird als Gesinnung ohne Deckmantel bei einer großen Anzahl von Menschen vorhanden sein, nicht mehr bemäntelt, nicht mehr verborgen. Die Bösen werden sich des Bösen rühmen als etwas besonders Wertvollem ... Wir stehen heute unmittelbar vor einer Zeit, wo eine bewußte Auseinandersetzung mit dem Bösen durch die Guten stattfinden wird ... [Die Zukunft] wird die Aufgabe haben, das Böse durch Milde so weit als möglich wieder einzubeziehen in den fortlaufenden Strom der Entwickelung. Es wird dann eine Geistesströmung entstanden sein, welche dem Bösen nicht widerstrebt, trotzdem es in seiner dämonischsten Gestalt in der Welt auftreten wird. Verfestigt wird sich haben ... das Bewußtsein, daß das Böse wieder einbezogen werden muß in die Entwickelung, daß es aber nicht durch Kampf, sondern nur durch Milde zu überwinden ist.«* - Wir haben zweierlei vor uns:
1. Die Aussage, daß die Entwicklung zum Bösen sich in manchen Menschen weiter radikalisieren wird.
2. Daß dem gegenüber aber auch die Kraft zur Überwindung und Verwandlung des Bösen in ungeahnter Weise wachsen wird; wir erinnern uns hier auch an die Worte, diese Kraft solle »sich zu einem gewaltigen geistigen Feuer in der Zukunft gestalten« (Rudolf Steiner, Vortrag vom 30. 6. 1908.)
An alledem ist Mani - wie wir sehen - maßgeblich beteiligt. Was wir im vorigen Abschnitt von der Kraft des Segnens sagten, und was für unsere Zeit vielleicht noch illusionär erscheinen kann, wird sich in Zukunft gewaltig entfalten. Es wird eine »Magie der Liebe« geben, die nicht zwingt, sondern den Zwang des Bösen zu lösen und das Gute aufzuerbauen vermag - wie Goethe es gesagt hat: »Die Liebe herrscht nicht, aber sie bildet, und das ist mehr« (Das Märchen).
Das alles wird die Frucht dessen sein können, daß der Christus nicht nur den Tod, sondern auch das Böse erlebt hat und ihm den Keim der Überwindung zum höheren Guten einpflanzen konnte.
* Zitate aus Rudolf Steiner: »Kosmogonie«, Bibl.-Nr. 94, Vortrag vom 26. 5. 1906, Dornach 1979 und »Die Tempellegende«, Bibl.-Nr. 93, Vortrag vom 11. XI. 1904, Dornach 1979
S.439ff
219 Ein weiteres Zitat aus »Vor dem Tore der Theosophie«, a.a.O., 8. Vortrag: »Im Hinblick auf diese Entwickelung der Menschheit sind nämlich schon vor Jahrhunderten Geheimorden gegründet worden, die sich die denkbar höchsten Aufgaben gestellt haben. Ein solcher Orden ist der Manichäer-Orden. Die Wissenschaft weiß nichts Rechtes über ihn. Man meint, die Manichäer hätten die Lehre aufgestellt, daß es von Natur aus ein Gutes und ein Böses gäbe, die miteinander im Kampf liegen; das sei so von der Schöpfung her bestimmt gewesen. Das ist ein zum Unsinn verzerrter Schimmer der wirklichen Aufgabe dieses Ordens. Die einzelnen Glieder dieses Ordens werden in ganz besonderer Weise für ihre große Aufgabe erzogen. Dieser Orden weiß, daß es Menschen geben wird, die im Karma kein Böses mehr haben werden, und daß es auch eine von Natur aus böse Rasse geben wird, bei der alles Böse noch in höherem Grade vorhanden sein wird als bei den wildesten Tieren, denn sie werden Böses tun bewußt, raffiniert, mit einem hochausgebildeten Verstande. Der Manichäerorden belehrt nun jetzt schon seine Mitglieder in solcher Weise, daß sie Umwandler des Bösen werden in späteren Geschlechtern. Das ungeheuer Schwierige dieser Aufgabe liegt darin, daß in jenen bösen Menschenrassen nicht etwa wie bei einem bösen Kinde neben dem Bösen noch Gutes ist, das sich durch Beispiel und Lehre höher entwickeln läßt. Jene von Natur aus ganz Bösen radikal umzugestalten, das lernt das Mitglied des Manichäerordens heute schon. Und dieses dann umgeschmolzene Böse wird nach gelungener Arbeit ein ganz besonderes Gutes. Ein Zustand der Heiligkeit wird der sittliche Zustand auf Erden sein, und die Kraft der Umwandlung wird den Zustand der Heiligkeit bewirken. Aber das kann nicht anders erzielt werden, als wenn erst dieses Böse sich bildet; und in der Kraft nun, die angewandt werden muß, um dieses zu überwinden, entwickelt sich die Kraft zur höchsten Heiligkeit ... Stark wird der Mensch, wenn er seine Muskeln anstrengen muß; ebenso muß das Gute, wenn es sich zur Heiligkeit steigern soll, erst das ihm entgegengesetzte Böse überwinden. Das Böse hat die Aufgabe, die Menschheit höher zu bringen.
Solche Dinge lassen uns hineinschauen in das Geheimnis des Lebens. Später dann, wenn der Mensch das Böse überwunden hat, kann er daran gehen, die heruntergestoßenen Geschöpfe, auf deren Kosten er sich entwickelt hat, zu erlösen. Das ist der Sinn der Entwicklung.«
aus «Der Mensch und das Böse»