zum IMPRESSUM
Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Alfred LÄPPLE zu
PHARISÄERN und SADDUZÄERN
Forscher haben die gewiß turbulente Geschichte Israels im 2. und 1. Jahrhundert v.Chr. nach Ereignissen durchstöbert, die mit diesen Geschehnissen in Verbindung gebracht werden können. Es spielte sich jene Geschichte wie folgt ab: Nachdem die Juden das Joch der Seleukiden-Könige in Syrien 165 v.Chr. abgeworfen hatten, kamen sie unter die Herrschaft des Priestergeschlechts der Hasmonäer (als Makkabäer bekannt), die führenden Köpfe des Aufstands. Knapp ein Jahrhundert (142-63 v.Chr.) war Judäa unabhängig unter der Regierung der Hasmonäer. Es konnte sogar sein Gebiet bis ungefähr zu jener Größe ausdehnen, die es zur Zeit Davids und Salomos hatte. Gleichzeitig wurde das Land durch religiös-politische Splittergruppen entzweit, deren Hauptgruppen die Pharisäer und die Sadduzäer bildeten.
Die Ursprünge der beiden Gruppen liegen im dunkeln. Josephus erwähnt ihre Existenz parallel zu jener der Essener, nämlich während der Regentschaft eines der ersten hasmonäischen Hohepriester, des Makkabäers Jonatan (152-142 v.Chr.; Alt.13, 171). Es ist geschichtlich erwiesen, daß die Pharisäer, die in hohem Maße eine weltlich-politische Bewegung darstellten und als „Liberale” ihrer Zeit galten, gegen die Hasmonäer opponierten. Die Sadduzäer jedoch setzten sich in erster Linie aus Priestern zusammen und unterstützten als „Konservative” und „Orthodoxe” die Hasmonäer.
Die Pharisäer unterschieden sich vor allem durch ihre „mündlichen Gesetze”, einer Ergänzung der Heiligen Schrift, die als einzig wahre Auslegung galt. So schrieb Josephus, „die Pharisäer haben dem Volk eine Menge Gesetze aus der Überlieferung ihrer Väter auferlegt, die nicht in den mosaischen Gesetzen geschrieben stehen” (Alt.13, 297). Diese Überlieferungen der Vorväter stellten das herausragende Moment der Pharisäer dar. Sie verliehen ihnen genügend Anpassungsmöglichkeiten an neue Situationen und erlaubten ihnen, alte Gesetze umzuschreiben, wenn neue Umstände es erforderten. Natürlich waren solche Überlieferungen den orthodoxen Sadduzäern und anderen nicht-pharisäischen Gruppierungen ein Greuel. Trotzdem konnten die Pharisäer meist ihren Willen durchsetzen, weil sie die Gruppierung mit dem größten Rückhalt im gemeinen Volk waren. Sie sind als Vorfahren der Rabbiner anzusehen. Die rabbinische Literatur [zB. der Talmud] enthält eine Fülle von Gesetzen und Kommentaren, die auf die Pharisäer zurückgehen. Die Pharisäer waren auch jene Gruppe, die in den Evangelien meist als Gegenspieler Jesu und seiner Auslegungen des Gesetzes geschildert wird, obschon Jesus in vielem ihrem Standpunkt sehr nahestand. Josephus berichtet weiter, daß die Pharisäer an die Auferstehung glaubten wie an die Existenz von Engeln und Dämonen. Nach dem Neuen Testament (Apg 23,8) stellten ihre Konkurrenten um die Macht, die Sadduzäer, beides in Abrede.
Ob die Sadduzäer diese Lehren tatsächlich verneinten, besonders die Existenz von Engeln, wird bezweifelt. Engel erscheinen immerhin in den fünf Büchern Mose; kein Jude stellte diese Schriften in Frage. Als Partei von Priestern mögen die Sadduzäer die Auferstehung in Zweifel gezogen haben, da die alte priesterliche Lehrmeinung vom Leben nach dem Tode sagte - wie es in der hebräischen Bibel und im Buch Jesus Sirach zu finden ist -, daß dem Tod ein Schattendasein in der Scheol (Totenreich) folge. Diese Schattenexistenz war sicherlich weniger erstrebenswert als das irdische Leben. Für die alten Priester bestand das wahre Leben nach dem Tod vor allem darin, daß ihr Name in den Kindern und Kindeskindern weiterlebte und daß ein „seliges Angedenken” zurückblieb. Mit Sicherheit kann davon ausgegangen werden: Die Sadduzäer, deren Hauptanhang in der Jerusalemer Oberschicht zu finden war, zweifelten die pharisäische Auffassung dieser Lehren an. Diese Ablehnung beruhte teils auf innerer Überzeugung, teilweise war sie eine politische Notwendigkeit.
Alt. ... Flavius Josephus: «Jüdische Altertümer»
aus «Die Schriftrollen von Qumran»; S.32f