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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Emil BOCK zu
DEMOKRATIE, JAN HUS und JEANNE D'ARC
Der ersten Hälfte des 15.Jahrhunderts wurde in gewissem Sinn das Gepräge gegeben durch die sogenannten Reform-Konzilien, die von 1409 bis 1449 mit kurzen Unterbrechungen in Pisa, Konstanz und Basel tagten. Die führenden Persönlichkeiten der abendländischen Christenheit, Kardinäle, Bischöfe und Professoren, waren versammelt, um eine neue Ära des christlichen Lebens zu begründen. Und man sollte meinen, daß so die Menschheit auf die denkbar beste Art vorbereitet gewesen wäre zum Empfang des geistigen Regens, der vom Himmel auf die Erde ausgegossen wurde. Die zuständigen Instanzen, wenn man so sagen will, waren günstigerweise beieinander. Sehen wir aber nun wirklich in den Gang der Konzilsverhandlungen hinein, so werden wir nur ein endloses, aussichtsloses Streiten gewahr, mit dem man sich gegen die in der Tat schon recht zweifelhaft gewordene Alleinherrschaft des Papstes wandte und aus dem schließlich nichts anderes als der allerdings moderne Konzilsgedanke hervorging: Ein gewisser kirchlicher Parlamentarismus entstand - berief sich doch auch 100 Jahre später Luther auf die Konzilien gegen den Papst -, und damit war der Anfang des demokratischen Impulses gegeben, der in der Weiterentwicklung Europas eine so große Rolle gespielt hat, dessen Ursprung aber nicht auf politischem, sondern auf kirchlichem Boden liegt. Und wir stehen vor der Frage: Ist dieser abstrakte moderne Gedanke wirklich das einzige, was die Menschheit von den feurigen Gedankenkräften des Himmels aufzufangen fähig war?
Im Jahre 1415 gab es ein unmittelbares Feuerzeichen: Johannes Hus wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt, und ein Jahr darauf wurde das Feuer noch einmal angezündet: Hieronymus von Prag, der Freund und Mitarbeiter des Johannes Hus, wurde gleicherweise ein Opfer der Flammen. Nun gibt es auch auf der Erde ein Feuer. Ist es das gleiche, das der Engel aus dem himmlischen Rauchfaß auf die Erde geschüttet hat [Apk.8,5]? Das himmlische Feuer brannte in Johannes Hus und Hieronymus von Prag, die sich mit Begeisterung für das echt christliche Prinzip der inneren Freiheit, wie es sich im sakramentalen Symbol des Kelches ausdrückt, einsetzten. Die offiziellen Instanzen des Christentums aber beschlossen in dem gleichen Jahre 1415, daß fortan im Sakrament der Kelch überhaupt nicht mehr an die Laien ausgeteilt werden sollte. Das Feuer des Scheiterhaufens, das sie anzündeten, war in der Tat das Gegenfeuer des Irdischen gegen den Feuerregen des Himmels und macht deutlich, wie wenig die Menschheit zum Empfang dessen bereit war, was der Himmel jetzt zu geben hatte.
Im Jahre 1431 flammte wieder das Feuer eines historischen Scheiterhaufens auf. In Rouen in Frankreich wurde die Jungfrau von Orléans verbrannt. Der echte himmlische Feuerfunke hatte in der Seele dieses schlichten Landmädchens gezündet. Sie hatte den Erzengel Michael vor sich hintreten sehen, und die Worte, die er zu ihr gesprochen, hatten in ihr die übermenschliche Begeisterung und Kraft ausgelöst, die sie dann instand setzte, die französischen Truppen zum Siege zu führen. Nun setzten die Würdenträger dieser Welt es durch, daß sie als Hexe verbrannt wurde; und wieder lodert das Abwehrfeuer der nicht für den Himmel aufgeschlossenen Menschheit empor.
aus «Michaelisches Zeitalter»; S.43f