zum IMPRESSUM
Zitatensammlung
Teil 2
Zitate zur
IMPROVISATION
Die autonome Aufmerksamkeit ist formfrei, d.h. nicht im voraus geformt; daher kann sie alle Formen vorübergehend annehmen, sich mit allen identifizieren und sich aus der angenommenen Form wieder lösen, um sich einem anderen Objekt zuzuwenden. Die geformten Gebilde sind verständlicherweise nicht erkennend, eben weil sie schon bleibend geformt, festgelegt sind. Aus Egoität kann nichts erkannt werden; jedes Erkennen ist selbstlos, oder es ist keines. Selbstsucht und Erkennen sind Gegensätze: wenn man sich sucht, kann man nicht das zu Erkennende suchen.
Auch für das Schaffen von neuen Formen, für das Schaffen überhaupt, sind vorgebildete Formen nicht brauchbar: Neues kann nur aus Formfreien entstehen. Zum wirklichen Sprechen [oder Singen] - in dem Neues gesagt [oder gesungen] wird - gehört das wortlose [oder tonlose] Konzipieren-Können dieses Neuen, - dann wird es in eine Wort-Sprache [oder einen Gesang] gegossen - es ist noch gießbar, noch nicht fest -. Was schon geformt ist, spricht [oder singt] nicht; es sei denn, daß ein Verstehen, ein Verstehender das Geformte, einen geschriebenen Text [oder eine Partitur] z.B., wieder in die flüssige Phase hebt: nur auf diese Weise »wortet« es und kann verstanden werden. Die Improvisation wurde als die schöpferische, Neues schaffende Gebärde erkannt. Diese Gebärde steht diametral den unterbewußten Formen, den Assoziationen, dem Gewohnheitsmäßigen gegenüber. [...]
Georg Kühlewind
aus «Vom Normalen zum Gesunden»; S.86f
Während man immer mein „Wissen” betont, so bemühe ich mich eigentlich um eine reguläre Kompostierung der Anthroposophie. [...] Man muss eben versuchen, die einzelnen Bestandteile der Anthroposophie zu verwandeln, wie man den Kompost verrotten lässt. Und wie man diese Komposterde benutzt, um dahinein zu säen und Pflanzen zu setzen, so setze ich in diesen durchanthroposophierten Seelenboden jene Menschen [zB. Carlyle, Emerson, Ibsen, Tolstoi] hinein, von denen Dr. Steiner gesprochen hat und die in irgendeinem Sinne doch in die anthroposophische Bewegung hineingehören.
Marie Groddeck an E.Froböse
aus -kulturimpuls-
Ce n'est que si le cadre est bien solide que l'on peut improviser.
[Nur wenn der Rahmen sehr fest ist, kann man improvisieren.]
Gérard Oury
aus «Sur la route ...»; S.14
P.K.: Im Ergebnis entsteht immer etwas Neues. Das entspricht dem Weg der Improvisation, daß nicht eine vorher errungene Komposition hörbar wird, sondern daß etwas Neues entsteht.
M.Gees: Die Komposition besteht in dem Fall im Miteinander. Das ist die Komposition!
P.K.: Eine interessante Geste. Nehmen wir an, daß zwei Musiker zusammen improvisieren und tatsächlich jeder dieser Musiker das auch wirklich will, was er spielt. Wenn der eine das vom anderen aufnimmt, entsteht im Ergebnis etwas, was beide so vorher gar nicht wollen konnten. Es ist etwas ganz Neues.
M.Gees: Ja, das sehe ich genauso. Deswegen mache ich improvisierte Musik, weil auf jeden Fall dabei etwas herauskommt, worauf ich allein nicht gekommen wäre.
aus «Flensburger Heft 126»; S.149
Man erlebt dann die Herausforderung, diese Offenheit aufrecht zu erhalten ohne die Ausrichtung aufzugeben. Ich möchte es mit der Haltung gemeinsam improvisierender Musiker vergleichen: Da gibt es Voraussetzungen, nämlich sein Instrument zu beherrschen, Verabredungen über die Tonart, den Musikstil, evtl. auch über einen Verlauf. Aber der einzelne Spieler muss in Geistesgegenwart aus dem heraus handeln, was ihm seine Mitspieler anbieten. Diese Form der Geistespräsenz lässt sich üben. Es ist eine Kombination aus Konzentration und Unbefangenheit.
Andreas Heertsch
in »die Drei« 11/2016; S.26