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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Emil BOCK zu
MÖNCHSTUM IM OSTEN
Die Athos-Mönche unterscheiden sich von den großen Mönchsorden des Westens auch dadurch, daß sie auf keinerlei theologische Bildung Wert legen. Sie betonen sogar häufig mit Nachdruck, daß sie keine Bücher lieben und lesen. Die prächtigen Bibliotheken, in denen kostbarste mittelalterliche Handschriften aufbewahrt werden und noch große Entdeckungen gemacht werden könnten, stehen unbenützt da. Es ist charakteristisch, daß es nichts gibt, was den Kreuzgängen der romanischen und gotischen Klöstern des Abendlandes entspricht, die ja immer auch ein aristotelisch-peripatetisches Element des Philosophierens ausdrücken. Die östliche Kirche hat bewußt nur einen ununterschiedenen Mönchsorden entstehen lassen. Die reiche Gliederung des abendländischen Ordenswesens fehlt ganz, die durch das Nebeneinander von Benediktinern, Dominikanern, Franziskanern usw. der Ausdruck ist für einen Reichtum kulturell-differenzierter Bildungsströmungen.
Die Ablehnung der intellektuellen Bildung war im athonitischen Mönchstum ursprünglich wohl einmal tief berechtigt. Man vermied das kopfmäßige Denken systematisch, weil man sich dadurch ungestörter und reiner dem meditativen Streben nach dem inneren Licht, dem Schauvermögen des Herzens, hingeben konnte. Heute [1926] ist nur die zur Unbildung gewordene Verneinung der intellektuellen Theologie übriggeblieben. Die Sphäre erleuchteter Frömmigkeit, die durch diese Verneinung geschützt werden sollte, ist erloschen.
aus «Reisetagebücher»; S.274f