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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Mircea ELIADE zum
HEILIGEN und RELIGIÖSEN
Für den Religionswissenschaftler sind alle Manifestationen des Heiligen [des Numinosen] von Bedeutung; jeder Ritus, jeder Mythos, jede Glaubensvorstellung oder göttliche Gestalt spiegelt die Erfahrung des Heiligen und impliziert folglich auch Begriffe wie Sein, Bedeutung, Wahrheit. Wie ich an anderer Stelle ausführte, „ist es tatsächlich schwierig, sich vorzustellen, wie der menschliche Geist ohne die Überzeugung funktionieren könnte, daß es eine nicht weiter zurückführbare Wirklichkeit in der Welt gibt; und es ist unmöglich, sich die Heraufkunft des Bewußtseins vorzustellen, ohne daß man dem Streben und den Erfahrungen des Menschen einen Sinn zugeschrieben hätte. Die Erkenntnis einer wirklichen und sinnvollen Welt ist aufs innigste mit der Entdeckung des Heiligen verbunden. Denn durch die Erfahrung des Heiligen hat der menschliche Geist den Unterschied zwischen dem erkannt, was sich als wirklich, mächtig, bedeutsam und sinnvoll enthüllt, und dessen Gegenteil - dem chaotischen und gefahrvollen Fluß der Dinge, ihrem zufälligen und sinnlosen Aufgang und Untergang” (La Nostalgie des Origines [1969], dt.: Die Sehnsucht nach dem Ursprung [1973]9). Das „Heilige” ist also ein Element der Struktur des Bewußtseins und nicht ein Stadium in der Geschichte dieses Bewußtseins. Als ein menschliches Wesen zu leben war in den ältesten Kulturen schon an sich ein religiöser Akt, denn Nahrung, Sexualität und Arbeit hatten eine sakramentale Bedeutung. Mit anderen Worten, Mensch sein oder, besser: werden heißt „religiös” sein (vgl. ebd. 10).
aus «Geschichte der religiösen Ideen - Bd.1»; S.7