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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von W.HOERNER zum
TAKT und RHYTHMUS
Eine Maschine muß exakt in allen Teilen die Wiederholung des ganz Gleichen leisten. Jeder Motor muss im Takt laufen. Nicht so im Bereich des Lebens. Der Ausgleich von polaren Spannungsfeldern geschieht hier in verbindender, vermittelnder Weise durch Erneuerung ähnlicher Vorgänge. Man spricht im Bereich des Lebens von Kreislauf, Periode, Rhythmus. Vom Rhythmus einer Maschine läßt sich nicht sprechen, wenn dieses Wort im Sinne von stetiger Erneuerung gebraucht wird, sowenig wie das Wort Takt im Sinne von Wiederkehr des gleichen im Bereich des Lebens sinnvoll verwendet werden kann. Es ist das Verdienst von LUDWIG KLAGES², den Unterschied zwischen Rhythmus und Takt herausgearbeitet zu haben. Er charakterisiert den Takt als die Reihe »mit der identisch wiederholbaren Spanne« (95, S.54). Der Takt wird von der Regel beherrscht. Deshalb geht ein Metronom regelmäßig, d.h. genau im Takt. Eine Wiege dagegen schwingt im Rhythmus. Er erneuert ähnliche Bewegungen durch polaren Ausgleich. Klages charakterisiert ihn als »polarisierte Stetigkeit«. Damit sind Polarität und Periodizität auch als Kennzeichen des Atems bestimmt. In Tag und Stunde mit ihrem jeweiligen Anfang und Ende sind Polarität und Periodizität Kennzeichen des Zeiterscheinens in allem Leben. Die Periodizität nennen wir hier stetige Erneuerung.
² L.Klages hat zur Rhythmusforschung Wesentliches beigetragen. Die Problematik seines Welt- und Menschenbildes ist nicht Gegenstand dieser Arbeit.
95 Klages, Ludwig: »Vom Wesen des Rhythmus«. Kampen auf Sylt 1934
aus «Zeit und Rhythmus»; S.23