zum IMPRESSUM
Zitatensammlung
Teil 3: Lexikalisches
Z E R V A N
Zervan (auch Zurvan, zrvan »Zeit«), iranischer Gott der Zeit; von ihm sind alle Pfade geschaffen, die zur Cinvat-Brücke (Übergang ins Jenseits) führen. In der Zervanismus genannten Religion, die von Magiern verbreitet wurde, ist er der höchste Gott, Herr des Lichts und der Finsternis; der lichte –> Ahura Mazda und der dunkle –> Ahriman sind seine Kinder. Zervan ist »der viergestaltige Gott«, der in sich Gottheit, Licht, Macht und Weisheit zusammenfaßt. Der Glaube an Zervan läßt sich bis in das 12. vorchristliche Jahrhundert zurückverfolgen, erlangt aber erst in späteren Jahrhunderten seine Bedeutung. Als Schicksalsgottheit ist er dem griechischen –> Chronos verwandt. Im Manichäismus gilt Zervan als höchster Gott, als »Vater der Größe« und als Gott mit vier Gesichtern (tetraprosopos), d.h. als Herr über die vier Elemente.
J.Scheftelowitz, Die Zeit als Schicksalsgottheit in der indischen und iranischen Religion, 1929; H.H.Schaeder, Der iranische Zeitgott und sein Mythos (ZDMG 95/1941); R.C.Zaehner, Zurvan. A Zoroastrian Dilemma, Oxford 1955; M.Molé, Le problème zurvanite (Journal Asiatique 247/1959); G.Widengren, Die Religionen Irans, 1965.
aus «Lexikon der Götter und Dämonen»; S.458