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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Emil BOCK zu
MOSES' TOD
Moses hat das Volk angeleitet zu dem alljährlichen Opfer des Lammes. Das Isaak-Opfer der Widderkraft, die in der zweiblättrigen Lotosblume als letzte Hellseh-Gabe auf der Menschenstirn leuchtete, muß stets erneuert werden. Aber Moses ist selbst mit seinen zeushaft majestätischen Hörnern des Lichtes der letzte große Menschen-Widder. Das Opfer des Widders wird schließlich an ihm selbst vollzogen. Der Tod des Moses [Dt.34] in den urweltlichen Bergwüsten des Nebo ist die große Besiegelung des Passah-Festes, des Auszuges aus Ägypten.
Der Moses-Tod ist ein erhaben schweigsamer Mythos. Westwärts blickend über die Jordanaue hinweg in das Land der Verheißung, aber im Blick sich weithin verlierend in das große Abendland der Menschheit, das von nun an Schauplatz der Geschichte sein wird, steht der hundertzwanzigjährige Moses einsam auf ödem, steinigem Bergesgipfel. Und dort, fern jeder lebenden Seele, haucht er sein Leben aus. In der Gestalt der alten Berggiganten nehmen ihn, den Alten vom Berge, die Urbeginne in sich auf, von denen er geschrieben hat, daß in ihrem Bereich die Elohim die Welt erschufen.
In Ägypten baute man den Großen des Volkes aus ihren eigenen Erdenleibern in den Mumiensärgen ewige Denkmäler. Jeder konnte leiblich oder in Gedanken die Gräber aufsuchen, die ihre unverwesten Leiber in sich bargen. Von dem Leichnam und Grab des Moses hätte sich, wäre er ein Pharaonensohn geblieben, anschließend an seinen prächtigen Mumiensarg genaue Kunde durch die Zeiten fortgepflanzt. Nun umwebt den Nebo, den unbekannten Berg mit dem unbekannten Moses-Grab, das keines Menschen Hand gegraben hat, ein Geheimnis, das die genaue Umkehrung der ägyptischen Mumienstimmung ausstrahlt. Das Nirgendwo-Grab des Moses ist der Schlüssel zum Überall seines Geistes. War es nur ein Mensch, der da die Erde verließ, oder war es eine Naturgewalt, die in den Ur-Schoß der Natur zurückversank?
aus «Moses und sein Zeitalter»; S.136f