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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Emil BOCK zur
«SCHATZHÖHLE» des EPHRAIM SYRUS
Um das Geheimnis dieser Mysterienstätte des Melchisedek [מלכי־צדק] und ihres Ortes kreist in allen ihren Teilen die urchristliche Schrift des Ephraim Syrus »Die Schatzhöhle«, die auch als das christliche Adam-Buch bezeichnet wird.⁸⁷ Sie webt einen Kranz seelenvoller Imaginationen, die doch an manchen Stellen die historische Wirklichkeit durchschimmern lassen, um dieses Geheimnis. So deutet sie auch da, wo sie der Bibel die Begegnung zwischen Melchisedek und Abraham [אברהם] nacherzählt, durch eine leise Nuancierung den dahinterstehenden Mysterienvorgang an: »Nachdem Melchisedek den Abraham gesegnet hatte, gab ihm Abraham den Zehnten von allem, was er hatte, damit er ihn an den heiligen Mysterien teilnehmen lasse, am Brot des Opfers und am Wein der Erlösung. Nachdem ihn Melchisedek gesegnet und ihn der heiligen Mysterien teilhaftig gemacht hatte, redete Gott mit Abraham...« (Kap. 28).
Mit einem wahren Märchenblick steht die »Schatzhöhle« der Menschheitsvergangenheit gegenüber und wendet ihre Liebe besonders einigen Lichtzentren zu, von denen sie eine goldwarme Aura ausstrahlen sieht. Es sind Sonnenmysterien, die sich ihr aus dem ganzen Erdendasein ähnlich herausheben wie vereinzelte helle Lichter aus der Landschaft, die man nachts von einem Berge aus überblickt. [...] Das hellste und wunderbarste Licht [אור] geht von dem Orte des Paradieses [גן־בעדן] aus und von dem Orte der Erschaffung Adams [אדם] an der Pforte des Paradieses.
Aber dieses Licht erlischt, und die Menschen müssen sich eine neue Heimat suchen. Sie finden sie in einer Höhle [מערה], aber auch die Höhle, die den Garten ablöst, leuchtet warm und hell, wenn auch nicht so weltengroß. Nach dieser Höhle nennt sich die ganze Schrift: »Nachdem Adam und Eva [חוה] das Paradies verlassen hatten, wurde das Paradiesestor verschlossen und davor stand ein Cherub [כרוב:] mit einem zweischneidigen Schwert. Adam und Eva stiegen über den Paradiesesberg herab. Da fanden sie auf einem Bergesgipfel [קרן] eine Höhle; sie gingen hinein und verbargen sich darin. Adam und Eva waren jungfräulich. Als Adam wünschte, Eva zu erkennen, nahm er von des Paradieses Grenzen Gold [זהב], Myrrhen [מור] und Weihrauch [לבונה], legte es in die Höhle und segnete und weihte sie ein, daß sie sein und seiner Söhne Bethaus sei, und nannte sie die Schatzhöhle« (Kap. 5). Diese Schatzhöhle, der kleinere Ersatz des Paradieses, ist nun nach den Schilderungen des Buches das Zentrum alles dessen, was die Menschheit bis zum Hereinbrechen der großen Flut [מבול] durchmacht. Sie ist das Heiligtum [מקדש] der Menschen zwischen Adam und Noah [נח]; in ihr werden alle Väter beigesetzt. Es könnte schon sein, daß hinter dem Bilde von der Schatzhöhle das hohe Sonnenorakel der alten Atlantis steht, wo unter der Führung des großen Manu die Substanz des Paradieses, des großen heiligen Sonnen-Zentrums im alten Lemuris, weitergepflegt wurde.
Was wird aus der Schatzhöhle, als die große Flut herannaht? Noah empfängt von seinem Vater den Auftrag zum Bau der Arche [תבה], aber eine besondere Weisung wird damit verknüpft: »Steig von diesem heiligen Berge [הר] herab und nimm mit dir den Leichnam unseres Vaters Adam und diese drei Opfergaben Gold, Myrrhen und Weihrauch. Dann lege Adams Leichnam mitten in die Arche und oben darauf die Opfer... Befiehl sodann deinem Erstgeborenenen* Sem [שם], er solle nach deinem Tode den Leichnam unseres Vaters Adam mit sich nehmen und ihn an die Mitte der Erde tragen. Dort lasse er einen von seinen Nachkommen wohnen, daß er dort diene... Er soll dort ... Brot und Wein Gott opfern ... und einsam bleiben, weil er ein Diener des höchsten Gottes [אל עליון] ist« (Kap. 6). »Dann nahm Noah den Leichnam unseres Vaters Adam und den der Eva. Sein Erstgeborenener Sem trug das Gold, Ham die Myrrhen und Japhet den Weihrauch. So verließen sie die Schatzhöhle. Als sie vom heiligen Berge herabstiegen, brachen sie in schluchzendes Weinen aus, daß sie des heiligen Ortes und der Wohnung ihrer Väter beraubt wurden« (Kap. 7). Wie eine neue Austreibung aus dem Paradies ist der Verlust der Schatzhöhle. Wo wird, was in ihr lebte, weiterleuchten können?
* In den alten jüdischen Überlieferungen heißt es immer, daß Japhet und Ham älter waren als Sem [vgl. Gen.9,18-27].
Als die Sintflut vorüber ist, tut Noah seinem Sohne Sem den letzten Willen kund: »Wenn ich gestorben bin, dann gehe in die Arche und hole den Leichnam unseres Vaters Adam heraus; aber keiner darf dich bemerken. Dann nimm von hier Brot und Wein als Reisezehrung mit. Und nimm mit dir Melchisedek, den Sohn des Malach [מלך], denn ihn erwählte Gott aus all deinen Nachkommen, daß er über dem Leichnam unseres Vaters Adam vor ihm diene. Hierauf ziehe hin und setze ihn am Mittelpunkt der Erde nieder und laß Melchisedek dort Wohnung nehmen... Und Sem nahm den Leichnam Adams samt Melchisedek und verließ bei Nacht sein Volk. Da erschien ihnen der Engel des Herrn [מלאך אדני] und ging vor ihnen her. Ihr Weg war sehr leicht, weil sie der Engel des Herrn stärkte... Als sie nun nach Golgatha [גלגלתה], an den Mittelpunkt der Erde kamen, zeigte der Engel diesen Ort dem Sem..., und die Erde öffnete sich in Gestalt eines Kreuzes. Da legten Sem und Melchisedek den Leichnam Adams hinein... Und Sem sprach zu Melchisedek: Du bist der Diener des allerhöchsten Gottes. Bleibe für immer hier... Vergieße kein Blut an diesem Ort und opfere kein Tier, sondern stets nur Brot und Wein!« (Kap. 22 und 23).
So schildert die »Schatzhöhle« des von nun ab verschwiegenen und verborgenen Heiligtums der Menschheit an die Stätte des Urbeginns, wo einst der Mensch in seiner leuchtenden Gottesebenbildlichkeit erschaffen wurde [Gen.1,26-29] und wo des Paradieses Pforte war.
Während der atlantischen Flutkatastrophe führt der große Manu die Keimschar der Menschheitszukunft in das Innere Asiens [die Wüste Gobi] und sendet sie als Kolonien südwärts [Indusebene] und westwärts [Nordpersien] aus. Aber wir müssen uns wohl denken, daß damit eine stille Abzweigung des atlantischen Sonnenorakels parallel läuft, in welcher sich das Melchisedek-Wirken Noahs abspielt und die ihren Sitz findet in einer uralten Mysterienstätte an der Stelle des späteren Jerusalem [ירושלים]. Aus diesem Heiligtum des Friedens [שלום], das die alten jüdischen Erzähler »das Lehrhaus des Sem« nennen, tritt Melchisedek dem Abraham entgegen.
S.127ff
87 Zitiert nach Rießler: »Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel« [Augsburg 1928].
aus «Urgeschichte»