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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Gerschom SCHOLEM zum
ERSTEN VERS der TORA
[...] Der Sohar und mit ihm fast alle alten Kabbalisten fragen: was heißt eigentlich der erste Vers der Tora: Bereschith bara 'Elohim [בראשית ברא אלהים], «am Anfang schuf Gott», und sie antworten mit einer ziemlich überraschenden Deutung. Sie erklären diesen Vers, als ob er bedeutete: Bereschith, durch das Medium des Anfangs, das heißt jener Wesenheit, die wir als Gottes Sophia kennengelernt haben, bara, schuf, das heißt emanierte oder entfaltete sich, jenes verborgene Nichts, das als grammatisches Subjekt im Worte bara steckt, und zwar entfaltete es sich zu Elohim. Dies Wort ist das Objekt und nicht das Subjekt des Satzes! Was aber ist Elohim? Elohim ist der Name Gottes, der den Bestand der Schöpfung insofern verbirgt, als sich in ihm immer wieder von neuem das verborgene Subjekt des Mi [מי] und das verborgene Objekt des Eleh [אלה ~ dieses] zur Einheit durchdringen. Die hebräischen Worte Mi und Eleh haben die gleichen Konsonanten wie das ganze Wort Elohim. Elohim ist also der Name, mit dem Gott genannt wird, nachdem Objekt und Subjekt sich gespalten haben, in dem aber der Abgrund dieser Spaltung immer wieder geschlossen oder überbrückt wird. Das mystische Nichts, das vor der Spaltung der Uridee in das Denkende und das Gedachte liegt, ist für den Kabbalisten kein wirkliches Subjekt. Bei den unteren Stufen der göttlichen Manifestationen vermag die Kontemplation des Menschen in stetiger Weise zu verharren. Die höchste Stufe aber, zu der Meditation überhaupt vorzustoßen vermag, jene der Einsicht in Gott als mystisches Mi (Wer), als Subjekt des Weltprozesses, kann nicht mehr als ein momentaner intuitiver Lichtstrahl sein, der im Herzen des Menschen aufleuchtet, «wie das Spiel der Sonnenstrahlen auf einem Wasserspiegel» -, wie Moses de Leon es in einem öfters wiederholten Bilde ausdrückt⁵⁶.
56. Im Kapitel 14 der «Großen Hechaloth». In der nur wenig späteren barajtha de ma'asse bereschith finden wir einige Versuche, den Zusammenhang der sieben Himmel und der sieben Erden etwas näher zu beschreiben.
aus «Die jüdische Mystik»; S.241