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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Sigwart zu
KLANGWELT und FARBEN
Es gibt flammenartige Gebilde in der Gedankenwelt der Musik, die in mannigfaltiger Weise ihr selbsttätiges Leben auswirken. So zum Beispiel gibt es Tonwerke, die wenig Seele haben, solche die mehr als Bild gedacht sind oder als eine kunstvolle Komposition, auch als das, was hier im übertragenen Begriff als Technik gelten könnte. Diese verbinden sich gerne mit Farben und Lichteffekten und rufen dadurch eine unerhörte Wirkung hervor. Es fließen die Abschattierungen der Farben wie das Nacheinander-Gleiten der Töne auf- und ineinander. Auch die verschiedenen Harmonien werden auf diese Weise durch Licht und Farben in immer neu wechselnden Bildern dargestellt. - Es ist einfach herrlich, solchen Farbenspielen zuzusehen, wie sie gleitend und spielend ineinanderfließen und wieder auseinander steigen in Klarheit und oft auch gedämpft.
Wenn man diese Art der Tonverbindung mit Farben studiert, kann man so weit kommen, das Werk wie in Worten geschrieben abzulesen. Das ist aber ein spezielles Studium, mit dem ich mich nicht sehr eingehend befaßt habe.
Vor längerer Zeit schrieb ich einmal von den rätselhaften Klängen, die mein ganzes Interesse und meine Wißbegierde für sich gewonnen hatten. - Ich wollte damals nachforschen, woher die Klänge und die ganz unbegreiflichen Tonschwingungen kamen, und bin lange Zeit nicht dahinter gekommen. Nun erst vor nicht allzu langer Zeit ist es mir geglückt, einen Einblick in diese Werkstatt zu bekommen! Es ist die herrlichste Tonbildung, die ich je vernahm, und diese stammt aus einer heiligen Vereinigung, von der ich damals schon sprach. Es sind besonders geschulte Wesen, die dafür erwählt wurden. Oft kommen sie aus ganz hohen Sphären, um auch die astrale Welt durch diese Klänge zu veredeln und zu beglücken. - Die Heimat dieser Tonwelt ist jedoch in dem allerhöchsten Devachan oder einer noch höheren Welt zu suchen, und daher klang es damals für mich ganz überirdisch und unfaßlich.
In diesen Sphären ist auch die Bildung des Klanges an und für sich eine ganz andere, da sie sich den Gesetzen ihrer eigenen Entstehungswelt anpaßt, und damit ist sie für uns, bis wir diese Welt selber erfassen können, an und für sich schon unbegreiflich.
aus «Brücke über den Strom»; S.290