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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Joachim SCHULTZ zu
MATHEMATIK und ASTRONOMIE
Auch historisch ist die Entwicklung der Mathematik aufs engste mit der Geschichte der Astronomie verknüpft. Dabei ist einerseits der entscheidende Anteil, den die mathematischen Methoden an der Ausbildung und Förderung, ja am Zustandekommen der Astronomie als Wissenschaft überhaupt seit der frühgriechischen Zeit hatte, zu berücksichtigen; ohne die mathematische Gedankenbasis wäre die moderne Astronomie undenkbar. Andererseits wurde die Mathematik ihrerseits von der Astronomie angeregt, gefördert und entwickelt. Ganze Gebiete des mathematischen Denkens verdanken der Astronomie ihre Ausbildung. Am Quell des Kosmos gezeugt und genährt, hat die Mathematik als Dienerin der Astronomie zur quantitativen Beschreibung und Erfassung der astronomischen Erscheinungswelt, sowie zur begrifflichen Zusammenfassung Entscheidendes beigetragen.
Aber die Mathematik hat dem Kosmos als Realität, als Ganzheit gegenüber nur eine begriffliche Darstellung der Erscheinungsseite ermöglicht. Und das nicht vollständig, da die kosmischen Abläufe nur begrenzt der abschließenden Berechnung [computing] zugänglich sind und diese, [...], an wesentlichen Punkten der kosmischen Wirklichkeit gegenüber sich als unzulänglich, als nur annähernd erweist.
Darin kommt die wichtige Tatsache zum Ausdruck, daß die Wirklichkeit des Kosmos keine Weltenmaschine ist, die voll berechenbar mit Geometrie und Mathematik bis ins Letzte erfaßt werden kann. Sie erweist sich vielmehr als ein kosmischer Organismus mit Eigenentwicklung und lebendig sich wandelnder Rhythmik. Dieser ist in einer Evolution begriffen, die nur in der Gegenwartsphase ihrer Entwicklung weitgehend in die Sphäre des Berechenbaren untergetaucht ist.
Die Mathematik hat daher höchste Bedeutung für das stufenweise Erringen von zusammenfassenden Vorstellungen der astronomischen Einzelerscheinungen in gesetzmäßig erfaßbare Systembilder und für das begriffliche Erfassen der Raum-Verhältnisse, der quantitativen Beziehungen. Aber es darf nicht vergessen werden, daß damit nur eine, die äußere Seite, erfaßt wird. Eine Qualitäten- und Wesenslehre ist mit diesen Mitteln nicht möglich.
aus «Rhythmen der Sterne»; S.11