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Zitatensammlung
Teil 3: Lexikon
Lugnasa(d)
Lugnasa(d), am 1.August, ist das Fest des Lichtgottes Lug, eines der vier grossen Jahreszeitenfeste der Inselkelten und für viele das wichtigste. Nach dem «Lebor Gabála Érenn» hatte Lug selbst es eingerichtet zum Gedenken an Tailtiu, seine Amme und Ziehmutter, und zwar neben dem nach ihr benannten Grabhügel im heutigen Telltown in der Krümmung des Blackwaters.* Dieses Fest vor der Ernte war eine Beschwörung der Muttergöttin (vgl. Danu), um das Getreide in dieser gewittrigen Zeit zu bewahren. Die Menschen hofften inbrünstig, die Göttin möge sie nicht vergessen, denn ein Ernteausfall brachte unweigerlich Hungersnot mit sich.
Eine geringer verbreitete Überlieferung spricht von Lugnasa als „Hochzeit des Lug”. Diese hängt mit der Heiligen Hochzeit zwischen Himmel und Erde zusammen. Columcilles liess es als ausgelassene Lustbarkeit der Pflüger weiterbestehen: Die, welche den Boden für die nächste Saat bereiteten, sollten vor Ablauf des alten Fruchtbarkeitszyklus' tüchtig feiern, damit der Kreislauf ohne Unterbrechung weiterlief. Lugnasa war und ist übrigens eine gute Gelegenheit, Heiraten zu arrangieren, da doch die danach gezeugten Kinder in den nächstjährigen Sommer geboren würden. Im bäuerlichen Irland werden noch heutzutage die Ehen gerne im Frühherbst geschlossen.
Wie stark der bäuerliche Jahreszyklus das Fest von Telltown bestimmte, kommt auch darin zum Ausdruck, dass Teltown-Ehen nach Ablauf von zwölf Monaten bei wechselseitigen Einverständnis des Paares in allen Ehren wieder gelöst werden konnten: Mann und Frau brauchten sich nur Rücken an Rücken in der Mitte des Ringwalles aufzustellen, um zu den entgegengesetzten Ausgängen hinauszumarschieren.
Zum Fest gehörten seit altersher auch Bergbesteigungen in den frühen Morgenstunden, um die aufgehende Sonne vom Gipfel zu begrüssen. Ursprünglich sollte die Sonne wohl gnädig gestimmt werden, um ihre verderblichen Einflüsse hintanzuhalten.
nach «Lexikon der keltischen Mythologie»
*) Mehr als ein verfallener Ringwall ist heute nicht mehr erhalten. Noch 1770 fand hier eine der grossen keltischen Versammlungen im Verlauf eines mehrtägigen Festes statt.