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Zitatensammlung
Teil 3: Lexikon
Beltene
Beltene (Beltaine, Beltine), am 1.Mai, ist eines der beiden wichtigsten Jahreszeitenfeste, die das Jahr der Inselkelten in zwei gleichgrosse Hälften teilten. Das Wort setzt sich aus bel (~ hell, glänzend, wie in Belisama) und tine (~ Feuer) zusammen. Nach dem Winter leitete es die Sommerzeit ein. Seit altersher trieben die Druiden zu diesem Fest das Vieh zwischen zwei Feuern durch, um es gegen Krankheiten und sonstige Übel für das kommende Jahr zu feien. Der Brauch hat sich unter den irischen Bauern bis in die Neuzeit hinein erhalten.
Die Nacht vor Beltene gehörte den Bewohnern der „Anderswelt”, den Feen und Hexen. Hügelfeuer und Ebereschenzweige sollten Mensch und Vieh vor ihnen schützen. Das «Mabinogion» schildert einige der Unheimlichkeiten, die in jener Nacht geschehen konnten: Rhiannons Neugeborener verschwindet, und von Teyrnon Twrvliants Fohlen, die jedes Jahr an Beltene zur Welt kommen, fehlt am Morgen jede Spur. Hätte Teyrnon sich nicht aufgerafft, bei der Stute zu wachen, hätte er die Riesenklaue, die durchs Fenster nach dem Frischgeborenen griff, nicht gesehen. So aber schlug er den dazugehörigen Arm ab und stürzte aufs Schmerzgebrüll zur Tür hinaus, wo er Rhiannons Kind Pryderi vorfand, welches das Ungeheuer grad geraubt hatte.
Diese Nacht mit ihrem darauffolgenden Tag, also eine Mischung aus Bedrohlichem und Förderlichem, bildet die Grenze zwischen den beiden Jahreshälften. In manchen Gegenden Irlands war es langezeit Brauch, an diesem Tag die Zäune zu flicken.
Mythologisch war dieses Fest des Wiederbeginnens vorgegeben durch die Ankunft Pártholons in Hybernia, dann der Tuatha Dé Danann und schliesslich Bíles mit seinen Milesiern. Dieser Neubeginn machte sich auch im Sozialen bemerkbar, von der Grossversammlung von Uisnech, während der etwa Streit geschlichtet wurde, über Dienst- und Heiratsverträge bis zum gesetzlich festgelegten Scheidungstermin.
nach «Lexikon der keltischen Mythologie»