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Zitatensammlung
Teil 3: Lexikon
Ischtar
Ischtar (ursprüngl. Eschtar) ist die babylonische, aus dem Akkadischen stammende Göttin der Liebe und des Geschlechtslebens. Gleich der Inanna, schildert ihr Mythos ihren Gang zur Unterwelt, wo ihre Schwester Ereschkigal herrschte. Der Weg ins „Land ohne Wiederkehr”, um ihren Geliebten Tammuz (sumer. Dumuzi) zu retten, führte sie durch sieben Tore, bei denen sie nach und nach alle Kleidung und allen Schmuck, also alle Macht verlor. Und mit ihrem Verschwinden hörte alles Zeugen auf Erden auf. Neben dem erotischen Aspekt zeigt sich bei ihr noch ein kriegerischer und ein astraler als Göttin der Venus mit Samasch als Bruder. In der Folgezeit bedeutete Ischtar „Göttin” schlechthin (ištarata sind die Göttinnen). Der Kult der Ischtar gelangte auch nach Syrien.
Es gibt einen Hymnus, der die „bärtige Ischtar” preist. Dabei bleibt unklar, ob es sich um eine Gottheit schwankenden Geschlechts handelt oder um eine hermaphroditischen Charakters.
Ihr ATTRIBUT ist die verdoppelte Taube und der achtstrahlige Stern.
nach «Lexikon der Götter und Dämonen»
und «Geschichte der religiösen Ideen Bd.1»; S.69ff
Ishtar Als im Alten Orient der Prozeß der Assimilierung oder Gleichsetzung ähnlicher Gottheiten stattfand, erhob sich die akkadisch-babylonische Göttin Ishtar aus der Menge minder bedeutender Göttinnen (z.B. → Anatu, → Anunit, → Irnini, → Ishara) und wurde zu einer facettenreichen Verkörperung der vielfältigen Möglichkeiten der Weiblichkeit: Sie war die Mutter, die ihre schweren Brüste hielt, die Symbole ihrer Liebe und Fürsorglichkeit; sie war die jungfräuliche Kriegerin Hanata, die mit jedem kämpfte, der ihre Kraft und ihren Einfluß zu mindern versuchte. Sie war die Lüsterne, unentwegt darum bemüht, einen neuen Liebhaber zu finden - ganz gleich ob göttlich, menschlich oder tierisch. Sie war Richterin und Ratgeberin, als Mondgöttin die «Licht Gebende» und voller Weisheit hoch über den Dingen Stehende, der die alten Frauen in den Höfen und Häusern ihres Landes nacheiferten.
Die babylonische Ishtar ist eine spätere, vielschichtigere Ausprägung der sumerischen → Inanna, und ihre Mythen ähneln einander in vieler Hinsicht. Beide liebten einen Vegetationsgott, der fortwährend starb und ebenso fortwährend wiedergeboren wurde. Beide waren sowohl für den Tod als auch für die Wiedergeburt ihrer Favoriten verantwortlich. Wie Inanna stieg auch Ishtar in die Unterwelt, und zwar auf der Suche nach dem geliebten Tammuz (die Entsprechung von Inannas Dumuzi), dessen Tod sie verursacht hatte. Am Tor des Todes angekommen, forderte Ishtar in ihrer Rolle als Vegetationsgöttin Gumshea energisch Einlaß und drohte damit, es aufzubrechen und die Toten an die Oberfläche der Erde entkommen zu lassen, wenn man ihr nicht freiwillig öffne.
Doch selbst ein göttlicher Besucher der Höllenkönigin → Ereshkigal mußte nackt sein, so daß Ishtar gezwungen war, ihren Schmuck und ihre Kleidung abzulegen, als sie herabstieg. So wurde auch Ishtar auf ihrem Weg in die Unterwelt nach und nach von allem entblößt: Am ersten Tor wurde ihr die Krone abgenommen, dann ihre Halskette, ihr Diadem, ihr Gürtel, ihr übriger Schmuck und schließlich, am siebten Tor, ihre gesamte Kleidung. All dies waren Geschenke von Tammuz gewesen, mit denen er um sie geworben hatte, und Ishtar trennte sich nur sehr widerwillig davon. Aber um ihren Herzenswunsch erfüllt zu bekommen - die Auferstehung des geliebten Vegetationsgottes, um den angeblich alle Frauen der Erde weinten -, ließ Ishtar es zu, daß sie entkleidet wurde, bis sie nackt vor Ereshkigal stand und darum bitten konnte, Tammuz zurückzuerhalten. Nachdem ihr dies gewährt worden war, stieg Ishtar langsam wieder durch die Tore der Finsternis hinauf zur Erde und bekam dabei ihre Sachen wieder zurück, so wie der Mond sein helles Licht zurückerhält, bis er wieder am Himmel voll leuchtet als Sharrat Shame («Königin des Himmels»).
Ishtar regierte am Himmel jedoch nicht nur den Mond, sondern ihr gehörten auch der Morgen- und der Abendstern, die für die Völker an Tigris und Euphrat das Symbol der abwechselnd kriegerischen und lustvollen Kräfte des Weiblichen waren. Als Morgenstern (→ Dilba) legte die Göttin ihre Waffen an und spannte ihren Wagen hinter sieben Löwen, bevor sie in der Morgendämmerung aufbrach, um Tiere oder Menschen zu jagen. Als Abendstern (Zib) dienten ihr zu allen möglichen Liebesdiensten bereite Tempelfrauen, die die «frohäugige Ishtar des Verlangens, die Göttin des Seufzens» anbeteten als jene «die das Männliche dem Weiblichen sich zuwenden läßt und das Weibliche dem Männlichen» und deren Lied «süßer ist als Honig und Wein, süßer als Sprossen und Kräuter, ja, selbst reiner Sahne überlegen».
Manchmal wurden diese beiden Energien vereint zu einer Figur von bedrohlicher Sexualität. So wies der berühmte Held Gilgamesch die Göttin ab und behauptete, daß ihre Liebhaber dem Verderben geweiht seien - «Denn alle, die leben und lieben, müssen sterben» - und verfiel alsbald einer schrecklichen Krankheit, mit der sich sein Körper selbst bestrafte. Eabani, der Gefährte des Helden, wies in ähnlicher Weise die Ehre zurück, die er der Göttin schuldete, und starb ebenfalls auf elende Weise, wobei sein Todeskampf zwölf Tage dauerte. Denn Ishtar war das Leben selbst, das immer zum Tode führt, aber auch - so argumentierten ihre Anhänger - zu einer neuen Geburt. Und wer die Sexualität leugnet, verleugnet das Leben; wer den Tod leugnet, verleugnet das Leben, und für so jemanden wird weder das Leben voll Freude noch der Tod leicht sein.
Siehe auch → Astarte, → Esther, → Frigg, → Isis, → Kybele, → Nana und → Sarbanda.
aus «Lexikon der Göttinnen»; S.140f