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Zitatensammlung
Teil 3: Lexikon
Chronos
Chrónos (ο χρόνος) personifiziert bei den Altgriechen die Zeit und fällt in der Spätantike oft mit der Gestalt des Aión zusammen. Die Orphiker sehen in ihm das Urwesen, aus dem das Weltei entsteht; dieses wird im Äther oder im leeren Raum hin- und herbewegt, bis der erstgeborene Gott Φάνης (Phánes) aus ihm hervorgeht.
ABGEBILDET ist er als bärtiger Greis mit Sichel und Stundenglas (bis in den Barock).
nach «Lexikon der Götter und Dämonen»
Man hat die ältere Erzählung der Anhänger des Sängers Orpheus vom Anfang der Dinge schon gehört. Ganz am Anfang stand dort die Göttin Nacht, in der Gestalt eines schwarzen Vogels. Doch sie stand da nicht ganz allein. Es gab auch jenen Wind, durch den die Nacht befruchtet wurde und das Ei legte, das wiederum ein bewegliches, geflügeltes Wesen in sich barg: Eros oder - mit dem später gebräuchlichen Namen - Phanes. In der neueren Erzählung³³² setzten die Orphiker an den Anfang den Chronos, die «Zeit», die keine griechische Gottheit war. Mit unserem Kronos darf man den alternden Chronos nicht verwechseln, der aus sich den windstillen Aither und das Chaos hervorbrachte, den hohlen Raum ohne festen Grund und voller Dunkelheit. Dem Aither, der sonst das Himmelslicht oder den hellen Tageshimmel bedeutet, erschuf Chronos ein silbernes Ei, das um sich selbst kreiste. Aber Aither und Chaos trennten sich erst dadurch, daß der Sohn des Aither, Phanes, mit anderem Namen der Protogonos Phaeton, der «erstgeborene Leuchtende», erschien. Sein blendend weißes Gewand war das silberne Ei. Vier Augen hatte er, vier Hörner und goldene Flügel, er brüllte wie ein Stier und ein Löwe, war zweigeschlechtig, vorne Frau und hinten Mann, hieß auch Erikepaios, Eros und Metis: Phanes als der «Erscheinende» und «Zeigende», Eros als die «Liebe», und Metis als der «kluge Rat», eine Gottheit, dem Namen nach weiblichen Geschlechtes, von der aber gesagt wurde, sie trüge den Samen der Götter. Für den fremd tönenden Namen Erikepaios ist keine Übersetzung bekannt.
³³² [O.KERN:] Or[phicorum fragmenta]. 60
aus KERÉNYI, K.: «Die Mythologie der Griechen»; S.113f