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Gedichtsammlung
Die beiden Wolken
Eine Wolke seh' ich wandern,
Eine Wolke seh' ich ziehn,
Hoch und ferne von den andern,
Hoch und heiter schwebt sie hin.
Abendsonnenglanz umzittert
Ihre Ränder rein und hold,
Bis, vom Himmelshauch umwittert,
Sie zerrinnt in Äthergold.
Eine andre seh' ich schweben
Tief und schwer am Bergeshang:
Ach, es lockt des Tales Leben
Sie mit allzu holdem Zwang!
Ärmste, nicht an Sonnenküssen,
Ahn' ich, wirst du zart verwehn:
Wohl in bittern Tränengüssen
Wirst du strömend niedergehn!
Robert Hamerling
aus „Sinnen und Minnen”
in «Sämtliche Werke - Band 4»; S.19