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Gedichtsammlung
Unten Wurzeln, oben Sterne
Unten Wurzeln, oben Sterne,
furchtsam steh ich in der Mitte,
denn bei jedem meiner Schritte
trete ich auf Apfelkerne.
Keiner stammt vom eignen Baume,
muß nur immer Findling schälen,
wenn mich Durst und Hunger quälen,
und der Mond gleicht einer Pflaume.
Doch ich kann ihn nicht erreichen,
auf den Spitzen meiner Zehen
seh ich ihn vorübergehen,
oben, wo die Sterne weichen.
Zwischen dort und dieser Erde
liegt vielleicht das Fegefeuer,
und ich hoffe, daß ich heuer
diese Ruhstatt finden werde.
Christine Lavant
aus «Die Bettlerschale»; S.123