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Neudenken:
Die Idee Raum
«[Werfen wir nun noch ganz bestimmt die Frage auf: Was ist nach den vorausgegangenen Untersuchungen der Raum? Nichts anderes als eine in den Dingen liegende Notwendigkeit, ihre Besonderheit in ganz äußerlicher Weise, ohne auf ihre Wesenheit einzugehen, zu überwinden und sie in eine Einheit, schon als solche äußerliche, zu vereinigen. Der Raum ist also eine Art, die Welt als eine Einheit zu erfassen.] Der Raum ist eine Idee. Nicht wie Kant [a] glaubte, eine Anschauung».[b] Rudolf Steiner weist auch darauf hin, daß ohne eine mit der Goetheschen ganz zusammenfallenden Anschauung vom Raum ein völliges Verständnis sowohl seiner wie auch der physikalischen Arbeiten Goethes unmöglich ist.
Es ergeben sich hieraus weitreichende Konsequenzen. In der Einleitung wurde die erkenntnistheoretische Einsicht dargelegt, daß die Wirklichkeit durch Wahrnehmung und Begriff konstituiert wird.[c] Wenn der Raum eine Idee ist, stellt sich die Frage: was und wo ist die zugehörige Wahrnehmung? Die Antwort lautet: die Dimension. Wir nehmen nicht Raum wahr, sondern Dimensionen, Abstände, Entfernungen zwischen unten und oben, rechts - links, vorn - hinten, und was Dimensionen hat, nennen wir räumlich. Durch die Dimensionen erscheint der Raum.
Wir können nun auch nach der Entstehung des Raumes fragen. Der Physiker C. F. von Weizsäcker erklärt, daß der Raum einmal entstanden ist (Raum und Materie [d] sind zugleich entstanden, Materie = das Raumerfüllende).[e] Die Geisteswissenschaft vermag anzugeben, wann das geschehen ist: der Raum ist auf der Alten Sonne [f] entstanden. Und zwar werden Ebenen- und Punktraum zugleich auf der Alten Sonne Realität. Das Licht schafft Bedingungen zur Erscheinung des Raumes.
Eine andere ungewohnte Vorstellung ist die von der Evolution des Raumes. Eine Idee, ein Wesen kann vollständig oder unvollständig erscheinen bzw. nach und nach in der Zeit sich vollkommener entwickeln. Die steigende Vollkommenheit der Erscheinung ergibt die Idee der Evolution. Das gilt auch für die Idee Raum; auch der Raum macht eine Evolution durch, er ist nicht von Anfang an voll entfaltet da. Der voll entwickelte Raum hat drei Dimensionen.[g] Rudolf Steiner hat einmal angegeben, daß die Dimensionen nacheinander aufgetreten sind: in der Alten Sonne die erste, im alten Mondenzustand die zweite, in unserem jetzigen Erdenzustand die dritte. Das ist zunächst schwierig zu begreifen. Man muß sich also vorstellen eine ganze Welt von nur eindimensionalen Entitäten (Linienhaftigkeit),[h] eine von zwei Dimensionen (Flächenerscheinung), und erst in unserer Erdenstufe ist die Dreidimensionalität Wirklichkeit geworden.
Evolution der Dimensionalität:
Alte Sonne Alter Mond Erde
– 1 Licht – 2 Klang – 3 Lebensäther
+ 1 Luft + 2 Wasser + 3 Erdelement
Auf der Alten Sonne gab es danach nur einen eindimensionalen Raum, der durch das Luftelement eindimensional-positiv war und zugleich durch den Lichtäther eindimensional-negativ. Auf dem Alten Mond wurde der Raum durch das Hinzutreten des Wasserelementes zweidimensional-positiv und zugleich durch den Klangäther zweidimensional-negativ. Erst auf der Erde entstand durch das Erdenelement die Dreidimensionalität des positiven Raumes und durch den Lebensäther die negative Dreidimensionlität.
Ernst Marti
aus »Das Ätherische«; S.26f
Unsere Anmerkungen
a] Immanuel Kant
b] Rudolf Steiner im Aufsatz „Der Goethesche Raumbegriff” aus «Einleitungen zu Goethes Naturwissenschaftlichen Schriften» (GA 1); S.226
c] vgl. Steiner „Wissenschaft durch Wahrnehmen und Denken
d] vgl. Mbl-B.E: Anm.220
e] Carl Friedrich Frhr.v.Weizsäcker in JAMMER, M.: «Das Problem des Raumes»; Wiss.Buchgem., Darmstadt 1980 - vgl. den Steinerschen Raumbegriff mit dem Raumbegriff der Physik
f] vgl. Mbl.6
g] vgl. Mbl.5: Anm.1
h] vgl. mit der Stringtheorie