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Neudenken:
Soziale Initiative
Wir werden erst einmal den Ausdruck «soziale Initiative» genauer betrachten. Der Ausdruck beinhaltet eine merkwürdige Widersprüchlichkeit. Denn, wenn wir über Initiativen sprechen, denken wir ja nicht an willkürliches Benehmen oder an eine zufällige Tat. Man denkt dann an etwas, das aus dem Kern des Menschen, aus seinem Wesenskern [a] stammt. Man gebraucht das Wort zu oft und deshalb nützt es sich ab. Doch eine wahrhafte Initiative hat etwas Heiliges. Wir haben dabei das Gefühl, etwas, das zum eigenen Wesen gehört, wird mit dem eigenen Willen hinausgeschickt. Man fühlt sich mit Initiativen persönlich verbunden. Das ist auch der Grund, weshalb man sich persönlich angegriffen fühlt, wenn eine Initiative kritisiert wird oder zu scheitern droht.
Mit dem Adjektiv «sozial» wird ausgedrückt, daß es Handlungen betrifft, die ganz aus dem anderen Menschen stammen. «Sozial» heißt immer altruistisch, auf den anderen hin orientiert, selbstlos.
Was heißt das nun, wenn die Worte «sozial» und «Initiative» miteinander verbunden werden? Es weist hin auf etwas, das völlig aus dem Inneren des einen Menschen stammt und sich zur gleichen Zeit vollkommen auf den anderen Menschen richtet. Oft haben wir das Gefühl: Wenn ich wirklich das tue, was ich will, dann tue ich dem anderen Menschen Gewalt an. Wenn ich dagegen mein Handeln durch das bestimmen lasse, was andere wollen, muß ich mich selbst preisgeben. Wie lassen sich diese zwei Aspekte vereinigen? Wie ist es möglich, daß eine Tat wirklich Initiativcharakter hat, von meinem Ich ausgeht und trotzdem völlig auf das hin orientiert ist, was andere Menschen brauchen?
Diesen Gegensatz zu lösen hat mit der Entwicklung der Freiheit [b] zu tun. Wer sich, von innen heraus, von seinen Begierden lenken läßt, ist nicht frei. Wer seine Handlungen durch Verhaltensnormen von außen bestimmen läßt, ist ebensowenig frei. In sozialen Initiativen verbinden sich diese beiden Unfreiheiten auf einem höheren Niveau zu Freiheit. Man läßt sich völlig von innen heraus und von außen führen.
Ich denke, daß darum soziale Initiativen ständig in Gefahr sind. Denn Freiheit ist ein hohes Gut. Sie wird uns nicht gegeben, sondern muß von uns, gegen Widerstände kämpfend, entwickelt werden.
Ich möchte ein Bild an den Anfang stellen. Wenn man in Gedanken bei einer möglichen Initiative ist oder wenn man spürt, wie der Wille für eine Initiative allmählich stärker wird, kann man sich selbst wie eine Frau erleben, die ein Kind erwartet: etwas will in mir oder durch mich geboren werden. Wenn die Initiative dann wirklich beginnt, empfinden wir, daß es noch ein zartes Kind ist. Das Initiativbaby muß beschützt werden, denn von allen Seiten drohen Gefahren.
Dieses Bild in seiner kosmischen Dimension steht in der Apokalypse des Johannes. Da findet man die grandiose Imagination der Jungfrau, die ein Kind gebären soll, während der Drache bereitsteht, es zu verschlingen.[c]
Unsere Initiativkinder werden auch durch einen Drachen [d], ja sogar durch mehrere, bedrängt. [...] Es ist gut, sie zu kennen, dann kann man sie auch erkennen. Dies ist die erste Bedingung, sie bekämpfen zu können, ja, um ihre Kräfte positiv zu nutzen!
Es ist wichtig, den Kampf mit dem Drachen aus einer positiven Haltung heraus zu führen. Denn, auch wenn die Drachen Instrumente des Bösen sind, brauchen wir sie als Widerstandskräfte. Dadurch werden unsere Initiativen stark und fruchtbar.[e]
Lex Bos
aus «Zwölf Drachen»; S.11ff
Unsere Anmerkungen
a] vgl. Mbl.5
b] nicht zu verwechseln mit Beliebigkeit (vgl. Mbl.9)
c] Apk.12,1-4
d] vgl. MblB.29
e] oder es lässt uns erwachen, wenn eine Initiative auf einer Illusion oder einem Irrtum beruht