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Neudenken:
Kein Geld für Arbeit
„Geld darf in Zukunft kein Äquivalent sein für menschliche Arbeitskraft, sondern nur für tote Ware”¹°. Als „Ware” erscheint in diesem Zusammenhang allerdings auch alles, was als eigenes Arbeitserzeugnis ins übrige Wirtschaftsleben entlassen wird, also auch sämtliche „Leistungen”, z.B. auch „was ein Lehrer an seinen Schülern leistet”¹¹. „Geld und Arbeit sind keine austauschbaren Werte, sondern nur Geld und Arbeitserzeugnis. Gebe ich daher Geld für Arbeit, so tue ich etwas Falsches (...) Denn in Wirklichkeit kann ich nur Geld für ein Arbeitserzeugnis geben”¹².[a]
Hinter der Forderung, Geld solle nicht als Äquivalent für Arbeit als solche, sondern nur als Äquivalent für Ware und Leistung, also für Arbeitserzeugnisse, gezahlt werden, steckt wohl vor allem folgender Gedanke:
Arbeit an sich ist sinn- und richtungslos. Sinn und Richtung erhält sie erst dadurch, daß sie auf einen Sinn und Zweck ausgerichtet wird, und den bekommt die Arbeit vom Sinn und Zweck dessen, was sie hervorbringt: z.B. Waren, Leistungen, Arbeitserzeugnisse. Und diese Arbeitserzeugnisse bekommen ihren Sinn und Zweck von eigenen und fremden Wünschen und Bedürfnissen her. Wenn also nicht die Arbeit, sondern ihre Hervorbringungen mit Geld bezahlt werden „sollen”, dann soll mit Geld ausgedrückt werden, ob und in welchem Umfange die Sinngebung in der Arbeit gelungen ist. So werden die Arbeit und ihre Entgeltung zu sinnvollen Vorgängen zwischenmenschlichen Verhaltens, Austauschens und Mitteilens.
In der Volkswirtschaft werden Naturprodukte durch Arbeit verändert,[b] und nur dadurch, daß sie in die Zirkulation aufgenommen werden, „entsteht eigentlich erst ein volkswirtschaftlicher Wert”¹³. Da aber in der Zirkulation die Arbeiter an den Naturprodukten einerseits und andererseits die Verbraucher, für die das Produkt bestimmt ist, auseinanderfallen, muß der Mensch, für den das Produkt wertvoll werden soll, dem Arbeitenden signalisieren, inwiefern es für ihn wertvoll wird. Der eine leistet; der andere beurteilt die Leistung¹⁴.
Werte entstehen weiter, wenn „Arbeit durch den Geist modifiziert wird”¹⁵. Aber auch diese Modifizierung zählt nur, wenn sie bewirkt, was Menschen wertschätzen. Die Wertschätzung der Menschen macht die Arbeit und ihre Erzeugnisse zu Werten für die Menschen, und insofern erhalten die Leistungen ihren Wert gerade nicht nur von der abstrakten Arbeit her, sondern ebensosehr von denen, die die Leistungen nachfragen und dadurch ihre Wertschätzung bekunden.
Jeder bringt an Leistung mit, was er der Wertschätzung des anderen anbietet, „und dasjenige, was nun herauskommt im volkswirtschaftlichen Prozeß, wenn Wert und Wert gewissermaßen zusammenprallen, um sich auszutauschen, das ist der Preis.”¹⁶[c]
Dieter Suhr
10 Rudolf Steiner, Die soziale Grundforderung... (oben Fn.1 [«GA 186»]), S.49.
11 Rudolf Steiner, Die Kernpunkte der sozialen Frage... (oben Fn.2 [«GA 23»]), S.130.
12 Rudolf Steiner, Die Kernpunkte der sozialen Frage... (oben Fn.2), S.77.
13 Rudolf Steiner, Aufgaben einer neuen Wirtschaftswissenschaft - I - Nationalökonomischer Kurs - Vierzehn Vorträge, gehalten in Dornach vom 24.Juli bis 6.August 1922 für Studenten der Nationalökonomie, 6.Aufl. Gesamtausgabe Dornach 1979 (= Bd.340 der Gesamtausgabe), S.29.
14 Karl Buchleitner, Das Soziale Hauptgesetz und die Dreigliederung, in Stefan Leber (Hrsg.) oben Fn.8 [«Das Soziale Hauptgesetz»; Stuttgart 1986], S.72f.
15 Rudolf Steiner, Nationalökonomischer Kurs (oben Fn.13), S.33.
16 Rudolf Steiner, Nationalökonomischer Kurs (oben Fn.13), S.34.
aus «Alterndes Geld»; S.18ff
Unsere Anmerkungen
a] Heutzutage wird fraglos angenommen, dass der Mensch, wenn er nicht Unternehmer ist, seine Arbeitskraft für einen mehr oder weniger gerechten Lohn verkaufen müsse (vgl. R.STEINER zum Arbeitskraftverkaufen). Dieser problematisch willkürliche Ansatz schränkt die individuelle Gestaltungsfähigkeit im Wirtschaften massiv ein (vgl. MblB.12). Ob ein bedingungsloses Grundeinkommen hier Abhilfe schaffen könnte, wird lebhaft diskutiert (vgl. »TzN Feb.2005«).
b] vgl. MblB.9
c] zur Preisformel vgl. MblB.13: Preis