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Neudenken:
Essen der Erkenntnisfrucht
In betreff des Baumes der Erkenntnis,[a] von dem Adam befohlen worden war, nicht zu essen, richte deinen Sinn darauf, wie es sich damit verhält und warum Gott ihn von diesem Baum mehr als von den anderen zurückhielt. Bemerke, daß er ihn nach dem Wortlaut der Schrift nicht in bezug auf die Berührung für das Einsammeln, sondern in bezug auf das Essen allein verwarnte. Denn Adam nahm ja nicht von der Frucht und sammelte sie nicht ein, sondern das Weib gab sie ihm, wie es heißt: "Und sie gab ihrem Manne." Auch der Schriftvers läßt ihn nur sagen: "Von dem Baum, von dem ich dir befohlen habe, nicht zu essen, hast du gegessen." Auch vom Baum des Lebens sagt die Schrift: "... damit er nicht seine Hand ausstrecke und auch vom Baum des Lebens nehme und esse und ewig lebe." Hieraus ist zu ersehen, daß es das Essen ist, das die Sünde miteinbezieht. Und so ist es in der Tat. Wisse, daß das Essen der Früchte des Gartens (Eden) Speise für die Seele bildet. Daher wurde er für das Essen, das ein Vorgang im Körper und in der Seele war, bestraft. Beim Nehmen der Frucht aber, obwohl dabei eine Abtrennung im Unteren stattfindet, hat die Seele keinen Anteil am Genuß, und solches Einsammeln bezieht keine Abtrennung im Oberen mit ein. Nur am Akt des Essens der Frucht hat auch die Seele teil, die sich von ihren Früchten ernährt, und es verursacht ihr Schaden, wenn die Frucht Dinge enthält, die schädlich sind und den bösen Trieb anregen und sie in ihrem Rang und in ihrer Gesundheit vermindern und ihre Kraft im Oberen verringern. Und darin bestand die Sünde Adams. Du weißt, daß der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis unten einer, oben aber zwei Bäume sind, wobei der Baum der Erkenntnis aus der Nordseite [b], der Baum des Lebens aber aus der Ostseite, aus der das Licht in alle Welt ausgeht, herkommt. Und dort [im Norden] ist die Potenz des Satans.[c] [...] Es verhält sich nämlich so: solange der Baum des Lebens, der von der Seite des Ostens herstammt und der gute Trieb und die Eigenschaft des Friedens ist, mit dem Baum der Erkenntnis, der von der Seite des Nordens, von der Seite des Satans und des Bösen herstammt, verbunden ist, kann der Satan nichts ausrichten, denn der Baum des Lebens, welcher die Eigenschaft der Harmonie [d] ist, hat Übermacht über ihn. Sobald er aber von ihm getrennt ist, bleibt ihm seine Kraft, und er vermag zu wirken. [...] Wenn aber Adam nicht zuerst die Frucht abgetrennt hätte, hätte der Satan nicht die Macht gehabt, sich vom Baum des Lebens zu trennen. Und laß es dir nicht schwierig scheinen, daß er nicht ursprünglich am Essen der Frucht beteiligt war, denn es verhält sich so, daß diese (Trennung) in Gedanken vor sich ging,[e] welcher mehr zum Teil der Seele gehört. Dazu mußt du wissen, daß der Mensch aus allen Dingen [f] zusammengesetzt und seine Seele mit der oberen Seele verbunden ist, und deswegen heißt es in der Tora: "Ihr sollt heilig sein, weil ich heilig bin", sowie: "Wenn ihr euch heiligt, werdet ihr selbst heilig ein." [...] So heißt es auch bei den Propheten: "Eure Sünden sind es, die zwischen euch und eurem Gott eine Scheidewand errichten", und ähnliche Verse. Und der Talmud sagt: "Nicht die Schlange [g] tötet, sondern die Sünde tötet." Als daher Adam von der Frucht des Baumes der Erkenntnis aß, der von der Seite des Bösen ist, und ihn vom Baum des Lebens abtrennte, gewann der böse Trieb über ihn in seinem Essen und seiner Seele Herrschaft, denn seine Seele hatte teil an dem Essen von den Früchten des Gartens, wie oben gesagt wurde, und dadurch fand auch bei ihm Unreinheit und Tod und Entfernung der Seele von der Seele statt.
Esra ben Salomo de Gerona
aus SCHOLEM, G.: «Von der mystischen Gestalt der Gottheit»; S.58ff
Unsere Anmerkungen
a] vgl. Gen.2,9+17
b] vgl. Rabbi N.N. über das Böse
c] vgl. Mbl.16
d] vgl. Kepler zur Harmonie
e] und somit von ADaM selbst ausging
f] DeBHaRIM (wie <lógoi> (~ himmlische Potenzen)
g] NaHaSCH (vgl. MblB.29)