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Neudenken:
Natürliche Radioaktivität
Sieht man sich die Beziehung der natürlichen Radioaktivität zur Biosphäre der gesamten Erde näher an, so kommen wichtige Faktoren in den Blick.
1. Die kosmogene Höhenstrahlung im Unterscheiden [a] von der erdgebundenen Strahlung erzeugt in der hohen Atmosphäre seit eh und je zwei radioaktive Isotope von besonders eng mit dem Leben verbundenen Elementen: das 14C des Kohlenstoffs [b] und das ³H (Tritium) des Wasserstoffs [b]. 14C klingt mit einer Halbwertszeit [c] von 5730 Jahren ab, Tritium mit einer solchen von 12,3 Jahren. Die aus der Atmosphäre und den Oberflächengewässern aufgenommenen Spuren [d] des von solchen radioaktiven Isotopen durchsetzten Kohlendioxids und Wassers gehören zum Modus vivendi der Organismen, die diese kosmogen beeinflußten Substanzen während ihrer Lebenszeit aufnehmen und in denen er daher angereicherter vorkommt als im völlig stabilisierten, fossilen Kohlenstoff und Wasserstoff der nicht mehr lebendigen Natur. Welche auffällige Beziehung des atmosphärischen Stoffwechsel der Erde zum Stoffwechsel der Lebewelt!
2. Eine andere Beziehung besteht in der Verletzung der Parität, also der Gleichwertigkeit, der beliebigen Vertauschbarkeit von rechts und links. In der klassischen Physik und Chemie des Anorganischen wird die Parität immer eingehalten. Der lebende Stoffwechsel durchbricht sie fortwährend in der vorwiegenden Bildung und Verwendung eindeutig asymmetrischer Substanzen (Rechts-Traubenzucker, Links-Aminosären etc.). Auch zeigt der radioaktive Zerfall (z.B. der Beta-Zerfall) eine Verletzung der Paritätsregel.[e]
3. Eine weitere lebensanaloge Erscheinung zeigt sich in der krebserregenden Wirkung der Radioaktivität. Tumore entstehen dadurch, daß - biologisch gesehen - die begrenzte Teilungsfähigkeit von Zellen wieder in unbegrenzte Teilungsfähigkeit übergeht (Entsomatisierung). Ist das nicht wie eine Art von Revitalisierung?
4. Die Autonomie der Halbwertszeiten simuliert die jedes Lebewesen charakterisierende, von der Außenwelt unabhängig gewordene, eigene, spontane Zeitstruktur.[f]
Wolfgang Schad
in »Die Drei« Sonderheft Juli 1986; S.31f
Künstliche Radioaktivität
Wie kam es nun zu der heute verbreiteten künstlichen Radioaktivität? 1932 wurde in England gewissermaßen das Werkzeug, der Schlüssel der Kerntechnik entdeckt. Dies Werkzeug ist eine neue Strahlung, die wohl zu unterscheiden [a] ist von den Gamma-, Beta- und Alpha-Strahlen.[g] Diese kann man z.B. alle direkt messen, weil sie die Luft schwach elektrisch leitfähig machen, - was man z.B. im Geigerzähler ausnutzt. Diese Eigenschaft hat die neu entdeckte Strahlung nicht. Sie hat keine elektrischen Eigenschaften, daher nennt man sie Neutronen-Strahlung. Und erst diese Neutronen-Strahlung war in jeder Hinsicht ein Schlüssel, der Schlüssel für die Kernwaffen [h], die Kernreaktoren, für die verstärkte Ausbreitung der Radioaktivität überhaupt. Die Neutronen-Strahlung bewirkt, daß die Stoffe, die damit bestrahlt werden, ihrerseits leicht radioaktiv werden. - Die Radioaktivität wird gewissermaßen ansteckend. Vorher war sie - bis auf wenige Ausnahmen - an einen Stoff gebunden, jetzt ist sie ansteckend geworden, und man hat eine große Anzahl von Stoffen durch diese Strahlung erzeugt, die ihrerseits radioaktiv sind. Diese Stoffe nennt man Isotope oder Nuklide. [...]
[...] Die Neutronen-Strahlung stört dieses Gleichgewicht, welches in der Substanz, sagen wir im Jod, vorhanden ist.[i] Es werden dadurch Stoffe erzeugt, die sich chemisch genauso verhalten wie das Jod - sie haben die gleiche Kernladungszahl 53 -, aber sie sind entweder leichter oder schwerer als das natürliche Jod; man nennt sie Isotope des Jod. Wie antwortet die Substanz auf diese Gleichgewichtsverschiebung? - Die Stoffe werden radioaktiv!
Durch die kosmische Strahlung und die modernen Beschleuniger [k] gibt es allerdings auch andere Möglichkeiten, dieses Gleichgewicht zu verändern, aber historisch und quantitativ bedeutsam vor allem durch die Neutronen-Strahlung. [...]
Johannes Kühl
in »Die Drei« Sonderheft Juli 1986; S.7f
Unsere Anmerkungen
a] Genaues Unterscheiden (Diskriminieren) ist eine Grundfähigkeit jeglicher Wissenschaftlichkeit.
b] vgl. »TzN Jun.2007«: Anm.a+e
c] Spanne, in der sich ein mit der Zeit exponientiell abnehmender Wert halbiert hat (Die danach verbliebene Menge halbiert sich im Lauf der nächsten Halbwertszeit weiter, wonach 1/4 verbleibt, dann 1/8, dann 1/16 usw.) Beim natürlich vorkommenden Plutonium 244 beträgt diese rund 80 Mio. Jahre.
d] Der überwiegende Teil wird insbesondere von der Ozonsphäre unschädlich gemacht.
e] Die Verletzung der Paritätsregel zeigt, dass der Weltraum selber nicht gleichwertig in alle Richtungen austauschbar ist, somit keiner vollkommenen Kugel gleicht, vielmehr asymmetrische Polarisierungen zulässt wie zB. ein Vogelei.
f] welche allerdings im Gegensatz zur rhythmisch lebendigen starr getaktet ist (vgl. "Takt und Rhythmus")
g] Wie Licht-, UV- und Röntgenstrahlen (X-Strahlen) verursachen Gammastrahlen eine kontinuierliche (wellenhafte), unter bestimmten Bedingungen jedoch diskontinuierliche (teilchenhafte) Strahlung, während Beta- und Alpha-Strahlen eine reine Teilchenstrahlung ergeben.
h] vgl. »TzN Apr.2003«
i] die Balance zwischen den positiv geladenen Protonen im Kern eines Atoms (53 Stück im Iod) und den negativ geladenen Elektronen in dessen Schalen
k] Die sogenannten Teilchenbeschleuniger zwingen geladene Teilchen im Vakuum mittels elektrischer Felder zu extrem hohen Geschwindigkeiten, was ihnen eine enorme Bewegungsenergie verleiht.