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Neudenken:
Kultgold
Schon sind die Felsensprüche des Dekalogs [a] aus der Sphäre der Gewitteroffenbarung übersetzt und in Menschenworte geprägt, darunter der Satz: du sollst dir kein Bildnis machen [b], da baut das ungeduldig zurückverlangende Volk unter Aarons Führung ein goldenes [c] Bild des heiligen ägyptischen Apis-Stieres [d]. Während Moses auf dem Berge in das urbildliche [e] Anschauen des kosmisch-übersinnlichen Kultus versunken ist, den er in die Formenwelt des irdischen Priestertums zu übersetzen hat, spielt sich zu Füßen des heiligen Berges der große Rückfall in den Kultus Ägyptens ab. Die Geister der Vergangenheit mit ihrer imposanten magischen Größe gewinnen leichter Macht über die Seelen der Israeliten als die strengen Mächte, die durch die Schauer der Wüste und der innerirdischen Feuergewitter zur Ichheit führen wollen. Der Versuchung des ägyptischen Rückfalles erliegt ein großer Teil des Volkes. Sogar Aaron widersteht ihr nicht. Der vom heiligen Berge zurückkehrende Moses, als wäre er eine Menschwerdung des kosmischen Zornfeuers, das ihn oben umloderte, wirft sich mit unerbittlicher Strenge der Vergangenheits-Suggestion entgegen, stürzt das Stierbild um und tilgt mit Hilfe der Leviten, die zu Trägern des neuen Priestertums bestimmt sind, auch die letzten Spuren der ägyptischen Kultusstimmung im Leben und in den Seelen des Volkes aus.
Emil Bock
aus «Moses und sein Zeitalter»; S.125
Dennoch ist das Herzstück jeden griechischen Tempels das Kultbild, das ágalma. Dieses griechische Wort kann nicht direkt mit einem entsprechenden deutschen Wort wiedergegeben werden, denn für den Griechen schwingt ein weites Bedeutungsfeld mit. »Das ágalma hat wohl eine Oberfläche: immer eine schöne Oberfläche ... Dazu kommt aber noch eine andere Dimension des Geschehens. Die Oberfläche - ob flach oder plastisch - ist die Quelle dessen, was in der alten Sprache agállo, agállomai heißt ... Zugrunde liegt die verbal als ein Geschehen gefasste Freude, welche immer auch das Ding sei, das diese auslöst. Ob es nur ein Weihgeschenk ist oder ein Kultbild: von ihm geht eine besondere Freude aus. Darin liegt die Tiefe des ágalma.«(78) Agalma kann also nur durch Umschreibung des griechischen Begriffs wiedergegeben werden, indem die Freude mit einbezogen wird. Wenn dem Gott eine Statue aufgestellt und ein Tempel errichtet wird, so geschieht dies, damit der Gott an seinem Bilde Freude empfinde. »Doch entspricht es der griechischen Religion mehr, dass die Gottheit sich von außerhalb, vom Kosmos her, ihres Bildes erfreut.«(79) Der Gott lebt im Umkreis, im Licht des Kosmos, und sein Bild ist nur der Reflex dieses Lichtes. Die kostbarsten Gottesbilder werden deshalb auch aus Gold und Elfenbein hergestellt, aus Materialien, die mit dem Leuchten des Lichtes verwandt sind. Auch die weniger kostbaren Statuen haben in Griechenland immer eine Beziehung zum Licht: sowohl der weiß schimmernde Marmor wie auch das golden reflektierende Erz.
Frank Teichmann
78) K.Kerényi, Griechische Grundbegriffe, Zürich 1964, S.40.
79) op.cit., S.41.
aus «Der Mensch und sein Tempel - Griechenland»; S.128ff
Sind die normal verlaufenden Erdenprozesse darauf angelegt, den metallischen Zustand aufzuheben, seinen Glanz, seine Beständigkeit, Geschmeidigkeit und Festigkeit, seinen inneren Zusammenhalt durch Verrosten, Verwittern, Vererden, Verkalken zu zerstören - dem Golde gegenüber sind sie machtlos.
Wilhelm Pelikan
aus «Sieben Metalle»; S.90
Unsere Anmerkungen
a] die Zehn Gebote (vgl. Exo.20,1-17)
b] Exo.20,4
c] vgl. MblB.E: Anm.22
d] siehe dazu "Apis"
e] vgl »TzN Feb.2007«