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Nachdenken:
Jahreszählung und Jahresbeginn
Der römische Abt Dionysios der Skythe [a] führte 525 als erster die Zählung «ab Incarnatione Domini» ein. Um 600 verbreitete sich diese Berechnung über Italien hinaus. Doch erst nach 900 wurde die Datierung «nach Christi Geburt» allgemein (zum Beispiel seit 742 in Frankreich, seit 876 in Deutschland, ab 965 durch die Päpste, seit 1700 in Rußland).
Entsprechendes gilt für den Jahresbeginn. Das altrömische Bauernjahr begann im März. Erst mit der Einführung des Julianischen Kalenders durch Julius Cäsar [b] (46 v.Chr.) wurde der Jahresbeginn in Rom auf den 1. Januar vorverlegt. Obwohl der Julianische Kalender das Mittelalter hindurch maßgebend blieb,[c] bildeten sich in den einzelnen Ländern verschiedene Gebräuche aus. Der Jahresanfang wurde mit Weihnachten, mit dem 25. März oder mit Ostern verknüpft. Der 1. Januar als Neujahrstag hat sich in der Neuzeit immer mehr durchgesetzt; in Frankreich 1563 und in England 1752.
Vergleichbar der Tatsache, daß seit 1975 im öffentlichen Leben der Montag als erster Tag angesehen wird und nicht mehr der Sonntag, der Tag der Auferstehung, sind es auch bei der Festlegung des Jahresanfangs pragmatische Gründe und nicht religiös-spirituelle. In christlichem Verständnis liegt in dem Mysterium von Golgatha [d] das bestimmende Ereignis einer Zeitrechnung. Da dieser Kalender dazu dienen soll,[e] zu einer spirituellen Vertiefung der täglichen Naturanschauung zu kommen, orientiert er sich an dieser Tatsache, setzt den Wochenanfang in christlicher Tradition auf den Sonntag und beginnt entsprechend an Ostern. Für eine esoterisch begründete Jahreszählung gilt dabei ins Bewußtsein zu heben, daß weniger die Geburt Jesu, die Urweihnacht, sondern vielmehr der Gang des Christus durch den Tod an jenem April-Freitag des Jahres 33 [f] als das Ereignis, das den Wendepunkt der Zeitrechnung markiert, anzuschauen ist. Dieses Jahr ist mit dem Ereignis von Golgatha die «Geburt des Bewußtseins». So sind mit Ostern 2007 verflossen
1974 Jahre nach des ICH Geburt
durch das Mysterium von Golgatha
.
Für ein spirituelles Miterleben des Jahreslaufes hat Rudolf Steiner die Sprüche seines «Seelenkalenders»[g] geschaffen; diese beginnen ebenfalls mit Ostern.
Im jüdischen Kalender beginnt am 13. September 2007 das Jahr 5768.[h]
Im islamischen Kalender beginnt am 20. Januar 2007 das Jahr 1428.[i]
Im chinesischen Kalender beginnt am 18. Februar 2007 im 78. Zyklus das Jahr des Feuer-Schweins.
Wolfgang Held
in »Sternkalender Ostern 2007/2008«; S.6
Unsere Anmerkungen
a] Dionysius Exiguus war ein Freund Cassiodors, des einstigen Kanzlers von König Theoderich.
b] Caius Iulius Cæsar imperator
c] bis zur Kalenderreform unter Papst Gregor XIII.
d] vgl. Mbl.26
e] vgl. BÜHLER, W.: «Geistige Hintergründe der Kalenderordnung»; S.32
f] vgl. Mbl.6: Anm.†
g] in «GA 40»
h] Das Judentum verwendet eine Mischung aus Mond- und Sonnenkalender (Lunisolarjahre) mit 19jährigem (vgl. MblB.E: Anm.135) Schaltzyklus; die Jahreszählung erfolgt ab dem 7.Oktober 3761v "nach Erschaffung der Welt".
i] Der Islam richtet sich nach einem reinen Mondkalender mit Monaten von je 29 oder 30 Tagen und Gemein- oder Schaltjahren zu je 354 oder 355 Tagen; die Jahreszählung erfolgt ab dem 16.Juli 622 (Hedschra).