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Nachdenken:
A n h a n g
Wirbelbildung
Jedes scheinbar noch so einheitlich strömende Wasser ist in große innere Oberflächen aufgegliedert. Wenn sich nun hinter einem Stein oder Brückenpfeiler Wirbel [a] bilden, werden diese Oberflächenschichten natürlich auch in den Wirbel hineingenommen, in dem sie nun in Kreis- bzw. Spiralbahnen aneinander vorbeiziehen. Dieser Vorgang ist kaum zu beobachten, weil das Wasser durchsichtig klar ist, er kann aber durch Farbe sichtbar gemacht werden. Dann sieht man, wie der Wirbel im Inneren schneller dreht als weiter außen und wie Schichten drehend aneinander vorbeigleiten. Es ist ein Gebilde entstanden, das inmitten des allgemein strömenden Wassers sich heraussondert: ein in der Wassermasse eingeschlossener Eigenbereich, der aber doch mit dem Ganzen in Verbindung steht.
Der ausgesonderte Wirbel zeigt bei näherem Zusehen einen ihm eigenen Rhythmus: einmal streckt sich der Wirbel und greift, sich zusammenziehend, mit seinen untersten Partien nach unten, danach zieht er die inneren Teile wieder nach oben zurück und dehnt sich dabei in die Breite.[b] Darauf folgt wieder eine erneute Zusammenziehung, verbunden mit einer Streckung in die Tiefe, die dann wieder in die Breite zurückgenommen wird usw. Es entsteht also eine rhythmische Pulsation.[c]
Ein anschauliches Bild kann man sich davon machen,[d] wenn man in einem zylindrischen Glasgefäß Wasser in drehende Bewegung versetzt, so daß ein Trichter entsteht, in den man einen Tropfen Farbe einfallen läßt. Dabei sieht man deutlich, wie die Randschichten langsamer drehen als die inneren und das ganze Gebilde rhythmisch auf- und abpulsiert. Besonders die inneren Schichten beschreiben korkzieherähnliche Schraubenflächen, die beim Langsamerwerden der Drehung immer deutlicher hervortreten. Diese Bewegung in schraubenförmig verwundenen Flächen wurde schon im ersten Kapitel als eine Urbewegung [e] des Wassers beschrieben.
Wir lernen den Wirbel als ein Gebilde kennen, das, in sich abgeschlossen, seine eigenen Formungen, Rhythmen und Bewegungen hat. Gehen wir den letzteren weiter nach, so finden wir, daß der Wirbel in seiner Geschwindigkeitsdifferenzierung - außen langsam, innen rasch - in enger Verwandtschaft mit den großen Bewegungen des Planetensystems steht: er verwirklicht - von Feinheiten abgesehen - das zweite Keplersche Gesetz [f] der Planetenbewegungen: ein Planet umkreist die Sonne wie in einem Wirbel, insofern er in Sonnennähe schnell, in Sonnenferne langsam läuft. Dieses Gesetz beherrscht das ganze Planetensystem von den sonnennächsten bis zu den sonnenfernsten Planeten. Der Wirbel stellt ein kleines Abbild der Bewegungsverhältnisse des großen Planetensystems dar. [...] Der Sonne selbst würde das Wirbelzentrum entsprechen. Das »Kreisen« ist allerdings, genau betrachtet, eine exzentrische Bewegung.
Auch noch in anderer Beziehung hat der Wirbel eine Eigenschaft, die auf kosmische Verhältnisse weist: Läßt man einen sehr kleinen Schwimmer mit einem feststehenden Zeiger darauf in einem Wirbel mitkreisen, so zeigt dieser Zeiger stets in die einmal eingestellte Richtung, das heißt, er bleibt dauernd zu sich parallel! Genau besehen zeigt er also nach ein und demselben Punkt in unendlicher Ferne. [...] Das heißt aber, daß der Wirbel gleichsam mit unsichtbaren Richtungsfäden auf den Umkreis des gesamten Fixsternhimmels hinorientiert ist.
Theodor Schwenk
aus «Das sensible Chaos»; S.42f
Hu, der Große Wirbel: [...] Ich bin das Prinzip des Wirbels. Ich bin auch im Menschen. Unter anderem dann, wenn seine Gedanken wirbeln. Oder wenn ihm schwindlig wird. Ich bin allerdings kein Knochenwirbel, obwohl die Knochen Teile meines Prinzips in sich aufgenommen haben. Ich bin nicht auf die Erde beschränkt. Ich wirble auch Milchstraßen. Ich bin überall da, wo Schöpfung ist.
F.P.: Du bist also der Hauptimpulsgeber, derjenige, welcher den göttlichen Willen in die Wesen und Dinge hineindrückt.
Hu: So kann man es bezeichnen. Von euren Organen hat das Herz am meisten mit mir zu tun. Das menschliche Organ, welches mich am meisten nachformt, ist die Niere. Wo ich in der Welt am sichtbarsten auftrete, ist die Luft und das Wasser. Im Wasser bin ich am besten zu sehen. Jedes Tief [Zyklon] oder Hoch [Antizyklon] trägt mein Prinzip in sich. Kannst du dir denken, was für ein Prinzip das ist?
F.P.: Sammeln, zentrieren, transportieren.
Hu: In welcher Form?
F.P.: Drehend.
Hu: Das ist wichtig! Nur im Zentrum dreht es nicht. Was drückt sich im Wirbel aus? Mein Prinzip wurde geschaffen aus den und durch die Wesen der ersten Hierarchie.[g] Wenn diese Wesen so etwas Ähnliches tun wie Denken, nur viel fortschrittlicher, dann entsteht diese Drehung, welche auf die Trinität [h] ausgerichtet ist.
F.P.: Was bewirkt denn diese Drehung? Warum genügt nicht einfach ein Druck oder ein Zug?
Hu: Druck und Zug sind statisch und lassen keine wirkliche Veränderung zu. Durch die Drehbewegung bewegen sich auch Zeit und Raum. So ist Entwicklung möglich. Aufbauende oder abbauende Bewegung, je nach Drehrichtung [i].
F.P.: Du birgst also die Freiheit in dir?
Hu: Ja, auch. Alle trinitarischen Prinzipien sind in mir.
Wenn ihr in die Luft sprecht, verursacht ihr auch Wirbel. Jedes Wort erzeugt Luftwirbel. Da das Wort ein sehr grundlegendes Prinzip eurer gesamten Daseinsform ist, wirkt es überall dort, wo Wirbel auftreten können oder sichtbar sind.
aus «Mühlengespräche IV»; S.122f
Unsere Anmerkungen
a] Der Lebenswirbel ist ein Hauptmotiv keltischer Ornamentik, das zB. um die Wende vom XIX. zum XX. Jahrhundert von Vincent van Gogh als Bildtopos wieder aufgenommen worden ist.
b] vgl. Jang und Jin in ihrer Dynamik
c] vgl. Mbl.14: Anm.4
d] zB. im Institut für Strömungswissenschaften in Herrischried
e] vgl. »TzN Feb.2007«
f] Mit seinen drei Gesetzen untermauerte Johannes Kepler das heliozentrische Weltbild von Kopernikus, nämlich
1. die Planeten bewegen sich auf Ellipsen mit der Sonne als einem ihrer beiden Brennpunkte;
2. der Radiusvektor (Verbindungslinie Planet-Sonne) überstreicht in gleichen Zeiten gleiche Flächen;
3. das Quadrat der Planetenumlaufzeit verhält sich wie der Kubus seiner mittleren Entfernung von der Sonne.
g] vgl. Mbl.14
h] vgl. Mbl.15
i] nämlich gegen den Uhrzeigersinn (kosmisch, "up") oder in ihm (irdisch, "down")
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